November 2004 > mehr verdienen > Lebensversicherung, Rentenversicherung
 

01.01.2005 – Ende der Steuerfreiheit von Lebens- und Rentenversicherungen

Interview von Kathrin Wolf
 
Ab Januar 2005 tritt das neue Alterseinkünftegesetz in Kraft. In diesem Gesetz wurde u.a. beschlossen, dass ab dem 01.01. 2005 abgeschlossene Lebens- und Rentenversicherungen nicht mehr steuerfrei sind. Bei Verträgen mit einmaliger Kapitalauszahlung muss dann der Differenzbetrag von Auszahlungsbetrag und eingezahlten Beiträgen versteuert werden. Wir befragen dazu Anette Röttcher, Geschäftsführerin der Finanzberatung rs-finanz gmbh.

mediella: Banken und Versicherungen nutzen diese Gesetzesänderung seit Monaten, um verstärkt für ihre Produkte zu werben und drängen uns noch unbedingt bis Ende Dezember eine Lebensversicherung abzuschließen.

Anette Röttcher: Ich meine, dass es in jedem Fall wichtig ist, sich mit der privaten Altersvorsorge zu beschäftigen. Bereits beschlossen ist das so genannte Nachhaltigkeitsgesetz, worin Änderungen in der Anpassung der gesetzlichen Renten stehen. Infolge dieses Gesetzes wird das Rentenniveau stärker sinken als bisher, von etwa heute 53 Prozent des durchschnittlichen Bruttoeinkommens auf 46 Prozent im Jahr 2020.

mediella: Ist eine Lebensversicherung eine sinnvolle Lösung, um für’s Alter vorzusorgen?

Anette Röttcher: Eine Kapital-Lebensversicherung (KLV) ist nur für ganz spezielle Zielgruppen sinnvoll. Sie ist eher für Selbständige interessant, da die monatlichen Beiträge zu 88% als Vorsorge-Aufwendungen steuerlich absetzbar sind, sofern der Höchstbetrag noch nicht erreicht ist. Angestellte haben ihre Höchstbeträge oft schon durch die gesetzlichen Rentenbeiträge erreicht.
Eine KLV beinhaltet in jedem Fall eine Todesfallabsicherung - interessant für Personen mit Familien – wobei man erwähnen muss, dass der Todesfallschutz wesentlich günstiger über eine Risiko-Lebensversicherung abgedeckt werden kann. Und wer ein Haus oder eine Wohnung kaufen möchte, kann die KLV zur Tilgungsaussetzung für die Immobilienfinanzierung verwenden.
Eine Kapital-Lebensversicherung deckt also verschiedene Ziele ab und deshalb ist der Anteil, der für die Altersvorsorge angespart wird, geringer als bei anderen Produkten.

mediella: Wie sieht es bei einer Rentenversicherung aus?

Anette Röttcher: Eine private Rentenversicherung ist im Prinzip eine Kapital-Lebensversicherung ohne Todesfallschutz.
Auch hier kann man die Beiträge für Vorsorgeaufwendungen zu 88% steuerlich absetzen, also wiederum interessant für Selbständige. Eine Rentenversicherung kann jedoch nicht als Tilgungsaussetzung für die Immobilienfinanzierung verwendet werden.
Die private Rentenversicherung ist eine sichere, aber eher konservative Form der Kapitalanlage und ist deshalb vor allem für ältere Personen zu empfehlen, die nicht mehr so viel Zeit haben, um für’s Alter anzusparen und deshalb das Risiko so gering wie möglich halten sollten.

mediella: Was ist eine fondsgebundene Lebensversicherung bzw. Rentenversicherung?

Anette Röttcher: Sowohl bei der fondsgebundenen Lebensversicherung als auch bei der fondsgebundenen Rentenversicherung wird der Sparanteil der Beiträge in Investmentfonds nach den Wünschen des Kunden investiert. Die fondsgebundene Lebensversicherung beinhaltet eine Todesfallabsicherung und man kann sie ebenfalls zur Tilgungsaussetzung für die Immobilienfinanzierung verwenden. Für die fondsgebundene Rentenversicherung gilt dies nicht. Die Beiträge beider Produkte können nicht im Rahmen der Einkommensteuer als Vorsorgeaufwendungen geltend gemacht werden.

mediella: Was ist beim Abschluss dieser fondsgebundenen Versicherungen zu beachten?

Anette Röttcher: Die Wertentwicklung fondsgebundener Policen hängt in jedem Fall von den Ergebnissen der Investmentfonds während der Laufzeit ab. Deshalb kommt es vor allem auf eine kluge Auswahl der Fonds an. Möglich sind Aktien-, Renten-, und Immobilienfonds oder ein Fonds-Mix verschiedener Fonds-Arten. Eine garantierte Rendite gibt es jedoch meistens nicht. Darüber hinaus sollte bei fondsgebundenen Produkten die Laufzeit mindestens 20 – 25 Jahre betragen, da sonst das Risiko zu groß ist.

mediella: Frau Röttcher, wir danken Ihnen, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben.

Anette Röttcher
Gesellschafterin und Geschäftsführerin der rs-finanz gmbh

Seit 1994 selbstständig als Finanzberaterin tätig,
2001 Gründung der rs-finanz gmbh gemeinsam mit Jörg Stooß
Dozentin an den VHS in München und Umgebung

Schwerpunkt:
unabhängige Beratung von Privatkunden
im Bereich Absicherung und Vermögensaufbau

rs-finanz gmbh
Finanz- und Vermögensplanung
Tel: 089.89 05 38 70
E-Mail: info@rs-finanz.de
Internet: www.rs-finanz.de

 
Autorin/Interview
Interview Oktober 2004
Kathrin Wolf
WEB-Design und Texte
Kontakt: info@kat-wolf.de