September 2004 > mehr verdienen > Minijob
 
Mini-Arbeitgeberin werden - was sie machen müssen, wenn Sie Minijobber anstellen
Von Annette Wachowski
 
Ihnen wächst die Arbeit über den Kopf und Sie brauchen stundenweise Unterstützung bei Ihrer Tätigkeit oder wollen jemand einstellen, der Ihnen die zeitraubende Bürotätigkeit abnimmt? Sie brauchen eine Reinigungskraft für Ihre Büroräume oder auch, um Sie im Haushalt zu entlasten? Wenn eine Vollzeitkraft nicht in Frage kommt, kann die Alternative die Anstellung von geringfügig Beschäftigen sein. Das sind die so genannten Minijobs auf 400 Euro-Basis, für die eine geringe Sozialversicherungspflicht gilt.

Verschiedene Arten von Minijob

Es werden verschiedene Arten von Minijobs unterschieden:

  • Geringfügig entlohnte Beschäftigungen, bei denen ein monatliches Entgelt von 400 EUR in der Regel nicht überschritten wird
  • Geringfügige Beschäftigung in Privathaushalten - haushaltnahe Dienstleistungen, bei denen das monatliche Entgelt 400 EUR nicht überschreitet
  • Kurzfristige Beschäftigung oder Saisonbeschäftigung, die längstens zwei Monate oder 50 Arbeitstage im Kalenderjahr dauert, die Höhe des Entgeltes spielt keine Rolle
Zentrale Anlaufstelle Minijob-Zentrale

Es gibt im Prinzip nur eine Stelle, bei der Sie die Arbeitnehmer anmelden müssen, die die Pauschalabzüge einzieht und die mit Rat zur Seite steht: die Minijob-Zentrale (Bundesknappschaft), die übrigens über einen informativen Internet-Auftritt mit allen notwendigen Formularen zum Download verfügt, www.minijob-zentrale.de.
Die Meldung an die Krankenkasse, wie bei sozialversicherungspflichtigen Angestellten, entfällt also.

Zunächst einmal müssen Sie jedoch eine Betriebsnummer beantragen. Die erhalten Sie bei der Betriebsnummernstelle Ihrer örtlichen Arbeitsagentur.

Fällige Sozialversicherungen

Als Arbeitgeberin zahlen Sie 11% des Entgeltes an die gesetzliche Krankenversicherung, sofern Ihr Arbeitnehmer gesetzlich versichert oder familienversichert ist. Ist er privat versichert, entfällt dieser Beitrag.

12% des Arbeitsentgeltes zahlen Sie an die gesetzliche Rentenversicherung. Daraus errechnen sich (minimale) Entgeltpunkte für Ihre Arbeitnehmerin, die der Rentenberechnung zugrunde gelegt werden. Geringfügig Beschäftigte haben die Möglichkeit, die Differenz zum vollen Pflichtbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung - derzeit 19,5% - selbst dazuzuzahlen und haben damit Anspruch auf volle Leistung der Rentenversicherung. Sollte Ihr Minijobber die Differenz zahlen wollen - aktuell 7,5% - führen Sie die Beiträge für ihn an die Minijob-Zentrale ab.

Für kurzfristig Beschäftigte entfallen die Beiträge zu den Sozialversicherungen.

Wie alle anderen Arbeitnehmer sind geringfügig Beschäftigte in der gesetzlichen Unfallversicherung, der zuständigen Berufsgenossenschaft, zu versichern.

Im Privathaushalt Beschäftigte

Für Minijobs im Privathaushalt gelten etwas andere Beiträge und auch ein anderes Meldeverfahren:
Der Pauschalbeitrag zur Krankenkasse für gesetzlich Krankenversicherte oder Familienversicherte beträgt 5% des Arbeitsentgelts. Der Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung beträgt ebenfalls 5%. Auch hier besteht die Möglichkeit für die Arbeitnehmerin auf den vollen Pflichtbeitrag aufzustocken.

Geringfügig Beschäftigte in Privathaushalten melden Sie mit einem vereinfachten Meldeverfahren - dem so genannten Haushaltsscheck - bei der Minijob-Zentrale an.

Sie können übrigens 10% Ihrer Kosten für eine geringfügig Beschäftigte im Privathaushalt - maximal 510 EUR jährlich - von der Steuer absetzen.

Lohnsteuer

Wenn Sie auf die Abrechnung nach Lohnsteuerkarte verzichten, und Rentenversicherungsbeiträge für Ihren Arbeitnehmer zahlen, wird eine einheitliche Pauschsteuer von 2% des Arbeitsentgeltes fällig. Sie wird an die Minijob-Zentrale gezahlt. In dieser Steuer sind auch Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer enthalten, auch bei Arbeitnehmern, die keiner Konfession angehören.

Ist Ihre Minijobberin nicht rentenversicherungspflichtig und verzichten Sie auf Abrechnung nach Lohnsteuerkarte, werden 20% Lohnsteuer fällig. Dazu kommen noch der Soli-Zuschlag (zurzeit 5,5% der Lohnsteuer) und die Kirchensteuer. Diese Pauschalsteuer ist an das für Sie zuständige Finanzamt abzuführen.

Sollten Sie nicht die pauschale Lohnsteuererhebung wählen, muss die geringfügig Beschäftigte eine Lohnsteuerkarte vorlegen und es wird die Lohnsteuer nach den entsprechenden Merkmalen erhoben. In diesem Fall müssen Sie eine Lohnsteuer-Anmeldung bei Ihrem zuständigen Finanzamt vornehmen und dorthin auch die fälligen Beträge abführen.

Bei kurzfristigen Beschäftigten sind - unter bestimmten Bedingungen - 25% Lohnsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer fällig.

Welche Art der Lohnbesteuerung Sinn macht, hängt vom Einzelfall ab und sollte sorgfältig durchgerechnet werden. Bei der pauschalen Besteuerung sind übrigens Sie die Steuerschuldnerin, Sie können die Steuerschuld aber z.B. arbeitsvertraglich geregelt auf die geringfügig Beschäftigten abwälzen.

Umlagen für Ausgleichszahlungen

Die Minijob-Zentrale ist auch die Lohnausgleichskasse für alle geringfügig Beschäftigten. Sie als Arbeitgeberin müssen unter Umständen zwei Umlagen zahlen:
U1 - für Krankheit und Kur von geringfügig beschäftigten Arbeitern und Auszubildenden - nicht für Angestellte. Diese Umlage beträgt 1,2% des Entgelts der betreffenden Beschäftigten.
U2 - für Ausgleichszahlungen nach dem Mutterschutzgesetz. Hier werden 0,1% des Bruttoentgelts aller geringfügig Beschäftigten, also auch der Männer, fällig.

Bürokratie im Überblick

Folgende bürokratischen Schritte müssen Sie vornehmen:

  1. Beantragung der Betriebsnummer bei der zuständigen Arbeitsagentur
  2. Arbeitsverträge aufsetzen
  3. Sozialversicherungsmeldebögen für jeden geringfügig Beschäftigten ausfüllen
  4. einen Beitragsnachweis für geringfügig Beschäftigte ausfüllen
  5. falls nach Lohnsteuerkarte abgerechnet wird: Lohnsteueranmeldung beim Finanzamt
  6. am besten Einzugsermächtigung an die Minijob-Zentrale erteilen

 
Linktipp
Minijob-Zentrale / Bundesknappschaft
www.minijob-zentrale.de
Formular-Download
www.minijob-zentrale.de

Erläuterungen zum Haushaltsscheck www.haushaltsscheck.de

Autorin
Annette Wachowski
Kontakt: annette.wachowski@ mediella.de