November 2003 > mehr verdienen > Weblogs
 
Weblogs als Selbstmarketing-Instrument
Von Annette Wachowski
 
Sie sind in aller Munde bzw. in allen Fach-Magazinen und vor allem im Internet: Weblogs.

Was als eine Art kommentierte Linkliste und Online-Notizbuch begann, hat im Sturmschritt die Online-Szene erobert.

Viele Blogger und Bloggerinnen sehen ihre Blogs nicht vordergründig als Selbstmarketing-Tool, aber wie sagte die Bloggerin und Texterin Birgit Mestmäcker so passend, als ich sie danach fragte: "Natürlich ist jedes öffentliche Weblog eine Art Selbstmarketing-Plattform."

Was ist ein Weblog?
Technisch gesehen ist ein Weblog ein Mini-Content-Management-System, das es ermöglicht, auch ohne HTML-Kenntnisse ständig aktuelle Inhalte auf eine Website zu bringen. Die Einträge, die durch die automatische Angabe von Datum und Uhrzeit Tagebucheinträgen ähneln, erscheinen in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge auf der Website. Der aktuellste Eintrag befindet sich also immer oben; alte Einträge werden in ein Archiv weggespeichert und sind jederzeit wieder abrufbar.

Inhaltlich kann es alles sein: Kommentierung und Dokumentierung des politischen, kulturellen und persönlichen Tagesgeschehens, Beobachtung der Entwicklungen, Diskussionen und Neuerungen in der IT-, E-Business- und Online-Welt, Triviales, Kurioses und immer wieder Wissenswertes.

Ein wesentliches Merkmal von Weblogs sind Links auf Webseiten, Online-Artikel oder andere Blogs und das Kommentieren der dort vertretenen Meinung. Wer mag, erlaubt es den Lesern, seine eigenen Beiträge zu kommentieren und so können sich spannende Diskussionen entspinnen.

Einsatz als Selbstmarketing-Instrument
Was seinen Ursprung hatte als Medium zur persönlichen Organisation, nämlich eine Sammlung von wichtigen Links, Hinweisen und Ideen, hat sich verwandelt zu einer Plattform, um die eigene Kompetenz zu zeigen und um Kontakte zu knüpfen.

Hier bietet sich also ein Ansatzpunkt fürs Selbstmarketing:
Freiberuflerinnen und Unternehmerinnen, die Dienstleistungen rund um die Neuen Medien und im IT-Bereich anbieten, können Tipps, Links und Notizen zu neuen Entwicklungen sammeln und ihren Kunden per Weblog zur Verfügung zu stellen. Außerdem zeigen sie "am lebenden Objekt", dass sie auch diese Gattung der Online-Kommunikation beherrschen.
Für Texterinnen und PR-Frauen ist ein Weblog außerdem eine gute Möglichkeit, auf ihre texterischen Fähigkeiten und Experimentierfreude außerhalb von Werbe- und Pressetext zu verweisen.

Wichtig für den Erfolg eines Weblogs ist, dass es authentisch ist und keine verkrampfte Eigenwerbung.
Vom Stil unterscheidet sich ein Weblog von sonstiger offizieller Unternehmenskommunikation durch eine lockerere, ungezwungenere Sprache. Ein Weblog ist kein "Marketinggeschwätz", sondern eine persönliche Art etwas mitzuteilen. Darin liegt die besondere Note eines Weblogs - und auch die Chance, sich selbst den Kunden näher zu bringen und eine Beziehung zu ihnen aufzubauen.

Wie oft sollten Sie neue Inhalte einpflegen? Dafür gibt es keine feste Regel, aber ein Weblog muss leben - und wenn es Ihnen so geht, wie vielen Bloggern erwischt Sie die Sucht und ganz schnell wird aus "ab und zu mal" täglich und mehrmals täglich.

RSS vs. Newsletter
Wie erfahren Ihre Kunden nun, dass es in Ihrem Weblog etwas Neues gibt? Wenn Sie sich schon mal auf Weblogs umgetan haben, haben Sie sicher schon die orange-farbenen Kästchen mit den Buchstaben XML gesehen. Das bedeutet, dass dieser Blog einen so genannten RSS(Rich Site Summary)-Feed anbietet, den die Leser abonnieren können. Die Abonnenten werden automatisch über Updates und in zusammengefasster Form über die neuen Inhalte informiert; dazu müssen sie nur einen der meist kostenlos erhältlichen Newsfeed-Reader haben.

Der Vorteil von RSS liegt ganz klar darin, dass in Zeiten von Spam und überfüllten E-Mailboxen Interessenten ihre E-Mail-Adressen nur noch ungern an Unbekannte weggeben. Mittels RSS behält der User die Entscheidungsfreiheit, wessen Nachrichten er erhalten will und - dank der zusammengefassten Form - auch, welche er im Einzelnen lesen möchte.

Technische Voraussetzungen
Bloggen kann im Prinzip jede. Es gibt ganz einfache Tools, bei denen die Bloggerin keine Programmierkenntnisse benötigt und aus vorgegebenen Design-Templates auswählen kann. Sie braucht nicht mal eine eigene Domain dazu, die wird von entsprechenden Providern gleich mit angeboten.

Es gibt natürlich auch Tools für die fortgeschrittene Webworkerin, bei denen Datenbanken, PHP und andere Programmiertools zum Einsatz kommen und die das entsprechende Wissen voraussetzen.

Weitere Möglichkeiten mit Weblogs
Es gibt Blogging-Tools für Gemeinschaftsblogs, die von mehreren Autoren veröffentlicht werden. Ein solches Tool eignet sich beispielsweise für Firmen, die mehreren Mitarbeiterinnen ermöglichen wollen, via Weblog über ihre Firma und ihre Produkte zu schreiben. Oder für eine Projektgruppe, die mittels eines Projektblogs im Intranet den Projektverlauf dokumentiert.

Es gibt Tools, die besonders geeignet sind zum Aufbau virtueller Communities, die beispielsweise außer dem Blog noch Foren und Umfragen anbieten. Wer sich beteiligen will, muss angemeldetes Mitglied sein.

Apropos Community: Neben dem Selbstmarketing ergibt sich ein weiterer, nicht weniger wichtiger Effekt - die Bloggerin gehört mit ihrem Blog zu einer Community, einem virtuellen Netzwerk, denn niemand liest und kommentiert so gerne und so viele Blogs wie andere Blogger.
 

Links
Tipps zum Erstellen eines eigenen Weblogs
Bei www.drweb.de
Bei Carola Heine, www.carola-heine.de

Eine Auswahl von Weblogs
Die Mutter aller Weblogs www.scripting.com
Das erste deutsche Weblog www.moving-target.de
Business-Blogs:
www.roell.net/weblog
Eck.Punkte.log
eDings live Blog
Zornos Tagebuch
Industrial Technology & Witchcraft
MEX Blog
Gruppenblog Many2Many

Tipps für Bloggerinnen, Software-Überblick, Technik
Bloghaus www.bloghaus.net
PlasticWiki von Stephan Mosel www.plasticthinking.org

RSS
Eine ausführliche Erklärung liefert der "Schockwellenreiter" Jörg Kantel www.schockwellenreiter.de
Auf Englisch bei www.faganfinder.com
RSS-News

Autorin
Annette Wachowski
Mit einem Dank an Birgit Mestmäcker (hat ein Guckloch) und Carola Heine (www.moving-target.de), die mir freundlicherweise einige Fragen zu dem Thema beantwortet haben.
Kontakt: annette.wachowski@ mediella.de