Dezember 2003 > mehr verdienen > Bewerbungsanschreiben
 
Praxistipps für das Bewerbungsanschreiben
Von Elisabeth Ebert
 
Der Bewerbungen gibt es viele, der Stellenanzeigen wenige. Das wissen auch die fleißigen SchreiberInnen und die einschlägigen Verlage: Der Markt ist voll von Ratgebern für die "perfekte" oder "erfolgreiche" Bewerbung.
Eines wird in diesen Ratgebern manchmal allerdings zu wenig betont: In dem Wort Bewerbung steckt das Wort Werbung. Genau. Sie machen Werbung - für sich.
Für ungeübte Schreiberinnen und Schreiber ist hier guter Rat tatsächlich manchmal teuer.
Gerade diejenigen, die nicht ans Schreiben gewöhnt sind, tun sich oft schwer: Selbst junge Menschen formulieren hier so, dass jeder Kanzleiangestellte des 19. Jahrhunderts seine Freude daran gehabt hätte. Warum das so ist, möchte ich hier gar nicht erörtern; ich stelle nur immer wieder fest, dass viele Menschen sich völlig verkrampfen, wenn es ans Schreiben geht. Viele Mustertexte und Formulierungshilfen werden deshalb dankbar übernommen. Oftmals verheerend unkritisch.

Noch einmal: Wir wollen mit unserem Bewerbungsanschreiben Werbung machen, d.h. wir wollen unser Gegenüber erreichen und ihn zu einer Handlung bewegen - nicht zum Kauf, aber zumindest dazu, dass er/sie uns zu einem Gespräch einlädt und dann einstellt. Nun stellen Sie sich einmal folgenden Werbetext vor: Hiermit möchte ich Ihnen empfehlen, dieses Waschmittel zu kaufen. In seiner langjährigen Tätigkeit als Waschmittel hat es stets unter Beweis gestellt, dass es die Wäsche sauber macht. Würde Sie das dazu verleiten, dieses Waschmittel zu kaufen? Eher nicht. Warum also sollten Sie sich so verkaufen wollen?

Sehen wir uns einmal die Rezepte von professionellen Textern an - Ihr Bewerbungsanschreiben ist im Grunde nämlich nichts anderes als ein so genanntes Werbe-Mailing. Nur, dass Sie in Ihrem Bewerbungsschreiben keine Sonderangebote anpreisen und keine Geiz-ist-geil-Slogans verbreiten, sondern überzeugend und seriös vorgehen. Schließlich bewerben Sie ein kostbares Produkt: sich selbst.

  1. Ihr Anschreiben hat eine klare Zielgruppe: Das Unternehmen, das Sie einstellen soll. Machen Sie sich deshalb klar, was diese Zielgruppe will. Lesen Sie dazu den Text einer Stellenanzeige genau durch. Oder besuchen Sie die Website. Ist das Unternehmen eher konservativ oder gebärdet sich auch der regionale Schmierfett-Hersteller als moderner Global-Player? Dementsprechend passen Sie den Stil Ihres Anschreibens an.
    Vor allem: Achten Sie darauf, für welche Branche Sie sich bewerben! Sucht ein Kosmetikhersteller etwa eine neue Mitarbeiterin, dann schreiben Sie nicht zeilenlang, dass Sie jahrelange Erfahrungen in der Automobilbranche haben.
  2. Bringen Sie Ihr Anliegen gleich auf den Punkt, langweilen Sie die Personaler nicht mit abgedroschenen Phrasen. Ihr Betreff darf durchaus 2-zeilig sein! So können Sie bequem alle wichtigen Angaben darin unterbringen und sich den Platz im eigentlichen Text sparen:
    Bewerbung für die Stelle als XXXXXXX
    Ihre Anzeige in der XXXXXX vom XXXXXXX

    Dass Sie sich für die Stelle bewerben, wäre damit geklärt. Beginnen Sie dann Ihr Anschreiben am besten mit einer persönlichen Anrede: Sie suchen oder Ihr Unternehmen ... . Nichts ist so wirkungsvoll wie direkte, persönliche Ansprache - schließlich sind wir im Dialog. Bewährt hat sich das Schema Sie suchen - ich biete
  3. Bevor Sie den eigentlichen Text schreiben, stellen Sie sich vor, Sie würden ein Gespräch mit einem guten Bekannten führen und den Inhalt Ihres Bewerbungsanschreibens mündlich wiedergeben. Schreiben Sie zunächst gesprochene Sprache! Das hält Sie von einem unnatürlichen Schreibstil ab. Bringen Sie erst dann Ihre Sätze in einen natürlichen Schriftstil.
  4. Schaffen Sie in Ihrem Anschreiben Nähe und Vertrautheit. Benutzen Sie daher auch Formulierungen, wie sie im Anzeigentext stehen oder in den Informationen über die Firma. Das erhöht die Chance, dass sich die Personal-Entscheider wiedererkennen.
  5. Denken Sie daran: Sie machen Werbung - für sich. Welche Argumente liefern Sie Ihrem Ansprechpartner bereits beim Anschreiben dafür, dass er/sie ausgerechnet Sie nimmt? Fragen Sie sich selbst: Ist es ein Argument, wenn Sie schreiben ... bewerbe ich mich, da die Stelle mich sehr interessiert ... . Auch wenn es bitter ist: Niemanden interessiert, was Sie interessiert! Überlegen Sie, welchen Nutzen Sie dem Unternehmen bringen!
  6. Argumente erreichen Ihr Gegenüber besser, wenn Sie belegt werden. Schreiben Sie daher nicht ich bin flexibel und arbeite gerne im Team - das kann schließlich jeder behaupten. Schauen Sie, was in Ihren Zeugnissen steht und formulieren Sie lieber meine Arbeitgeber beschreiben mich als ... oder meine Arbeitgeber bescheinigen mir ...
  7. Unserem Goethe wird der folgende Briefanfang zugeschrieben: Lieber Freund, heute bekommst du einen langen Brief. Für einen kurzen hatte ich keine Zeit. Klingt widersprüchlich? Mitnichten. Kein Profi gibt seine erste Textfassung zum Druck frei. Er oder sie nimmt sich Zeit um alles zu überarbeiten. Erwarten auch Sie deshalb nie, dass Ihre erste Fassung druckreif ist. Schreiben Sie im ersten Schritt alles auf, was Ihnen einfällt und überarbeiten Sie alles später.
  8. Bevor Sie diese Rohfassung überarbeiten, tun Sie am besten etwas ganz anderes - gehen Sie zum Kopierer, räumen Sie die Spülmaschine aus oder fahren Sie ein wenig Rad. Je nachdem, wo Sie gerade sind - etwas zu tun gibt es ja immer. Erwiesenermaßen kommen viele gute Ideen dann, wenn man nicht konzentriert über ein Thema nachdenkt. Vielen Textern kommen die besten Ideen, wenn Sie sich bewegen und dabei die Gedanken fließen lassen - probieren Sie es aus! Apropos fließen: Viele Texter haben die besten Ideen unter Dusche ...
Buchtipp
Hesse/Schrader. Praxismappe für die perfekte schriftliche Bewerbung.
Eichborn Verlag 2001. ISBN 3-8218-1577-9. EUR 14,90

Svenja Hofert. Praxismappe für die perfekte Internet-Bewerbung.
Eichborn Verlag 2001. ISBN 3-8218-1569-8. EUR 15,90
Linktipps
Sehr gut kommentierte Beispiele: WiWi-TreFF
Bewerbungsanschreiben - Die wichtigsten Punkte im Druckformat (PDF-Download): www.aps-agentur.de

Ausführliche Seiten zum Durcharbeiten:
www.erfolgreicher- bewerben.de
www.jova-nova.de
Autorin
Elisabeth Ebert arbeitet als Trainerin und Coach für EDV und Kommunikation in München. Ihr Studium verdiente sie sich selbst und bekam so Einblick in die Personalabteilungen großer Unternehmen. Im Rahmen von Outplacement-Maßnahmen coacht sie im Auftrag namhafter Unternehmen Bewerbungsaktivitäten der Mitarbeiter.
Internet: www.klartexter.de
E-Mail: ebert@klartexter.de