November 2002 > mehr können > Erasmus Teil 1
 
Studieren in Europa mit Erasmus - Teil 1
Von Regina Kogler
 
Ein Studiensemester an einer ausländischen Hochschule ist neben dem Auslandsjob in den Semesterferien oder einem Auslandspraktikum eine gute Möglichkeit, den eigenen Horizont zu erweitern und internationale Kontakte zu späteren BerufskollegInnen zu knüpfen.

Für ein Auslandsstudium gibt es verschiedene Förderprogramme. Eines der wichtigsten für den europäischen Raum heißt Erasmus.

Vor 15 Jahren wurde es von der EU ins Leben gerufen und nach einem kosmopolitischen Humanisten, Erasmus von Rotterdam, benannt. Die EU-Kommission hatte für Ende Oktober eine europaweite Erasmus-Woche "Eine Millionen Erasmus-Studierende" initiiert. Diese verlief in München aber eher unauffällig.
In Deutschland nutzen pro Jahr etwa 16.000 Studierende sowie Dozenten (2001/2002) die Möglichkeit, über Erasmus 3 bis 12 Monate lang an ausländischen Hochschulen zu studieren beziehungsweise zu lehren. Europaweit sind es jährlich rund 100.000.

Internationalisierung der Hochschulen und Aufbau eines Qualitätsnetzes
Die Förderung der Zusammenarbeit der europäischen Hochschulen und der Anstoß zum verstärkten Austausch von Studierenden und Hochschullehrern ist erklärtes Ziel des Programms.
Wenn die Studiengänge und ihre Abschlüsse transparenter werden, ist auch eine gegenseitige Anerkennung leichter erreichbar. Dies ist besonders im Hinblick auf den gemeinsamen Arbeitsmarkt Europa wichtig.

Eine noch engere Kooperation der Hochschulen als das Erasmus-Programm setzen Doppeldiplom-Studiengänge voraus:
Die Lehrpläne werden so abgestimmt, dass Studenten sowohl an einer deutschen als auch an einer ausländischen Partnerhochschule studieren. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Absolventen zwei international anerkannte Abschlüsse, das "Doppeldiplom". Die Studienzeit wird dadurch nicht unbedingt verlängert. Dies hängt jedoch vom Studienfach ab. Die TU München, als Beispiel, bietet verschiedene Doppeldiplom-Studiengänge in Kooperation mit französischen Institutionen an.

Sokrates/Erasmus - unbürokratisch und flexibel
Ein große Vorteil von Sokrates/Erasmus liegt darin, dass dieses Programm nicht zentral von Brüssel gelenkt wird, sondern dezentral strukturiert ist: Der Austausch von Studenten und Dozenten wird direkt zwischen den Fakultäten zweier Partnerhochschulen abgewickelt.
Die Organisation soll damit insgesamt unbürokratisch, einfach und flexibel sein. Der Europäische Rechnungshof hat in seinem Sonderbericht 02/2002 jedoch die hohen Verwaltungskosten kritisiert.

Insgesamt wird die dezentrale Struktur sehr positiv gesehen. Für die Studierenden selbst ist die Erasmus-Förderung im Vergleich zu anderen Stipendien eine der einfachsten Möglichkeiten.

Es gibt drei Ebenen:

  • Die EU-Kommission schließt mit den teilnehmenden Hochschulen als Rahmenverträge "Hochschulverträge" ab. Insgesamt sind rund 1870 Hochschulen beteiligt, darunter 250 in Deutschland. Wie viele, wo und welche Studienplätze/Stipendien vergeben werden können, wird damit jeden Herbst neu definiert.
  • Nationale Agenturen, in Deutschland der DAAD, informieren und beraten die teilnehmenden Hochschulen, vergeben Fördermittel und führen Auswertungen durch. Über ein vereinbartes Punktesystem, das ECTS-Credit-System, können die einzelnen Studienleistungen europaweit anerkannt werden.
  • Die Ansprechpartner für Studierende und Dozenten sitzen vor Ort: Mitarbeiter der Akademischen Auslandsämter und sogenannte Programmbeauftragte in den Fachbereichen der Hochschulen. Sie informieren, beraten, wählen die Studierenden für das Erasmus-Programm aus, betreuen sie und übernehmen die organisatorische/ administrative Abwicklung.

Die Vorteile für die Erasmus-Stipendiaten sind im folgenden zusammengefasst:

  • Um eine "Zulassung" an der ausländischen Hochschule braucht sich der Stipendiat nicht kümmern. Sprach- oder Aufnahmetests sind dort nicht notwendig. Die vereinbarten Rahmenbedingungen machen einen Austausch in den aktuellen Größenordnungen erst möglich.
  • Es müssen keine Studiengebühren bezahlt werden. Diese können in einigen Ländern sehr hoch sein, nicht nur im begehrten Großbritannien.
  • Es wird mit dem Programmbeauftragten vorab ein Studienprogramm zusammengestellt. Es gibt aber keine Vorgaben, welche Fächer gewählt und wie viele und welche Prüfungen tatsächlich abgelegt werden müssen.
  • Es gibt die Möglichkeit, dass Studienleistungen für das eigene Studium anerkannt werden. Es wird angestrebt, dass sich die Studiendauer durch einen Auslandsaufenthalt nicht verlängert.
  • Es gibt eine fachliche Betreuung an der Heimat- sowie an der Partnerhochschule.
  • Bei Wohnungssuche und Behördengängen wird administrative Unterstützung angeboten.
  • Es gibt einen finanziellen Zuschuss zum Lebensunterhalt.
  • Der Studienaufenthalt kann mit einem Auslandspraktium verbunden werden.

Ein Auslandsstudium bietet generell persönliche Vorteile:

  • fachliche Erfahrung im ausländischen Universitätsbetrieb
  • neue Wege des Lernens und Lehrens kennen lernen
  • Sprachkompetenz
  • intensives kennen Lernen einer anderen Kultur, anderer Werte und Mentalitäten und damit auch ein neuer Blick für die eigene Kultur
  • neue Freunde
  • berufliche Kontakte

Persönlich ist die Auslandserfahrung immer eine Bereicherung. Dies kann jeder bestätigen, der eine Zeit im Ausland gelebt hat. Wer seine Karriere international ausrichten möchte, sollte diese Chance auf alle Fälle nutzen.

Wie Sie es konkret anpacken, an ein Erasmus-Stipendium zu kommen, erfahren Sie hier.
 

Erasmus
1987 von der EU ins Leben gerufen, seit 2000 Programmteil von Sokrates II.
Sokrates/Erasmus
Bildungsprogramm der EU, besteht im wesentlichen aus: Erasmus (Hochschulen), Comenius (Schulen), Grundtvig (Erwachsenenbildung), Lingua (Fremdsprache), Minerva (IuK-Technologien im Bildungswesen).
Beteiligt sind: die 15 Mitgliedstaaten der EU, EWR (Island, Liechtenstein, Norwegen), die assoziierten Staaten Mittel- und Osteuropas (Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Slowakische Republik, Slowenien, Tschechische Republik, Ungarn) sowie Malta, Zypern.
Links/Quellen
DAAD - Deutscher Akademischer Austauschdienst
Internetsite mit umfassenden Informationen zu Förderprogrammen, zum Doppeldiplomprogramm sowie generell zum Studium im Ausland

Europäische Kommission
Umfangreiche Datensammlung zu Sokrates/Erasmus

Europäischer Rechnungshof
Im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften werden der Jahresbericht sowie alle Sonderberichte veröffentlicht.

Happy Birthday, ERASMUS!
Deutschlandradio "Campus & Karriere" vom 19.10.2002, Frequenz

Übersicht über internationale Hochschulkooperationen
der Hochschulrektorenkonferenz, mit vielfältigen Selektionsmöglichkeiten

Weitere Links finden Sie im Teil 2.

Autorin
Regina Kogler
Kontakt: regina.kogler@ mediella.de