September 2002 > mehr netzwerken > Pia Bohlen
 
Sind Sie eine gute Netzwerkerin?
Interview geführt von Regina Kogler
 
Pia Bohlen ist langjährige Netzwerkerin und Moderatorin. Als Geschäftsführerin von Xbyte ist sie auch mit der Konzeption von Communities vertraut.

mediella: Was ist eine gute Netzwerkerin?

Pia Bohlen: Für mich ist eine gute Netzwerkerin eine Frau, die genau weiß, was sie selbst geben kann und die behutsam aber selbstbewusst beim Nehmen ist. Sie stellt keine unrealistischen Erwartungen an Netzwerke, weiß, dass eine ganze Zeit vergehen kann, bis sich das Networking auszahlt.
Sie knüpft ihre Netze strategisch und bewusst. Sie hat ein Gespür für richtige Gelegenheiten und ist gleichzeitig geschäftstüchtig, wenn es ans Verdienen geht. Sie verhält sich geschäftlich aufrichtig, da sie weiß, das Netzwerke auch schlechte Erfahrungen weitergeben.
Sie nutzt niemanden aus, erzählt persönliche Mitteilungen nicht weiter und hilft anderen beim Knüpfen anderer Netzwerke, da ihr bewusst ist, dass daraus sekundäre Netze für sie selbst entstehen.

mediella: Welche Rolle spielt die Moderation einer Community?

Pia Bohlen: Die Aufgabe der Moderation ist für jedes Netzwerk unterschiedlich.
Allgemein Erfolg versprechende Regeln für Moderation gibt es sicher nicht. Bei einer großen Community mit gemischtem Publikum werden an die Moderation höhere Anforderungen gestellt als an virtuelle Arbeitsgruppen oder Foren in Intranets oder an kleinere Netzwerke.
Die Moderation sorgt dafür, dass die Themen und Zielsetzung der Community beachtet werden, damit kein Chaos entsteht, welches eine Community zerstören kann.
Moderatorinnen sollten sich bewusst darüber sein, dass die Kommunikation im Internet nach ganz anderen Gesetzen verläuft, als die im Alltag. Sie sollten entsprechend auf die Nutzer einwirken und ein Vorbild für die gewünschte Kommunikation abgeben. Dazu gehört beispielsweise ein sehr klares und konstruktives und sachliches Verhalten. Emotionalität ist leider in größeren Gruppen schwer zu handeln und eskaliert leicht.
Am besten ist es, wenn auch die Moderation nach festen Regeln verläuft, an die sich alle Moderatorinnen gemeinsam halten.
Es ist einfach auch nicht jeder der Typ dafür. Geeignet sind Netzwerkmitglieder, die neben regelmäßiger Teilnahme an Netzen es fertig bringen, allgemein anerkannte Mitglieder in diesen zu werden. Die Fähigkeit sich an gewisse Regeln zu halten ist ebenso wichtig, wie die, andere dazu zu bringen, diese Regeln bereitwillig zu akzeptieren.
Wer dies beherrscht, ohne als Diktatorin empfunden zu werden, hat bereits wichtige Voraussetzungen geschaffen. Ein hohes Maß der Diplomatie ist die Grundbedingung. Außerdem: Selbstbeherrschung und Selbstbewusstsein, um nichts persönlich zu nehmen!

mediella: Wie kann frau zu einer guten Moderatorin werden?

Pia Bohlen: Ich selbst kenne keine Weiterbildungsmöglichkeit für Moderatorinnen. Das ganze Feld ist eigentlich auch sehr neu, und es würde mich wundern, wenn es so etwas Allgemeingültiges in Deutschland bereits gäbe!
Meines Erachtens ist die beste Schule die der Erfahrung! Also in entsprechende Netze gehen, aktiv werden und sich über einen längeren Zeitraum einen Eindruck machen, wo die Chancen und Schwierigkeiten der Moderation liegen.
Größere Communities, wie z.B. femity, haben eigene Guides für Moderatorinnen aufgestellt, in denen viele Erfahrungen bereits enthalten sind.

mediella: Ist die sogenannte Netiquette wichtig?

Pia Bohlen: Ja, denn wenn ein Netzwerk größer werden soll, muss es allgemein verbindliche Regeln formulieren. Diese werden üblicherweise in einer Netiquette niedergelegt.
Ich bin der Ansicht, je erfolgreicher ein Netzwerk werden soll, umso individueller und erprobter ist die Netiquette formuliert.
Die meisten Menschen haben keine Erfahrung mit Online-Netzwerken. Sie gehen instinktiv davon aus, dass die üblichen Regeln des Miteinanders gelten. Dies ist nicht so, und in der Netiquette wird der User oftmals darauf aufmerksam gemacht. Sie erfüllt also eine wichtige Rolle für ein Netzwerk.

mediella: Deine Tipps für erfolgreiches Networking

Pia Bohlen:

  • Suche Deine Netzwerke bewusst aus! Sie sollten sowohl vom Inhalt als auch von den Mitgliedern her Deinen Zielen entsprechen, die Du mit dem Networking verbindest.
  • Beobachte das Netzwerk eine Weile um festzustellen, ob es für Dich das passende ist. Und um herauszufinden, wo Du am besten ansetzen kannst.
  • Sei hilfsbereit, aber nicht blöd! Wer zuviel umsonst gibt, der hat Probleme später Geld dafür zu verlangen.
  • Helfe nur dort, wo Du auch fachlich in der Lage bist, zu helfen! Freundliche aber inkompetente Hilfsbereitschaft bringt den Hilfesuchenden nicht selten in echte Schwierigkeiten und Dich auch.
  • Sei verschwiegen, wenn Dir andere etwas mitteilen.

Weiter
zum Interview Fiona Amann und zum Interview mit Gitte Härter
zu "We are community" Teil 2: Was hält virtuelle Netzwerke zusammen?
 

Pia Bohlen,

Dipl.-Ing., beruflicher Schwerpunkt: Konzeption und Entwicklung virtueller Kommunikationsstrategien für Unternehmen und Verbände
Geschäftsführerin von Xbyte:
Internet- sowie Marketingkonzepte für mittelständische Unternehmen und Organisationen, Anbieter von Community-Lösungen für B-to-B, B-to-C, Intranet, E-Learning, Entwicklung von Datenbanken, Redaktionssystemen
Frauen-Community-Projekte von xbyte: www.femity.net, www.webgrrls.de

Gründerin von www.femity.net - the female business community

Kontakt:
Xbyte Online Communication
Bohlen & Mayen GbR
E-Mail: info@xbyte.de
Internet: www.xbyte.de

Autorin/Interview
Regina Kogler
Kontakt: regina.kogler@ mediella.de