August 2005 > weniger arbeiten > Nachhaltige Lebensführung
 
Nach uns die Sintflut? Lieber nicht.
Von Katja Schwarz
 
Fast jeder zweifelt gelegentlich an dem, was er tut: Ist der Job der richtige, entspricht das Leben den ureigenen Wünschen, was bleibt, wenn ich nicht mehr da bin?

Die Frage nach dem Sinn des Lebens können wir nicht beantworten, aber wir denken, dass es unter den vielen Möglichkeiten, sein Leben befriedigend und erfüllend zu gestalten, einen Ansatz gibt, der intensiven Nachdenkens wert ist: der einer nachhaltigen Lebensführung.

„Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Zukunftsfähig wirtschaften bedeutet also: Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben.“

So steht es auf der Website des Rates für Nachhaltige Entwicklung.

Das Konzept der Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und besagt, dass man nur das ernten sollte, was die Natur nachwachsen lässt – wer Brennholz schlägt, muss Bäume pflanzen.
Dies klingt logisch und einleuchtend, doch Bevölkerungswachstum und Industrialisierung ließen die beschränkte Verfügbarkeit wie auch die dauerhafte Nutzung der natürlichen Ressourcen in Vergessenheit geraten – solange, bis die Folgen des Raubbaus an Natur und Menschen nicht mehr zu ignorieren waren.
Spätestens seit der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro im Jahre 1992 ist Nachhaltigkeit ein globales Thema: Die Agenda 21 formulierte die ersten konkreten Schritte für eine nachhaltige Entwicklung und wurde in den folgenden Jahren um weitere so genannte Rio-Themen erweitert.

Bei der Umsetzung der Agenda 21 sind nicht nur nationale und internationale Organisationen, Unternehmen und Behörden gefordert - jeder Einzelne kann zur Agenda 21 beitragen!

"Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Gesicht der Erde verändern."
(Afrikanisches Sprichwort)

Fast alle Aspekte des täglichen Lebens lassen sich unter diesem Gesichtspunkt betrachten – und verändern!

Zum Beispiel das Thema Essen und Ernährung: Wer weniger Fleisch isst, entzieht umweltbelastenden und miserablen Tierhaltungsbedingungen den Boden – besser und gesünder ist es, nicht so häufig, statt dessen aber etwas teureres Fleisch aus ökologischer Produktion zu kaufen. Die Tiere wachsen artgerecht auf und das Futter wird streng kontrolliert (keine Gentechnik, keine Antibiotika).
Beim Kauf von Fisch kann man auf die empfohlenen Seefischarten oder auf Fisch aus heimischen, biologischen Aquakulturen zurückgreifen, um die Fischbestände weltweit zu schonen.

Was Obst und Gemüse betrifft, so ist das regionale Angebot in jeder Saison so vielfältig, dass man getrost auf Ware verzichten kann, die aufwendig gelagert, konserviert und transportiert werden muss – zudem unterstützt man auf diese Weise die Gärtner und Landwirte der Region und trägt zur Erhaltung der Kulturlandschaft bei.

Auch der Verzicht auf Fertiggerichte entlastet die Umwelt, denn jeder Arbeitsschritt benötigt Energie und Rohstoffe. (Außerdem schmeckt eine selbstgebackene Pizza viel besser als ein ressourcenintensiv hergestelltes Tiefkühlprodukt.) Aus dem gleichen Grund sollte man auch möglichst lose Ware und Mehrwegprodukte kaufen, um Verpackungsmüll zu vermeiden.

Ins Grübeln gekommen? Gut so. Denn es geht nicht um Verzicht, sondern um bewusste Kaufentscheidungen. Konsumieren müssen wir, aber wir können es verantwortungsbewusst tun, um dazu beizutragen, den weltweiten Energie- und Rohstoffverbrauch zu verringern und die Arbeitsbedingungen in vielen Ländern zu verbessern. Das bezieht sich auf alle Bereiche des Lebens:

Fahre ich mit dem Fahrrad oder mit dem Auto zur Arbeit, fliege ich in den Urlaub oder buche ich bei der Bahn? Unter welchen Arbeitsbedingungen werden die Sportschuhe, die ich kaufen will, hergestellt und ist das schicke T-Shirt vielleicht mit Chemikalien behandelt? Brauche ich überhaupt etwas neues zum Anziehen? Muss ich meine alte Stereoanlage gleich wegwerfen oder kann man die möglicherweise noch reparieren? Warum stapeln sich bei mir die Bücher, wenn ich die auch in der Stadtbibliothek lesen kann? Sollte ich nicht viel mehr Wasser sparen und Strom aus erneuerbaren Energien beziehen? Und was macht die Bank eigentlich mit meinem Geld?

Das Leben wird vielleicht etwas komplizierter, wenn man plötzlich vieles in Frage stellt, vertraute Gewohnheiten aufgeben und sich über manches informieren muss – aber es wird bewusster und vielleicht ergibt sich daraus auch ein Gefühl von Eigenbestimmtheit und Freiheit. Möglicherweise macht es sogar Spaß, sich den Rasenmäher mit dem Nachbar zu teilen, den Metzger mit der Bitte um Bio-Fleisch in Verlegenheit zu bringen oder Anti-Gentechnik-Postkarten an Molkerei-Betriebe zu verschicken.

Verbraucher haben Macht. Um diese Macht einzusetzen, ist es manchmal nötig, etwas mehr Geld für die Umweltbelastung und die sozialen Kosten auszugeben, die nicht auf dem Etikett stehen. Oder man verzichtet ganz bewusst – „Lessness“ ist sowieso gerade voll im Trend.

Mehr Informationen im Web

Rat für Nachhaltige Entwicklung
Die Bundesregierung hat im Jahr 2001 den Rat für Nachhaltige Entwicklung berufen
www.nachhaltigkeitsrat.de, diverse Publikationen, u. a. ein „nachhaltiger Warenkorb“ (PDF)

Lifeguide
Wegweiser für ein nachhaltiges Leben in München von der Bürgerstiftung Zukunftsfähiges München
www.lifeguide-muenchen.de

Greenpeace
Infos zu den Themen Gentechnik, Landwirtschaft und Meere
www.greenpeace.de
Aktion Einkaufsnetz mit dem Ratgeber "Essen ohne Gentechnik"

Worldwatch Institute
Eine interdisziplinäre Forschungsgruppe, die über weltweit auftretende Probleme und Trends informiert
www.worldwatch.org

United Nations
Abteilung für Economic and Social Development
www.un.org

Autorin
Katja Schwarz
Kontakt: katja.schwarz @mediella.de