November 2002 > mehr wissen > W3-Konsortium
 
Kurz vorgestellt: das W3-Konsortium
Von Florence Maurice
 
Das W3-Konsortium (kurz W3C) wurde im Oktober 1994 von Tim Berners-Lee gegründet, dem Erfinder des WWW. Inzwischen gibt es drei Hauptbüros in den USA, Japan und Frankreich mit 72 festen Mitarbeitern aus 10 Ländern. Neben den Hauptbüros existieren in vielen Ländern noch einzelne Vertretungen, zuletzt (11. Oktober 2002) wurde ein Büro in Finnland eröffnet.

Das W3C arbeitet an der Entwicklung neuer Protokollspezifikationen und Architekturen für das World Wide Web. Das Rückgrat bilden neben den festen Mitarbeitern die Mitglieder. Mitglieder sind sowohl Firmen, Institute, aber auch Organisationen: Von A wie Adobe, über M wie Microsoft, S wie Sun Microsystems bis zu Z wie Zoom, die Liste der Mitglieder ist lang und mit bekannten Namen.

Das W3C ist äußerst produktiv und hat seit seiner Gründung über 40 Spezifikationen publiziert.

Zu den Spezifikationen gehören - unter vielen anderen - bekannte Webtechnologien wie HTML, CSS (Cascading Stylesheets zur Formatierung von Webseiten), die XML-Familie (eXtensible Markup Language) oder auch P3P (Platform for Privacy Preferences). Abgesehen von technischen Spezifikationen publiziert das W3C auch allgemeine Richtlinien, so beispielsweise für das barrierefreie Internet (Web Accessibility Initiative WAI). Dies sind Richtlinien für behindertenfreundliches Webdesign. Ein Thema, das übrigens auch in Deutschland zurzeit diskutiert wird, denn Ende Juli hat die Bundesregierung die Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung erlassen, die weitgehend auf den Richtlinien des W3C aus dem Jahre 1999 fußt.

Die De-facto-Standards, die vom W3C entwickelt werden, nennen sich "Recommendation", zu Deutsch Empfehlung; d.h. die Rolle des W3C ist es nicht, Standards zu erzwingen, sondern nur, sie zu empfehlen.

Damit eine Technologie zur Recommendation erhoben wird, muss sie einen vorgegebenen Prozess durchlaufen, den sogenannten "W3 Recommendation Track", der folgende Stufen beinhaltet:

  • Working Draft
  • Last Call Working Draft
  • Candidate Recommendation
  • Proposed Recommendation
  • Recommendation

Den Standardisierungsprozess sollte man kennen, um einschätzen zu können, was es heißt, wenn eine Software oder auch eine Anleitung auf einer Vorstufe eines Standards beruht und nicht auf einer Recommendation. Denn dann ist immer damit zu rechnen, dass bis zur Recommendation noch wesentliche Änderungen erfolgen. Befindet sich eine Technologie in einer Vorstufe ist sie natürlich immer von allgemeinem Interesse, wenn sie jedoch zur Recommendation erhoben wurde, sollte sich die Webentwicklerin unbedingt damit auseinandersetzen, wenn sie in den Bereich ihrer Tätigkeit fällt.

Neben den aktuellen Informationen über neue Versionen und den eigentlichen Spezifikationen der einzelnen Technologien (häufig auch in deutscher Übersetzung), bieten die Seiten des W3C auch hilfreiche Tools wie den Validator, mit dem sich prüfen lässt, ob eine Seite den Empfehlungen entspricht oder wo Abweichungen festzustellen sind. Außerdem lohnenswert ist W3Schools - hier findet die Webentwicklerin verständliche, didaktisch aufbereitete Einführungen in die verschiedenen Themen, aufgelockert durch Scherze wie diesen hier: Customer: "I want to download the Internet. Do I need a bigger hard disk?"
 

Links
Einstiegseite des W3-Konsortiums
www.w3.org

Über das W3-Konsortium
www.w3.org/Consortium/

Liste der Mitglieder
www.w3.org/Consortium/ Member/List

W3-Recommendation-Track
www.w3.org/Consortium/ Process-20010719/tr.html

Web Accessibility Initiative
www.w3.org/WAI/

Validation Service
(HTML, XHTML etc.)
http://validator.w3.org/

W3-Schools: Online-Tutorials zu HTML, CSS, DHTML, XHTML, XML und weiteren Themen
www.w3schools.com

Autorin
Florence Maurice
Kontakt: florence.maurice@ mediella.de