Dezember 2003 > mehr können > Spielregeln im Job
 
Machtspiele im Job?
Knacken Sie den Business-Code
Von Isabel Nitzsche
 
In Wirtschaft und Berufsleben geben nach wie vor Männer den Ton an. Die Spielregeln im Job bestimmen immer noch sie. Dabei handelt es sich meist um unbewusste Übereinkünfte. Männern sind sie von klein auf vertraut. Doch Frauen ist oft nicht klar, dass sie sich im Job auf fremdem Terrain bewegen. Gerade beim Thema "Macht" wird die unterschiedliche Einstellung von Männern und Frauen deutlich - und Frauen profitieren, wenn sie die (männlichen) Spielregeln für sich zu nutzen verstehen.

"Macht ist was Gutes, aber das musste ich erst lernen", sagt Ulla Schilder*, EDV-Expertin in einem Telekommunikationsunternehmen. Mit ihrer Zurückhaltung dem Thema "Macht" gegenüber ist die 39jährige in der Berufswelt in guter weiblicher Gesellschaft. Für Frauen ist Macht oft immer noch anrüchig, und sie begreifen zu spät, dass interessante Jobs oft auch einflussreiche Jobs sind. So bestätigen die Forschungsergebnisse der Psychologin Nathalie Klingen, dass Frauen sehr auf Gleichberechtigung und demokratische Strukturen in der Gruppe achten. Dementsprechend werden in reinen Frauengruppen im allgemeinen Stärke und Kompetenz einzelner Mitglieder sowie Konkurrenz untereinander tabuisiert und offene Machtkämpfe vermieden. Einerseits dient diese Einstellung einer angenehmen, kollegialen Arbeitsatmosphäre und die Gefahr von Willkür und Ungerechtigkeit wird vermieden, andererseits ist es in vielen Job-Situationen nützlich, auch selbst Stärke zeigen zu können.

Das hat Ulla Schilder durchs Machen, durchs Haben der Macht gelernt. Die Gelegenheit dazu erhielt sie, als sie Leiterin eines Projektes wurde - zur Einführung einer neuen Software. Das Projekt war durch eine Vielzahl beteiligter Abteilungen und das schwierige Thema sehr komplex. Obwohl es viel Energie kostete, gefiel Ulla Schilder, dass sie etwas gestalten konnte. Dass Machthaben positiv sein kann, lernte sie einfach durchs Ausprobieren. Geholfen hat ihr dabei Weiterbildung - diverse Seminare zu Themen wie "Persönlichkeit", "Konfliktverhalten" oder auch "Rhetorik", in denen auch über Macht diskutiert wurde.

Die wichtigste Spielregel: Macht
Egal, ob in der Politik oder in der Wirtschaft - Männer wollen etwas zu sagen haben. Macht haben bedeutet für sie die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen und zu bestimmen, wo's langgeht. Es ist ihnen ganz selbstverständlich, dass es im Job-Spiel darum geht, möglichst mächtig und materiell erfolgreich zu werden. Dies ist die wichtigste und elementarste Spielregel im Job. Der Begriff von Macht ist im Job gekoppelt an das Konzept eines hierarchisch strukturierten Systems. Für die meisten Männer ist es wichtig, einen Platz möglichst weit oben in der Hierarchie einzunehmen, um etwas zu sagen zu haben.

Wie Frauen das Macht-Prinzip clever nutzen
Knallhart an der Spitze stehen, die eigenen moralischen Vorstellungen ad acta gelegt und völlig desinteressiert an den Inhalten der eigenen Arbeit, nur um den Preis, Macht zu haben - welche Frau will das schon? Schließlich geht es für Frauen nicht darum, im Job zu vermännlichen, um Erfolg zu haben, sondern es geht darum, weiblich zu sein, aber trotzdem strategisch zu denken. Auf das Thema "Macht" bezogen heißt das als erstes, die eigene Einstellung dazu zu überdenken. Überlegen Sie, welche positiven Effekte es in Ihrer ganz konkreten beruflichen Situation haben könnte, mehr Macht zu haben.

Die hierarchische Rangordnung akzeptieren
Männer sähen das Leben als Wettstreit, sagt der Philosoph Peter Raabe. Ihnen ist wichtig, Unabhängigkeit zu bewahren, Niederlagen zu vermeiden und die eigene Position zu verteidigen. Beruflich sehr engagierten Frauen fällt es schwer, zu erkennen, dass sie sich manchmal auf eine Art und Weise verhalten, durch die sich männliche Vorgesetzte in ihrer Position bedroht fühlen.

Mit Macht die eigene Position schützen
Genauso wie Frauen aufpassen müssen, nicht ungewollt die Position anderer in Frage zu stellen, müssen sie sich dafür sensibilisieren, sich zu wehren, wenn die eigene Position in Frage gestellt wird. Das ist besonders wichtig, wenn man eine neue Aufgabe in einer Führungsposition übernimmt: "Man muss die Leute auf die gemeinsame Sache verpflichten und ihre Fähigkeiten mit den vielfältigen Anforderungen des Unternehmens in Einklang bringen", sagt Lydia Lux-Schmitt, Geschäftsführerin Business Services bei der Tochterfirma eines internationalen Health-Care-Konzerns. Wenn jemand die Loyalität verweigert, muss sie Konsequenzen ziehen. "So einer kann das ganze Team demontieren, das darf eine Vorgesetzte nicht zulassen" - das hat Lydia Lux-Schmitt inzwischen gelernt. In ihrer ersten Führungsrolle als Leiterin der Hauptbuchhaltung akzeptierte sie ein Mitarbeiter nicht als Vorgesetzte, weil er sich ebenfalls Hoffnungen auf den Posten gemacht hatte. Lux-Schmitt dachte: "Ach, das wird schon noch, wir werden schon noch zusammenwachsen." Erst nach sieben Monaten zog sie die Notbremse und fragte ihren Chef um Rat. Gemeinsam fand man einen Weg, sich von dem Störenfried zu trennen. "Ich habe wertvolle Zeit verloren," sagt Lydia Lux-Schmitt. Aber die Managerin ist mit sich im Reinen: "Das sind typische Fehler, die muss man machen, besser gleich als später."

* Name geändert

Buchtipp
Isabel Nitzsche: Spielregeln im Job. Wie Frauen sie durchschauen und für sich nutzen.
Kösel Verlag 2003.
ISBN: 3-466-30634-5.
EUR 14,95
Autorin
Isabel Nitzsche hat in München Journalistik und Germanistik studiert.
Nach einer Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule war sie zunächst freie Autorin, später Redakteurin und Redaktionsleiterin beim Fernsehen.
Seit 1997 ist sie mit ihrem Redaktionsbüro printTV selbstständig und arbeitet für Fernsehproduktionsfirmen und Zeitschriften.
Internet: www.printtv.de
E-Mail: nitzsche@printTV.de