Dezember 2004 > mehr können > Trendstudie Female Forces
 
Female Forces
Interview von Regina Kogler
 
mediella: Im Juli gab es auf dem Münchner Kongress der Frauennetzwerke einen Vortrag des deutschen Trendforschers Matthias Horx mit dem Titel "Megatrend Frauen". Das 21. Jahrhundert wird seiner Meinung nach das Jahrhundert der Frauen sein.

Susanne Westphal: Er verweist darauf, dass Frauen eine stärkere Rolle in der Politik, Bildung, Arbeits- und Konsumwelt spielen werden. 60 Prozent der Abiturienten sind heute Frauen. Der Anteil der weiblichen Studierenden liegt bei 44 Prozent. Frauen sind stark im Kommen!

Mit Megatrend Frauen ist aber nicht nur das Geschlecht "Frau" gemeint, sondern auch weibliche Eigenschaften. Unsere Gesellschaft wird weiblicher. Wir könnten auch vom Megatrend Weiblichkeit sprechen.

mediella: Zusammen mit Kirsten Brühl haben Sie für die Zukunftsinstitut GmbH den Megatrend Frauen und seine Auswirkungen auf Konsum und Business näher untersucht. Die Ergebnisse werden Anfang Dezember als Studie "Female Forces" veröffentlicht. Im Sommer gab´s dazu in München, Berlin, Mainz und Köln eine Zukunftswerkstatt. Was war die Zielsetzung?

Susanne Westphal: Wir wollten herausfinden, wie unsere Welt aussehen würde, wenn wir Frauen sie alleine gestalten könnten. Eine wichtige Frage, die wir uns stellten, war: "Ticken Frauen anders als Männer?"

mediella: Wie läuft so eine Zukunftswerkstatt ab?

Susanne Westphal: Über das Netzwerk femmes geniales haben wir berufstätige Frauen zur Kreativ-Werkstatt Frauen machen Zukunft eingeladen. Angestellte und Selbstständige, mit und ohne Kinder, allein, gemeinsam und getrennt erziehend, verheiratet und getrennt lebend, karriere-, zielstrebig und teilzeitbeschäftigt ... es sollte eine möglichst große Vielfalt an Lebensmodellen vertreten sein. Der Altersschwerpunkt lag bei 30 bis 50 Jahren.

Als Einstieg haben wir die aktuelle Situation anhand von Zahlen und Entwicklungen betrachtet. Dann teilten sich die rund 15 Frauen in zwei Arbeitsgruppen auf, um über Arbeits- oder Konsumwelt zu diskutieren und ideale Zukunftsszenarios zu entwickeln. Den sehr subjektiven Blickwinkel haben wir dabei bewusst in Kauf genommen. Es ist faszinierend, dabei Parallelen in den verschiedenen Workshops beobachten zu können.

mediella: Was sind die Ergebnisse? Ticken wir Frauen nun anders?

Susanne Westphal: Ja, das tun wir. Frauen denken über ganz andere Dinge nach. Sie unterscheiden sich in der Wahrnehmung, Prioritätensetzung und in der Art, wie Entscheidungsprozesse ablaufen.

Kein Unternehmen kann es sich heute leisten, wichtige Entwicklungen zu verschlafen. Nicht nur für Akquise, Vertrieb und Marketing, auch für die Mitarbeiteransprache liefert die Studie wichtige Denkanstöße und Ideen.

Heute ist es so, dass die Bedürfnisse von Frauen ganz klar missachtet werden. Frauen wollen als Kundinnen und Mitarbeiterinnen ernst genommen werden. Die Studie zeigt, dass Unternehmen ihre Zielgruppe Frauen besser ansprechen und begeistern können. Egal wie technisch das Produkt ist, Themen dürfen generell nicht mehr nur rein männlich betrachtet werden.

In den Workshops wurden ganz konkrete Wünsche genannt. Frauen sind pragmatischer als Männer. Statussymbole sind ihnen weniger wichtig als der faktische Nutzwert. Eine Ordnung des Sortiments nach Farbtypen anstatt nach Marken, wie es heute in zahlreichen Shopkonzepten zu finden ist, wäre viel kundinnenorientierter.

Die Entwicklungen innerhalb der Zielgruppe Frauen scheint vielfach übersehen worden zu sein. So spiegelt Werbung die Lebensrealität sogar falsch wider, wenn familienorientierte Frauen gegenüber den berufsorientierten völlig überrepräsentiert sind. Auch das klassische Mutterbild, wie es uns beispielsweise in der Kinderschokoladenwerbung mit einer fürsorglichen, sich selbst zurücknehmenden Claudia Schiffer mit viel Weichzeichner verkauft wird, ist für die Generation der jungen Frauen absolut realitätsfern.

mediella: In Ihrer Studie haben Sie verschiedene Frauen-Typologien entwickelt. Ihre junge Mutter in der Werbung wäre danach vielleicht eine "Pippi Langstrumpf-Mutter".

Susanne Westphal: Ja genau. Die jungen Mütter wollen sich nicht auf ein Mutter-Abstellgleis schieben lassen. Sie sind erwachsen gewordene Pippi-Langstrumpfs: etwas aufmüpfig und absolut nicht alt, nur weil ein Kind ansteht. Ihr Prinzip ist Lebenslust. Eine Pippi Langstrumpf-Mutter arbeitet, ohne dabei eine große Karriere anzustreben.

Ein ganz entscheidendes Ergebnis der Studie ist, dass Frauen sich ungern auf eine einzige Rolle festlegen lassen. Sie schlüpfen, je nach Situation, in viele verschiedene Rollen. Frauen sind "multi-tasking".

mediella: Zur gleichen Schlussfolgerung kommen Sie auch in Ihrem aktuellen Buch "Einfach becircend. Die Typologie weiblichen Erfolgs.". Sehr anschaulich, persönlich und unterhaltsam zeigen Sie, wie Frauen ihren weiblichen Charme als Wettbewerbsvorteil nutzen können.

Susanne Westphal: Jemand zu becircen ist eine weibliche Stärke, die in jeder Frau steckt. Es gibt Erfolgsstrategien, die funktionieren einfach besser als andere. Die Studie Female Forces erklärt, warum "Zicken" aussterben und "Circen" schwer im Kommen sind.

Jeder Mensch ist anders. Wenn ich mich selbst und mein Gegenüber kenne, wenn ich eine Situation aus den Blickwinkeln des anderen sehen kann, weiß ich, welche meiner Stärken ich am besten ausspiele, um meine Ziele bestmöglich zu erreichen.

Ein gewisser Charme, Empathie und die Fähigkeit, sich auf den anderen einzustellen ist allein schon wichtig, um den Fuß in die Tür zu bekommen.

mediella: Geben Sie unseren Leserinnen zum Abschluss noch ein Erfolgsgeheimnis preis?

Susanne Westphal: Erfolgreich sein kann ich nur dann, wenn ich mich selbst wertschätze, wenn ich weiß, was ich (mir) wert bin. Dazu gehört auch, sich mal etwas Besonderes zu gönnen. Mir war daher wichtig, ein seelisches Eigenverwöhnprogramm als Kapitel in mein Buch aufzunehmen. Nur wer sich selbst gut fühlt, kann andere becircen!

mediella: Herzlichen Dank.
 

Susanne Westphal
Trainerin, Referentin, Coach zu Kommunikationsthemen
Schwerpunkt: Interne Unternehmenskommunikation, creative economy
E-Mail: direkt@suewest.de
Veröffentlichungen
Kirsten Brühl, Susanne Westphal: Female Forces - Der Megatrend Frauen und seine Auswirkungen auf Konsum und Business. Studie der Zukunftsinstitut GmbH Kerkheim.
November 2004, ca. 100 Seiten, ISBN 3-938284-02-1, lieferbar ab 06.12.2004, EUR 190,00. Bestellung

Susanne Westphal: Einfach becircend. Die Typologie weiblichen Erfolgs.
Kabel Verlag München Lifestyle&Modernes Leben, Oktober 2004, ISBN 3-8225-0647-8, EUR 18,90.
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Megatrends
1) haben mindestens eine Halbwertzeit von 25 bis 30 Jahren
2) müssen in allen möglichen Lebensbereichen auftauchen und dort Auswirkungen zeigen (nicht nur Konsum, sondern auch Wertewandel, Politik, Ökonomie etc.)
3) haben prinzipiell einen globalen Charakter, auch wenn sie nicht überall gleichzeitig stark ausgeprägt sind.
Quelle www.zukunftsinstitut.de
Linktipp
Ein Beruf mit Zukunft: Zukunftsforscherin. In mediella 08.04
Charisma Coaching. Jeder Mensch hat Charisma. In mediella 11.04
Autorin/Interview
Regina Kogler, Interview November 2004
Kontakt: regina.kogler @mediella.de