September 2004 > mehr können > Kompetenzzentrum
 
Kompetenzzentrum - Frauen in Informationsgesellschaft und Technologie
Von Regina Kogler
 
Frauen ans Netz, Girls' Day, idee_it, ranking-kompetenzz, be-physical.
Sicher sind Ihnen einige dieser Aktionen ein Begriff. Initiiert und koordiniert werden diese bundesweiten Projekte vom Kompetenzzentrum "Frauen in Informationsgesellschaft und Technologie" an der Fachhochschule Bielefeld.

Das Institut wurde im April 2000 gegründet und mit einem 5-Jahresbudget in Höhe von rund fünf Millionen Euro ausgestattet. Die Projekte werden überwiegend von Akademikerinnen koordiniert, vorwiegend aus den Bereichen Sozialwissenschaften oder Pädagogik. Neben 28 festangestellten Vollzeit-Mitarbeiterinnen sind rund 20 Studierende, überwiegend Frauen, in Teilzeit beschäftigt.

Träger des Kompetenzzentrums ist der gemeinnützige Verein "Frauen geben Technik neue Impulse e.V.". Mit dem Satzungszweck des Vereins, der "verstärkten Nutzung der Potenziale von Frauen zur Gestaltung der Informationsgesellschaft und der Technik" sowie der "Verwirklichung der Chancengleichheit von Frauen und Männern" sind gleichzeitig die Aufgaben des Kompetenzzentrums beschrieben.

Unter einem gemeinsamen Vereinsdach sollen alle für die Erreichung dieser Ziele relevanten Interessengruppen vernetzt werden: politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger, Gewerkschaften, Berufsverbände, Frauen-Technik-Netzwerke, Bildungs- und Forschungseinrichtungen, fachspezifische Expertinnen und Experten. Der Verein hat 29 Mitglieder, darunter neun Einzelmitglieder.

Die Vorteile eines solchen Netzwerkes liegen auf der Hand.
Über die Nutzung gemeinsamer Ressourcen und Know-How können synergetische Kostenvorteile ausgeschöpft werden. Das breite Spektrum der Beteiligten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sichert dabei eine höhere Akzeptanz der einzelnen Maßnahmen und Projekte. Für das Kompetenzzentrum selbst bietet es eine gute Basis, um Akteure vernetzen und Fachdialoge mit Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung initiieren zu können.

Das Ziel der Arbeit "Verwirklichung von Chancengleichheit" bedeutet im Detail:

  • Steigerung des Frauenanteils in technisch-naturwissenschaftlichen Studien- und Ausbildungsbereichen
  • die Ausweitung des Angebots von innovativen Studiengängen für Frauen in den natur-, ingenieurwissenschaftlichen Fächern und der Informatik
  • die Förderung der Entwicklung spezifischer Weiterbildungsangebote für Frauen in technischen Berufen
  • Förderung der Medienkompetenz und Steigerung des Anteils der aktiven Internetnutzerinnen
  • die Förderung der Chancengleichheit in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen
Die zentrale Informationsplattform zum Thema "Frauen in Informationsgesellschaft, Naturwissenschaft und Technik" ist www.kompetenzz.de. Hier finden Interessierte entsprechende Übersichten über Netzwerke und Initiativen, Veranstaltungen, Kursangebote sowie Studien und Statistiken: Ein guter Fundus an Informationen zu den Themenfeldern Bildung, Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung.

Das Angebotspektrum des Kompetenzzentrums umfasst:

  • Projektakquisition und Projektmanagement
  • Beratung zu Hochschul-Reformprozessen und zu Weiterbildung
  • Benchmarking und Monitoring relevanter gesellschafts- und wirtschaftspolitischer Handlungsfelder
  • Recherche, Darstellung und Aufbereitung von Daten, Erstellung von Studien zur Situation von Frauen und Männern in Technik und Naturwissenschaften
  • Public Relations
Birgit Kampmann, Verantwortliche für den Arbeitsschwerpunkt "Zugangsmöglichkeiten und -chancen" und Projektleiterin von Frauen ans Netz weist auf die wichtige Bündelungs- und Vernetzungsfunktion des Kompetenzzentrums hin: "Es gibt viele regionale oder firmeneigene Erfolgsmodelle. Sie können auch auf andere Bereiche übertragen werden. Aber, sie müssen bekannt gemacht werden. Unsere Erfolge mit dem Girls' Day - als Beispiel - zeigen, dass dadurch eine Veränderungswelle ausgelöst werden kann."

Der strategische Ansatz des Kompetenzzentrums kann als Top-Down-Ansatz bezeichnet werden.
Die Bundesförderung wirkt über die Landesebene direkt in die öffentlichen Einrichtungen, Verbände und Unternehmen hinein. Gerade für die großen Unternehmen wie Microsoft, Cisco, Deutsche Telekom sei diese Herangehensweise, so Birgit Kampmann, sehr wichtig und effizient. Idealerweise werden öffentliche Projekte in enger Kooperation mit der Industrie, in einer Private-Public-Partnership, durchgeführt.

"Unsere Bilanz ist sehr positiv" betont die Projektleiterin. "Wir haben erfolgreiche Formate entwickelt, die tatsächliche Veränderungen bewirkt haben und weitere Verbesserungen wahrscheinlich machen." So ist sie optimistisch, dass die aktuell laufenden Verhandlungen zwischen Vereinsvorstand und den Bundesministerien positiv verlaufen und die Arbeit auch nach Projektablauf Ende März nächsten Jahres fortgesetzt wird.

Birgit Kampmann und ihre Kolleginnen sind aber auch realistisch: "Gerade in der Technik zeigt sich viel altes Denken: Die Frauen haben in einem Arbeitskreis, Projekt oder ähnlichem ihre "Spielwiese", die "eigentliche" Politik oder Verbandsarbeit bleibt aber Aufgabe der "Männer" und völlig unverändert."

Das Kompetenzzentrum ist als koordinierende Stelle und zentraler Ansprechpartner gerade auch für lokale Frauen-Technik-Netzwerke und Initiativen wichtig. Wie wichtig, das zeigte sich bei den Vorbereitungen der Kampagne "Jahr der Technik 2004", bei der Fachfrauen um ein Haar komplett "vergessen" worden wären (siehe mediella 09.04). Unter beträchtlichem Zeitdruck und nur dank des großen persönlichen Engagements der Mitarbeiterinnen des Kompetenzzentrums konnte dies noch verhindert werden.

Zwischen öffentlichem Bekenntnis und tagtäglicher Realität besteht leider immer noch eine erhebliche Lücke. Die konsequente Umsetzung muss immer wieder neu eingefordert werden. "Die Fachfrauen in den beruflichen Netzwerken sollten ihre Strategie kritisch überdenken", meint Birgit Kampmann.

Die Planungen für die Wissenschaftsjahre 2005 (Einstein) und 2006 (Informatik) jedenfalls haben die Mitarbeiterinnen des Kompetenzzentrums bereits fest im Auge.

Wir wünschen ihnen weiterhin viel Elan und viel Erfolg für ihre wertvolle Arbeit!
 

Quellen und Linktipps
Kompetenzzentrum - Frauen in Informationsgesellschaft und Technologie
Fachhochschule Bielefeld
Wilhelm-Bertelsmann-Str. 10
D-33602 Bielefeld
Tel. 0521.1 06-73 23
E-Mail: info@kompetenzz.de
Internet: www.kompetenzz.de

Gesprächspartnerin: Birgit Kampmann
Verantwortlich für den Bereich Zugangsmöglichkeiten und -chancen, Leiterin des Projektes Frauen ans Netz
Kontakt: kampmann@ kompetenzz.de

Bulmahn: Frauenförderung ist Chefsache. Eröffnung der Jahrestagung der Hochschulrektorenkonferenz. Pressemitteilung 63/2003 vom 05.05.2003.
"Professuren und Spitzenjobs müssten selbstverständlich auch mit Frauen besetzt werden. Die Wissenschaft dürfe nicht aus einer männlich dominierten Perspektive gesehen werden. Die Förderung von Frauen in der Wissenschaft müsse Chefsache sein, wenn sie zum Erfolg führen soll."

"2004 - Jahr der Technik. Wenn Fachfrauen (fast) 'vergessen' werden." Von Marianne von Rauch in mediella 09.04

Autorin
Regina Kogler
Kontakt: regina.kogler@ mediella.de