September 2002 > weniger arbeiten > Käsekuchenalm
 
Auf der Käsekuchenalm
Von Katja Schwarz
 
Meine Freundin aus Bonn wollte unbedingt in die Berge. Also mieten wir ein Auto und packen Mineralwasserflaschen und Kräuterbonbons in den Rucksack. Mit diesem Proviant und Wanderschuhen sind wir gut gerüstet für unsere Tour um den Staffn.

Die Anfahrt von München dauert etwas länger als die übliche Stunde, da die Dame vom Navigationssystem zwar den Stau meldet, nach einer überfahrenen Kreuzung aber keine weiteren Alternativstrecken vorschlagen kann.

Auf dem Parkplatz angelangt, schlagen wir den Weg links der Liftstation ein. Der breite Kiesweg führt im Schatten der Bäume und in vielen Kehren den Berg hinauf. In einer der Kehren wechseln wir auf einen schmaleren Steig. Der beständige Anstieg und unser zügiger Schritt verschlagen uns bald die Sprache, dafür lauschen wir den Vögeln und dem Rauschen des herabstürzenden Baches.

Nach einer knappen Stunde und einigen Mineralwasser-Pausen gehen wir an der verlockenden Abzweigung zur Almwirtschaft vorbei und noch einige Minuten weiter bergan, bis ein kleiner Weg (Höhenrundwanderweg um den Staffn) nach rechts führt. Diesem folgen wir weiter bergauf, bis zu einer Fahrstraße, die uns auf den Rundweg bringt.
(Die ehrgeizigen Wandersleut' vor uns sind an der Weggabelung geradeaus weiter gegangen und können oben auf der Hochplatte stolz einen Stempel in ihr Wanderbuch drücken.)

Immer am Hang entlang, eröffnet sich uns bald das Panorama der steinig-zerklüfteten Kampenwand, und durch manche Lücke zwischen den Bäumen erhaschen wir einen Blick auf den Chiemsee. An einer Stelle lädt eine Bank zur Rast ein, und vom etwas höher gelegenen Aussichtspunkt eröffnet sich ein wunderschöner Ausblick auf die grünen Hügel des Chiemgau.

Doch wir wollen nicht rasten und folgen - endlich bergab! - dem schmalen Pfad über Almwiesen an grasenden Kühen vorbei. Die bimmelnde Kuhglockenidylle wird lediglich durch die unübersehbaren Markierungen an den Ohren der Tiere gestört. Ob der Strichcode von den Plastikmarken später auf die Schnitzelpackung gedruckt wird? Wer weiß!

Wir Vegetarier haben längst die Wirtschaft auf der Staffnalm erreicht und einen Platz in der Sonne ergattert. Doch o weh, der Käsekuchen ist schon aus! Die bayerischen Jungs am Nachbartisch haben die letzten zwei Stücke bestellt. Ich kann meiner Freundin also nur noch einmal vorschwärmen, was ihr da entgangen ist, und den Apfelkuchen empfehlen.

Nicht weil wir müde sind, sondern weil wir so gerne Lift fahren, entscheiden wir uns für die Fahrt ins Tal. Der Mann an der Bergstation berechnet mir den Kinderpreis und macht einen Scherz, den wir nicht verstehen.

Im Lift lassen wir die Beine baumeln und freuen uns auf den Biergarten in München. Das nächste Mal stehen wir einfach früher auf, denn der Käsekuchen ist die Reise wirklich wert.
 

Details
»   Anfahrt
Mit dem Auto über die A8 Richtung Salzburg bis zur Ausfahrt Bernau und dann über die B 305 nach Marquartstein. Im Ort der Beschilderung zur Hochplattenbahn folgen. Großer Parkplatz an der Talstation.
Mit der Bahn bis nach Prien a. Chiemsee oder Übersee, von dort mit dem RVO-Bus Richtung Reit im Winkl bis Marquartstein. Busverbindung von der Ortsmitte bis zur Talstation.
 
» Strecke
Gehzeit von der Talstation bis zur Alm ca. 1 Stunde, Rundwanderweg um den Staffn ca. 1 Stunde. Höhenunterschied ca. 470 m. Breite Wege bzw. Forstwirtschaftsstraßen
 
» Liftbetrieb
Die Hochplattenbahn fährt im Sommer von 08.30-12:00 und von 12:30 bis 17:00
Links
Ortsinformation und Unterkunftsmöglichkeiten
www.marquartstein.de
Homepage der Almwirtschaft:
www.staffn-alm.de
Autorin
Katja Schwarz
Kontakt: katja.schwarz@ mediella.de