September 2003 > mehr netzwerken > Intuition
 
Intuition - Denken mit dem Bauch
Von Birgit Beichter
 
Plötzlich ist es da, dieses komische Gefühl im Bauch. Eine Warnung oder eine Bestärkung für unser Handeln in bestimmten Situationen oder während der Begegnung mit anderen Menschen. Wir wissen nicht auf welchen Erfahrungen es beruht und woher es kommt. Daher misstrauen wir häufig unserem Bauch und schalten lieber unsere Ratio ein.

Dabei ist intuitives Denken ein selbstverständlicher Prozess vorwiegend unserer rechten Gehirnhälfte. Hier werden Umweltreize und Informationen blitzschnell gescannt, bewertet und gespeichert. Diese Vorgänge kommen uns gar nicht zu Bewusstsein. Es entsteht das emotionale Gedächtnis, ein unendlicher Pool intuitiven Wissens. Früher war Intuition überlebenswichtig, um Gefahren zu erkennen und das Verhalten schnell anzupassen. Heute fällen wir nur noch selten Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Probleme lösen wir lieber aufgrund rationaler Überlegungen.

Das Denkmuster der rechten Gehirnhälfte ist ganzheitlich, gefühlsbezogen und assoziativ, während die linke Gehirnhälfte aufmerksames, analytisches und logisches Denken steuert. Der Vorteil des logischen Denkens beruht auf der bewussten Erfahrung. Auf diese Art lösen wir die meisten Probleme und treffen langfristige Entscheidungen. Vorteil des intuitiven Denkens: Es verfügt über viele Wahrnehmungskanäle und öffnet das Tor zu unserem emotionalen Gedächtnis.

Intuition beeinflusst unseren Alltag mehr als uns manchmal lieb ist. Das zeigt sich besonders im Umgang mit anderen Menschen.

Beispiel Vorstellungsgespräch. Schon in den ersten Augenblicken nimmt unser Gegenüber eine Bewertung vor. Diese spontane Sympathie oder Antipathie lässt sich nur schwer im Verlauf des Gespräches korrigieren. Deshalb gehen größere Firmen dazu über, mehrere Interviewer einzusetzen und neben einem persönlichen Gespräch Tests einzusetzen.

Beispiel Verkaufsgespräch. In speziellen Trainings werden VerkäuferInnen geschult, auf die Bedürfnisse der potenziellen KundInnen einzugehen, Vertrauen aufzubauen, um dann ihre Ware an die Frau oder den Mann zu bringen. Hier wird gezielt das emotionale Gedächtnis angesprochen.

Beispiel persönliche Beziehungen. Hier lassen wir uns vorwiegend von unserem Bauchgefühl leiten. Zu wem wir Vertrauen aufbauen und uns öffnen, entscheiden wir meist intuitiv. Auf die Frage was eine gute Freundschaft ausmacht, kommt häufig die Antwort: "Ich kann ihr/ihm voll vertrauen."

Wie können wir unsere Intuition konstruktiv nutzen? Indem wir uns das Bauchgefühl bewusst machen, es ernst nehmen anstatt es gleich wegzudrücken. Eine Möglichkeit der Bewusstwerdung besteht in der Selbsterfahrung durch Meditation. In der Entspannung können wir besser in uns hineinhorchen und unser Gefühlsleben besser kennen lernen.
Die Akzeptanz unserer Gefühle und das bewusste Erleben erleichtert auch die Kontrolle. Nicht in jeder Situation ist es ratsam seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen.
Intuition kann uns in Beziehungen helfen, andere Menschen besser zu verstehen, ohne dabei eigene Bedürfnisse zu vernachlässigen. Wer sich und seine Bedürfnisse kennt, gewinnt mehr Klarheit im Umgang mit anderen Menschen.

Inwieweit können wir unserer Intuition trauen? Sich voll und ganz auf die eigene Intuition zu verlassen, kann zu großen Enttäuschungen führen. Nicht in jeder Lebenslage ist unser Bauch ein guter Ratgeber. Der Kopf sollte besonders bei wichtigen Entscheidungen oder Verhandlungen nicht ausgeschaltet werden. Die Mischung ist entscheidend. Intuition und Ratio sind keine Gegensätze, sondern ergänzen sich.
 

Buchtipp
Mariella Sartorius: Der weibliche EQ. Wie Frauen ihre emotionale Intelligenz nutzen können.
Econ 1997. ISBN 361220579X.
Autorin
Birgit Beichter
Kontakt: birgit.beichter@ mediella.de