September 2002 > weniger arbeiten > Taekwon-Do
 
Taekwon-Do für die Seele
Von Kira Song
 

Als Marianne das erste Mal zum Taekwon-Do Unterricht an der Münchner Volkshochschule ging, um ein Schnuppertraining mitzumachen, hatte sie mit ihren 35 Jahren noch nie so richtig Sport betrieben. Angeblich sollte ja gerade diese Sportart für alle Körper-Regionen ein ausgiebiges Workout sein - genau das Richtige für jemanden, der 8-10 Stunden am Tag vor dem Bildschirm verbringt! Zwar war sie seit über 2 Jahren Mitglied in einem Fitness-Club, allerdings konnte sie sich bisher höchstens alle zwei Wochen dazu aufraffen, mal hinzugehen. Nun, es war an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren!

Was sie bei ihrem Schnuppertraining im Taekwon-Do erlebte war nicht das, was sie vom Klischee des Kampfsports erwartet hatte: Die Schüler waren nicht etwa heißblütige Teenager, sondern ganz unterschiedliche Leute zwischen 25 und 60 Jahren alt und zudem sehr aufgeschlossen - keine Spur von Überheblichkeit - egal ob nun ein weißer, grüner oder schwarzer Gürtel um den Anzug gebunden war. Der Taekwon-Do Lehrer, welcher das Training leitete, gab ihr Auskunft über den Ablauf der Übungsstunde.

Das Training begann mit einer kurzen Meditation, gefolgt von lockeren Übungen zum Aufwärmen und intensivem Stretching der Oberkörper- und Beinmuskulatur. Danach durfte Marianne kurz pausieren und bei den Übungsformen, genannt "Hyong", zusehen - ein faszinierender Anblick, wie 20 Leute exakte Bewegungsabläufe synchron vollzogen!

Nach den Übungsformen ging's für Marianne ans Eingemachte und alle Gedanken an Büro und Arbeit waren plötzlich wie weggeblasen. Jeder bekam einen Partner, mit dem er die vom Lehrer vorgeführten Übungen einstudierte: Verschiedene Kick-Techniken, Armtechniken und Kombinationen - Marianne fühlte sich wie in einem Karate-Film, yeah! Die Übungen wurden ohne Körperkontakt trainiert - was ein hohes Maß an Kontrolle zur Konsequenz hat. Die Fortgeschrittenen konnten eine Bewegung sogar exakt 1 cm vorm Körper des Partners abstoppen! Hatte sie eine Übung mal nicht verstanden, erklärten ihre Übungspartner bereitwillig die Bewegung - mit der verständnisvollen Bemerkung, dass schließlich jeder von ihnen irgendwann einmal angefangen habe.

Nach den Partnerübungen folgten mehrere Selbstverteidigungs-Techniken - ebenfalls verschiedene Bewegungsfolgen, die von den Schülern einstudiert wurden. Danach war ihr wieder eine Pause gegönnt: Der Freikampf stand auf dem Plan! Die fortgeschrittenen Schüler taten sich paarweise zusammen - immer zwei etwa gleich graduierte. Auf Kommando des Lehrers ging es los: Die Partner versuchten, gegenseitig "Treffer" zu landen - allerdings auch wieder ohne Kontakt und mit großer Kontrolle. Dabei wurde gelauert, blitzschnell agiert, reagiert und taktiert; die Beine und Arme flogen nur so um die Paare - ohne dass irgend jemand verletzt wurde.

Und schon waren 1,5 Std. vorüber - na, das ging ja richtig schnell! Was Marianne nach der kurzen Abschluss-Meditation auffiel, war nicht nur ein rundum gutes Körpergefühl, sondern vor allem eine innere Gelassenheit, die sie plötzlich erfüllte.

Vor vier Wochen legte Marianne übrigens erfolgreich ihre Prüfung zum Blaugurt ab. Taekwon-Do, sagt sie, hat nicht nur ihren Körper, sondern auch ihr Selbstbewusstsein gestärkt.
 

Geschichte

Die im Taekwon-Do angewandten Techniken sind auf über 2000 Jahre alte Kampftechniken aus Korea zurückzuführen. In vielen Jahren intensiver Recherche und Studium systematisierte der koreanische General Choi, Hong-Hi diese alten Techniken und taufte die neue Kampfkunst im Jahre 1955 "Taekwon-Do".

»   "Tae"
(koreanisch: Fuß)
bedeutet mit dem Fuß stoßen, springen und schlagen und beinhaltet alle Beintechniken.
 
» "Kwon"
(koreanisch: Faust)
beinhaltet alle Armtechniken wie Handkantenschlag, Fauststoß, Blocktechniken etc.
 
» "Do"
bedeutet grob übersetzt der "Weg" und beinhaltet den geistigen Aspekt der Kampfkunst.
 
Taekwon-Do wird von der Münchner Volkshochschule in zahlreichen (und vor allem erschwinglichen) Kursen überall in München und Umgebung angeboten. www.mvhs.de. Das Herbstsemester beginnt Ende September, die Anmeldung kann auch telefonisch erfolgen.
Links
Informationen und Wissenswertes über verschiedene Taekwon-Do Stile sind unter www.taekwondo.de zu finden.
Taekwon-Do Übungsformen in Action sind als Online-Filme unter www.hyong.net zu sehen.
Autorin
Kira Song
Kontakt: kira.song@ mediella.de