November 2003 > mehr können > Gehaltsstudien 2003
 
Interaktive Medien: Neue Studien zu Arbeitsbedingungen und Gehaltsstrukturen der Branche.
Von Regina Kogler
 
Fast zeitgleich zum dmmv-Gehaltsspiegel sind die ersten Ergebnisse einer Umfrage des verdi-Projektes connexx.av zur Einkommenssituation und generell zur beruflichen und betrieblichen Struktur in der Multimediabranche erschienen.

Die Gender-Thematik ist dabei ein besonderer Schwerpunkt der Studie. Der Titel "Junge Branche, alte Muster. Vom Arbeiten und Verdienen in der Multimedia-Branche" gibt bereits einen Hinweis auf das Fazit der Studie: Die Branche ist wenig fortschrittlich.

Nichts Neues ist die Feststellung, dass Frauen in den Bereichen Back-Office, Marketing und Design dominieren. Männer dagegen sind stärker in den technischen Bereichen, wie zum Beispiel Netzwerkadministration, Programmierung oder Service, vertreten.

Geschlechtsunterschiede finden sich nicht nur in den Tätigkeitsbereichen, sondern lassen sich auch im Einkommen feststellen: Hier verdienen Männer etwa 4.700 EUR mehr im Jahr. Dies lässt sich, wie die Autorin betont, jedoch nicht durch Arbeitszeiten, Ausbildung oder Position erklären.

Bezüglich der fachlichen Qualifikation unterscheiden sich Männer und Frauen kaum. Dies wird jedoch von der Mehrzahl der männlichen Befragten nicht so erkannt. Bei der Frage nach der höheren fachlichen Qualifikation äußern sich über 80 Prozent "trifft eher auf Männer zu". Männer und Frauen geben mehrheitlich an, dass Männer ihrer Einschätzung nach tendenziell aufstiegsorientierter sind und stärker vom Vorgesetzten unterstützt werden.

Bei diesen Antworten überrascht es daher nicht, wenn festgestellt wird, dass Frauen in den oberen Einkommensbereichen deutlich unterrepräsentiert sind. Viermal mehr Männer als Frauen verdienen mehr als 50.000 EUR pro Jahr. Das durchschnittliche Bruttojahreseinkommen von Frauen mit Weisungsbefugnis beträgt rund 35.000 EUR, ohne Weisungsbefugnis rund 24.000 EUR.

Als alarmierend bezeichnet die Studie die Arbeitsbedingungen: Zeitdruck, hohe Konzentrationsanforderungen sind neben häufig wechselnden Aufgaben, Leistungsdruck und häufigen Arbeitsunterbrechungen die wichtigsten Stressfaktoren. Gerade die Bereiche Sales, Netzadministration, Projekt-/Produktmanagement und Marketing zeigen eine überdurchschnittlich hohe Belastung - gleichzeitig aber auch die höchsten Jahreseinkommen.

Die Arbeitszeiten von Frauen und Männern unterscheiden sich kaum. So konnte in der Untersuchung nicht beobachtet werden, dass Frauen signifikant häufiger in Teilzeit arbeiten. Die Mehrzahl der Befragten sind insgesamt, trotz Überstunden, zufrieden mit ihrer Arbeitszeitregelung.

dmmv-Gehaltsspiegel 2003/2004
Obwohl von Euphorie noch nichts zu spüren ist, gibt sich der Deutsche Multimedia Verband e.V. (dmmv) im Vorwort zu seinem Gehaltsspiegel 2003/2004 optimistisch: "Die Digitale Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf: Zweistellige Umsatzzuwächse in Online-Handel und -Werbung sowie bei den Umsatzerwartungen der Internet- und Multimedia-Agenturen weisen in eine vielversprechende Zukunft."

Zum fünften Mal veröffentlichte der dmmv im Oktober die Ergebnisse zu seiner jährlichen Umfrage zu Gehalt, Arbeitszeiten, Mitarbeiterstruktur und erstmals auch zum Thema Weiterbildung in der interaktiven Medien-Branche.

Die wesentlichen Ergebnisse dieser Studie sind:

  • Die Durchschnittsgehälter in der digitalen Wirtschaft sind im Vergleich zum Vorjahr etwa gleich geblieben.
  • Vereinzelt sind in der Führungsebene rückläufige Gehälter zu beobachten. Die Leidtragenden sind die Berufseinsteiger. Sie erhalten im Vergleich zum Vorjahr rund sechs Prozent weniger Gehalt.
  • Über eine positive Gehaltsentwicklung dürfen sich Mitarbeiterinnen in den Bereichen Akquisition und Kontakt freuen. Mit einem durchschnittlichen Bruttojahresgehalt von 46.000 EUR konnten sie mehr verdienen als im Vorjahr mit noch rund 37.000 EUR. Tendenz: weiter steigend.
  • In Tätigkeitsfeldern wie Herstellung und Vertrieb von Standardsoftware, Online-Mediaplanung und Werbeträgerbelegung, Strategieberatung und Consulting werden besonders hohe Gehälter bezahlt. Das jeweilige Mittelfeld, die mittleren 50 Prozent der Befragten, reicht dabei von 40.000-48.000 im Bereich Beratung/Consulting und liegt bei Mitarbeitern aus Marketing/Vertrieb bei 45.000 EUR.
  • Unter dem Durchschnitt liegen zum Beispiel individuelle technische Programmierung und Design von Websites und Multimedia-Anwendungen. Als Beispiel verdienen Web-Entwickler durchschnittlich 35.000 EUR im Jahr. Im Bereich Programmierung/Technik Autorensysteme reicht die Spanne bei den Befragten von 31.000 bis 88.000 EUR.
  • Es werden weniger Überstunden gemacht. Die reale Wochenarbeitszeit sinkt und nähert sich mit nun rund 43 Stunden weiter den vertraglichen Wochenarbeitszeiten an.
  • Neue Mitarbeiter werden gesucht: Im Durchschnitt will jedes Unternehmen einen neuen Mitarbeiter einstellen, vor allem für Programmierung, aber auch für Bereiche wie Design, Grafik oder Marketing.
  • Für alle, die gerade einen Job suchen: Wichtigste Recruitingquelle der Unternehmen sind persönliche Kontakte. Danach folgen, mit Abstand, Stellenangebote auf der eigenen Website und Anzeigen.

 
Studien (Auswahl)
Hinweis: Abhängig von der jeweils verwendeten Datenbasis können verschiedene Gehaltsstudien nur bedingt miteinander verglichen werden.

»   Deutscher Multimedia Verband e.V. (Hrsg.): dmmv-Gehaltsspiegel 2003/2004. (Die Gehaltsstruktur der Interaktiven Medien-Branche.)
HighText Verlag. ISBN 3-933269-74-1. EUR 12,80
Info
 
» Claudia Brasse: Junge Branche, alte Muster. (Vom Arbeiten und Verdienen in der Multimedia-Branche. Eine Umfrage bei angestellten und freiberuflichen Beschäftigten.) Start Ende 2002. Von connexx.av, ein Projekt der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di).
Kurzfassung im Internet: www.connexx-av.de
Kontakt Standort München/Stuttgart: muenchen@connexx-av.de
 
» Angela Meyer: Wer verdient wie viel? (Ergebnisse der c't-Gehaltsumfrage für IT-Berufe in Deutschland, Österreich und der Schweiz.)
c't 6/03, Seite 118, Stand 07.04.03
 
» Entgelt in der IT-Branche 2003. (Fünfte Erhebung, Gehälter viertes Quartal 2002 in Branchen- und Anwenderbetrieben.)
Hrsg. IG-Metall, inkl. CD-ROM, ca. EUR 10,-

Linktipp
Bekommen Sie, was Sie verdienen. Artikel zu Gehaltsverhandlungen in mediella 06.03
Autorin
Regina Kogler
Kontakt: regina.kogler@ mediella.de