Oktober 2002 > mehr verdienen > Umsatzsteuer
 
Umsatzsteuer für Existenzgründerinnen - Befreiung oder nicht?
Von Annette Wachowski
 

Kleinunternehmerinnen - und in diese Kategorie dürften die meisten Existenzgründerinnen fallen, die im laufenden Jahr nicht mehr als 50.000 € und im Vorjahr nicht mehr als 16.620 € Umsatz getätigt haben, sind von der Umsatzsteuerpflicht befreit, können aber dafür optieren sie doch zu zahlen.

Bevor Sie das entscheiden, sollten Sie ein paar Vorüberlegungen anstellen.

Vorsteuer
Nur wer umsatzsteuerpflichtig ist, darf auch die so genannte Vorsteuer abziehen. Das ist die Umsatzsteuer - oder auch Mehrwertsteuer, die in Ihren betriebsnotwendigen Anschaffungen oder Aufwendungen enthalten ist. Also beispielsweise Hardware, Software, Fahrtkosten, usw. Um diese Vorsteuer vermindert sich der Umsatzsteuerbetrag, den Sie an das Finanzamt überweisen müssen.

Da gerade bei Geschäftsgründung einige Anschaffungen fällig sind, könnte es sich für Sie auszahlen, auf die Steuerbefreiung zu verzichten. Die Umsatzsteuer darf sogar ins Minus rutschen - wenn Ihre Vorsteuer größer ist als die Mehrwertsteuer, die Sie Ihren Kunden in Rechnung stellen. Den Betrag bekommen Sie vom Finanzamt zurück erstattet.

Um auf die Steuerbefreiung zu verzichten, genügt ein Kreuzchen auf dem Fragebogen, den Sie bei Unternehmensgründung vom Finanzamt bekommen - allerdings sind Sie an diese Entscheidung fünf Jahre lang gebunden. Sie sollten sich also Ihren Investitions- und Umsatzplan sehr genau anschauen und kalkulieren, welche Regelung für Sie günstiger ist.

B2B oder B2C?
Die Kleinunternehmerregelung kann angebracht sein, wenn Sie hauptsächlich Privatkunden bedienen, die ja keine Vorsteuer geltend machen können. Für Endverbraucher ist es ein Unterschied, ob sie für eine Leistung 1.000 € zahlen oder 1.000 € zuzüglich Mehrwertsteuer - das könnte für Sie ein Wettbewerbsvorteil sein.

Genauso verhält es sich, wenn Sie überwiegend für umsatzsteuerbefreite Institutionen (nach UstG § 4) arbeiten, wie beispielsweise Körperschaften des öffentlichen Rechts, Wohltätigkeitsverbände, Volkshochschulen oder Privatschulen. Diese sind ebenfalls nicht vorsteuerabzugsberechtigt.

Wollen Sie die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen dürfen Sie keine Vorsteuer abziehen und auf Ihren Rechnungen keine Mehrwertsteuer ausweisen.
Und Sie sparen sich den monatlichen Verwaltungsaufwand, den die Umsatzsteuervoranmeldung mit sich bringt.

Wenn Sie ausschließlich (umsatzsteuerpflichtige) Geschäftskunden bedienen, ist die Ausweisung der Mehrwertsteuer auf Angebot und Rechnung auch eine Frage des Image. Sie wirken "größer" - und damit für viele Unternehmer ernst zu nehmender, wenn Sie umsatzsteuerpflichtig sind.

Ein Hinweis für Gründerinnen, die sich gegen die Kleinunternehmerregelung entschieden haben und für die oben erwähnten steuerbefreiten Institutionen arbeiten:
Bei Institutionen, die nach UStG § 4 Abs. 21 von der Umsatzsteuer befreit sind, müssen Sie keine Mehrwertsteuer für Ihr Honorar abführen. Sie sollten dem Finanzamt eine entsprechende Bescheinigung der Einrichtung vorlegen.

Was sonst noch zu beachten ist
Für Existenzgründungen seit dem 1.1.2002 entfällt die Möglichkeit, die Umsatzsteuervoranmeldung nur vierteljährlich vorzunehmen. Für eine Dauer von zwei Jahren muss sie monatlich vorgenommen werden. Beträgt die Jahresumsatzsteuer danach voraussichtlich weniger als 6.136 €, brauchen Sie nur noch vierteljährlich anzumelden.

Angemeldet und gezahlt werden muss spätestens bis zum 10. des Folgemonats; die Umsatzsteuervoranmeldung für Oktober 2002 muss also bis zum 10. November 2002 erfolgen, und zum gleichen Zeitpunkt muss die Umsatzsteuer überwiesen werden.

Da das für kleine Unternehmen zu Zahlungsschwierigkeiten führen kann, wenn beispielsweise Kunden ihre Rechnungen noch nicht beglichen haben, können diese einen Antrag auf Besteuerung nach vereinnahmten Entgelten - die so genannte Istbesteuerung - stellen. Die Mehrwertsteuer wird also erst abgeführt, wenn das Geld auf ihrem Konto eingegangen ist. Diese Regelung können beispielsweise Freiberuflerinnen in Anspruch nehmen, Existenzgründerinnen, deren Gesamtumsatz im Jahr der Betriebseröffnung 125.000 € nicht übersteigt und Unternehmen, die nicht zur Führung von Büchern verpflichtet sind.

Bevor Sie eine Entscheidung treffen, sollten Sie auf jeden Fall Rat in Ihrer Steuerkanzlei einholen.
 

Tipps
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Wenn Sie sich mit Ihrem Angebot an Endverbraucher richten, müssen in Ihren Preislisten - gedruckt und online - die Preise inklusive Mehrwertsteuer ausgewiesen sein.


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Ihre Umsatzsteuer-voranmeldung können Sie auch elektronisch erledigen. Dazu müssen Sie sich einmalig von Ihrem Finanzamt die Genehmigung einholen.


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Bevor Sie sich entscheiden, sollten Sie alle Möglichkeiten gemeinsam mit Ihrer Steuerberaterin abwägen.
Links
Bayern

Bayerisches Staatsministerium für Finanzen
www.stmf.bayern.de

Steuertipps für ExistenzgründerInnen
PDF zum Download

Adressen der Finanzbehörden
www.finanzamt.de

Allgemein

Text des UstG
(Fassung von 1980)


Elektronische Steuererklärung
www.elster.de

Bundesministerium der Finanzen
www.bundesfinanz-ministerium.de

Autorin
Annette Wachowski
Kontakt: annette.wachowski@ mediella.de