November 2002 > weniger arbeiten > Krimi
 
Willy Josefsson: Das Zeichen des Mörders
Von Claudia Mair
 
Autor Willy Josefsson stammt aus Schweden, dem Land der derzeitigen KrimikönigInnen. Der Protagonist des Krimis "Das Zeichen der Mörder" ist jedoch kein Wallander. Wenn er sich ausgiebig vergrübelt, so nicht etwa in der gesellschaftskritischen Ecke, sondern kreisend um sich selbst. Wir haben in der Person Martin Olssens einen absoluten Antihelden, die Verkörperung humorloser Passivität. In einem Krimi stellt dies ein gewagtes Experiment dar, das in erster Linie die Geduld der Leser strapaziert.

Olssen wird auf der Beerdigung eines Polizisten Zeuge eines überraschenden Vorfalls. Dank eines betrunkenen Sargträgers schlägt der Sarg auf dem Boden auf und heraus fällt nicht nur eine Leiche, sondern zwei. Bei der zweiten handelt es sich um einen bekannten Investor aus dem Bereich der IT-Branche. Als noch eine weitere Leiche auftaucht, geraten nicht nur Persönlichkeiten aus der IT-Branche, sondern auch reaktionäre, frauenfeindliche Kirchenmitglieder in Verdacht.

Bis zur Seite 113 ist Martin Olssen, König der Fertiggerichte und Herrscher über die Mikrowelle damit beschäftigt, möglichst nicht aktiv zu werden. Er bringt es nicht einmal über sich, seinem Auto die Richtung vorzugeben, geschweige denn seinem Leben: "Er legte den ersten Gang ein und überließ es dem Wagen, wohin er fuhr." Fast wünscht man sich, dieser Wagen möge doch bitte auch die Nachforschungen übernehmen, oder wenigstens der schroffe Arne Bergmann, ein Polizist, den Olssen noch aus seiner Zeit bei der Polizei kennt.

Olssen ist seit fünf Jahren nicht mehr im Polizeidienst, das erfahren wir gleich zu Anfang. Wieso und weshalb jedoch, bleibt im Dunkeln. Wir als Leser vermuten dahinter natürlich eine hochtragische Geschichte, da sich der schlaffe Olssen alle paar Seiten mit einer überraschenden Energie gegen die Zumutung wehrt, im Zusammenhang mit diesem Fall aktiv zu werden, ja, er bringt sogar das Kunststück fertig, wütend zu werden und zwar auf Seite 66 und in Wiederholung auf Seite 74! Ein weiterer charakterlicher Höhepunkt findet sich auf Seite 90, wo wir den guten Olssen "fast amüsiert" erleben. Abgesehen davon bleibt der gute Mann farblos.

Diese vom Autor gehegte und gepflegte Langeweile wird gekrönt von einer quälenden Liebesgeschichte, die uns in unsere pubertären Anfangszeiten zurückversetzt - aber wer wird in Liebesdingen schon wirklich erwachsen? Und so wollen wir darüber hinwegsehen, umso mehr, als die gute Cecilia unser Krimi-Dornröschen wachküsst und den Weg frei macht, für einen spannenden Krimi. Ab Seite 113 wird die Geschichte nämlich interessant. Man erfährt endlich auch, daß Olssen bereits 60 Jahre auf dem Buckel hat, und vielleicht handelt sich ja einfach um Rentnerallüren, was Olssen uns auf den ersten 113 Seiten vorgeführt hat.

Die angeschnittenen Problemthemen jedoch - Macht der IT-Branche, Asylanten, reaktionärer religiöser Fanatismus - gewinnen keine Tiefe, da der depressive Olssen kein ausreichendes Interesse aufbringt und sich mit einem hilflosen Kopfschütteln begnügt.

Wer nichts gegen depressive Langeweile hat und einen sich ständig zierenden Helden, der kann diesem Krimi, der nach dem ersten Drittel immerhin noch spannend wird, sicherlich ein gewisses Lesevergnügen abgewinnen.
 

Titel-Info
Willy Josefsson:
Das Zeichen des Mörders
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2001
EUR 8,50
Autorin
Claudia Mair gönnte sich nach einer ungeliebten Ausbildung den Zweiten Bildungsweg und danach ihr Traumstudium (Literatur), das sie nach Bayreuth, Berlin und Lyon geführt hat.
In Berlin hängen geblieben versucht sie gerade, ihr Studium im nervlichen Schonverfahren abzuschließen und widmet sich neben dem Schreiben ihrer zweiten Leidenschaft, dem T'ai Chi Ch'uan.
Kontakt: ClaudiaMair@web.de