Dezember 2003 > mehr können > vhb
 
Die Virtuelle Hochschule Bayern
Von Regina Kogler
 
E-Learning ist in Wirtschaft und Wissenschaft ein wichtiges Thema. Dank großzügiger Fördertöpfe durch den Verkauf von UMTS-Lizenzen konnte in den letzten Jahren bundesweit kräftig in den Auf- und Ausbau von virtuellen Hochschulen investiert werden.

Angesichts eines allgegenwärtigen Sparzwanges versiegen die Fördermittel und viele Projekte kämpfen mit dem Problem der fehlenden Anschlussfinanzierung. Die Virtuelle Hochschule Bayern kann sich hier glücklich schätzen. Sie ist als mittlerweile reguläre Institution des Freistaates Bayern davon nicht betroffen.

Die Virtuelle Hochschule Bayern (vhb) ist keine eigene Hochschule, wie der Name vielleicht vermuten ließe, sondern eine Verbundeinrichtung von derzeit neun staatlichen Universitäten, 17 staatlichen Fachhochschulen sowie sieben weiteren Hochschulen in Bayern. Entstanden ist sie im Jahr 2000 im Rahmen der "High-Tech-Offensive" der Bayerischen Staatsregierung aus dem Projekt "Neue Medien in der Hochschullehre".
Die vhb koordiniert und bündelt die vorhandenen Initiativen im Bereich der virtuellen Lehre.

Ziel ist eine sinnvolle Verbindung von Präsenzlehre und virtueller Lehre.
Die einzelnen Angebote werden als eine Unterstützung gesehen, als Ergänzung zu den Präsenzveranstaltungen und zu konventionellen Vorlesungselementen wie Skript, Übungsaufgaben oder Tutorien. Ein virtueller Vollstudiengang, wie zum Beispiel an der Virtuellen Fachhochschule www.oncampus.de, ist vorerst nicht geplant.

Die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten neuer Medien ist sehr groß.
Neben multimedialem begleitendem Vorlesungs- oder reinem Selbstlernmaterial können komplette Seminare und Vorlesungen oder Experimentiermöglichkeiten im Telelabor angeboten werden. Dies hängt ganz von den beteiligten Trägerhochschulen ab. Die Programme werden eigenverantwortlich von Hochschullehrern in den einzelnen bayrischen Hochschulen entwickelt.

Fachräte der vhb sind für die inhaltliche Planung des Angebotes verantwortlich.
Sie koordinieren die Betreuung und sichern mit der Auswahl und Freigabe die Einhaltung festgelegter Qualitätsstandards.

Das Programm der vhb ist vielfältig.
Es umfasst die Bereiche Informatik, Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Lehrerbildung, Rechtswissenschaft und Soziale Arbeit sowie Schlüsselkompetenzen wie Lern- und Arbeitstechniken oder Fremdsprachen. Im Wintersemester 2003/2004 werden von der vhb insgesamt rund 90 Kurse angeboten. 58 davon sind sogenannte A-Kurse, die als fester Bestandteil des Curriculums von speziell ausgebildeten Online-Tutoren betreut werden. Die Kurse können als Studienleistungen angerechnet werden. Daneben gibt es für die Teilnehmer der vhb Ergänzungs- und Vertiefungsmodule zu Präsenzveranstaltungen sowie Online-Hilfsmittel wie beispielsweise Glossare, Fachinformationskataloge, Linklisten oder Materialsammlungen.

Neben fachlichem Know-how lernen die Studierenden gleichzeitig den selbstverständlichen Umgang mit Internet und mit E-Learning-Programmen.
Zugeschnitten auf ihre individuellen Interessen und unabhängig von Ort und Zeit können sie sich einen virtuellen Lernplan zusammenstellen, der sich gut mit den angebotenen Präsenzveranstaltungen ihrer Heimathochschule vereinbaren lässt.

Über Kooperationen des Hochschulnetzwerkes mit ähnlichen Netzwerken kann ein bundes- und weltweites Netzwerk mit einem umfassenden Ausbildungsangebot entstehen.
Davon würden nicht nur die Studierenden profitieren. Der Austausch und die gemeinsame Entwicklung von Lehrangeboten intensiviert auch die Zusammenarbeit zwischen Hochschullehrern der verschiedenen Hochschulen und Hochschularten.
Eine bundesweite Kooperation steckt jedoch noch in den Anfängen. Im letzten Jahr gab es eine erste Zusammenarbeit mit der Virtuellen Hochschule Oberrhein (viror), die mit deren Projektende im Juni 2003 und fehlenden Finanzmitteln zur Fortführung aber wieder beendet war.

Können Hochschulen zukünftig für sich neue Geschäftsfelder und damit neue Einnahmequellen als Bildungsdienstleister erschließen?
Zur Zeit können nur Studierende, die an den Trägerhochschulen immatrikuliert sind, das Angebot der vhb nutzen. Für die Zukunft wird auch ein Modell diskutiert, das die vhb als Plattform lebenslangen Lernens sieht, in der sich Akademiker auch nach ihrem Studium praxisnah weiterbilden können.

"Die Hochschule kommt an jeden Arbeitsplatz, in jede Wohnung". So wurde in einer Mitteilung der TU München Wissenschaftsminister Hans Zehetmair zum Start der vhb in 2000 zitiert. Eine schöne Vision. Aber bis dahin wird es wohl noch etwas dauern.

 

Virtuelle Hochschule Bayern (vhb)
Internet: www.vhb.org
Kontakt: geschaeftsstelle@vhb.org
Trägerhochschulen der vhb

»   Universität Augsburg, Otto-Friedrich- Universität Bamberg, Universität Bayreuth, Friedrich- Alexander- Universität Erlangen- Nürnberg, Ludwig- Maximilians- Universität München, Technische Universität München, Universität Passau, Universität Regensburg, Bayerische Julius- Maximilians- Universität Würzburg
» die Fachhochschulen Amberg- Weiden, Ansbach, Aschaffenburg, Augsburg, Bamberg (Fachbereich Soziale Arbeit), Coburg, Deggendorf, Hof, Ingolstadt, Kempten, Landshut, München, Neu-Ulm, Georg- Simon- Ohm Fachhochschule Nürnberg, Regensburg, Rosenheim, Weihenstephan, Würzburg-Schweinfurt sowie
» die Katholische Universität Eichstätt- Ingolstadt, die Hochschule für Fernsehen und Film München, die Hochschule für Politik München, die Katholische Stiftungsfachhochschule München, die Universität der Bundeswehr München, die Augustana- Hochschule Neuendettelsau, die Evangelische Fachhochschule Nürnberg, Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Hof, die Hochschule für Musik Würzburg, Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik, Regensburg, Hochschule für Musik Würzburg

Weitere Links
Virtuelle Fachhochschule
mit Online-Studiengang Medieninformatik und Wirtschaftsingenieurwesen
Internet: www.oncampus.de
Autorin
Regina Kogler
Kontakt: regina.kogler@ mediella.de