August 2004 > mehr können > Industrieller Ideenproduzent
 

Ideenfindung ist zu 99% Handwerk und zu 1% Glück.

Interview von Regina Kogler
 

Nadja Schnetzler ist Vorstandsmitglied der Schweizer BrainStore AG, jährlicher Umsatz rund 3,5 Mio Franken (2003). Seit 1989 setzt sie gemeinsam mit ihrem Geschäfts- und Lebenspartner Markus Mettler ihre Vision der "Ideen vom Fließband" in konkrete Dienstleistungen für Unternehmen und Privatpersonen um. Der eigene Brain-Pool besteht aus 20 festangestellten Mitarbeitern und einem internationalen Netzwerk von über 2500 Freelancern.

mediella: Kreative Lösungen zeichnen sich durch Originalität, Neuartigkeit und Nützlichkeit aus. Warum ist, wie Sie in Ihrem Buch "Die Ideenmaschine" schreiben, Kreativität für Sie ein abgedroschenes Wort?

Nadja Schnetzler: Das Wort kreativ wird vor allem falsch gebraucht. Man geht meistens davon aus, dass nur „kreative“, also speziell begabte Menschen, Ideen entwickeln können. Unser Prozess zeigt aber, dass es viel mehr darauf ankommt, die richtigen, unterschiedlichen Leute gemeinsam an einer Lösung arbeiten zu lassen als auf die individuelle Kreativität. Wenn Sie nämlich ganz dringend, also in kurzer Zeit, eine Idee brauchen, ist es zielführender, sich auf einen Prozess mit vielen verschiedenen Menschen zu verlassen als auf einen „Kreativen“, der eventuell ein Ergebnis liefert – eventuell aber auch nicht ...

mediella: In Ihrem Buch beschreiben Sie anhand vieler praktischer Beispiele sehr anschaulich und spannend, wie BrainStore Ideen entwickelt. Die Bezeichnung Ideenfabrik für BrainStore ist wörtlich zu nehmen: Ideen werden nach einem streng systematischen Vorgehen und in Massen generiert, am besten noch unter Zeitdruck.
Laut Thomas Alva Edison ist Genius zu 1% Inspiration und 99% Transpiration. Liegt genau hier auch das Geheimnis von BrainStore? Wo steckt das eine Prozent Inspiration?

Nadja Schnetzler: Die Inspiration geschieht dort, wo Menschen zusammen arbeiten und gemeinsam Lösungen entwickeln. Wo sie sich austauschen, eine Frage neu oder anders als bisher betrachten. Dort sprühen die Funken, dort entsteht Neues. Die Transpiration besteht darin, aus diesen Funken dann etwas Brauchbares, Fertiges zu machen. Dieser Verdichtungsprozess braucht viel Fingerspitzengefühl. Alles in allem würde ich sagen, Ideenfindung ist zu 99% Handwerk, also das Wissen um die richtigen Werkzeuge und Vorgehensweisen und zu 1% Glück.

mediella: Ab August bieten Sie einen einjährigen "Lehrgang im Handwerk der industriellen Ideenproduktion" an. Wie sieht der Ausbildungsplan aus?

Nadja Schnetzler: Der Lehrgang besteht aus viel Praxis, also der konkreten Mitarbeit an Projekten für Kunden wie Siemens, BMW, T-Com oder Nestlé. Ein halber Tag pro Woche gehört der Theorie, dem detaillierten Erlernen des Prozesses und seiner Werkzeuge. Ziel ist es, dass die Absolventinnen und Absolventen nach diesem Jahr wissen, wie Ideen industriell hergestellt werden. Dann können sie selber bei BrainStore eine führende Rolle übernehmen oder in einer anderen Firma in einer Tätigkeit rund ums Thema Innovation Fuß fassen.

mediella: Bisher konnten sich Interessierte auch als Praktikanten bewerben. Wo liegt der Unterschied zum Lehrgang? Wird das Praktikum dadurch ersetzt?

Nadja Schnetzler: Das Praktikum wird einfach stärker strukturiert und mit mehreren Personen parallel und auch professioneller geführt. Davon profitieren sowohl die Absolventen als auch wir als Ideenfabrik. Und weil es sich um einen Beruf handelt, den man sonst noch nirgends erlernen kann, ist das Anbieten eines Lehrgangs erst recht gerechtfertigt.

mediella: Für die einjährige Ausbildung sind sowohl junge Einsteiger angesprochen als auch innovationserfahrene Personen wie Produktentwickler, Innovationsmanager oder Marketingfachleute. Was sind Ihre Auswahlkriterien?

Nadja Schnetzler: Es gibt drei Elemente, die zentral sind: Ideefabrikanten sind sowohl Teamplayer als auch Einzelkämpfer. Sie sind sowohl unglaublich vielseitig interessiert als auch fähig, sich in eine Materie regelrecht reinzufressen. Und sie sind in der Lage, Informationen sprachlich geschickt auf den Punkt zu bringen.

mediella: Ist damit auch das Ideal des Ideenentwicklers definiert?

Nadja Schnetzler: Ja, sofern man ihn so versteht wie wir: Nicht als einzelne Person, die Ideen selbst entwickelt, sondern als Wegbereiter der Idee, der die unterschiedlichsten Personen in den Prozess mit einbeziehen kann.

mediella: Sie sind ständig auf der Suche nach neuen Mitarbeitern, als feste Mitarbeiter an Ihrem Firmensitz in Biel oder als Freelancer weltweit. Es gibt dazu feste Casting-Termine, an denen sich Interessierte bei Ihnen vorstellen können. Welche Jobs bieten Sie an?

Nadja Schnetzler: Freelancer können in den unterschiedlichsten Funktionen zum Zug kommen: Als Teilnehmende in Ideenfindungsprozessen, als Expertinnen und Experten oder als Mitglieder eines Projekt-Leitungsteams, zum Beispiel für Moderieren, Protokollieren, Fotografieren oder Illustrieren. Grundsätzlich kann sich jeder bewerben, das hängt sehr vom jeweiligen Projekt ab, welche Fähigkeiten gerade gefragt sind.

Einfach auf www.brainstore.com/jobs einloggen, beim Projekt, das interessiert bewerben und unsere Antwort abwarten.

mediella: Herzlichen Dank.

Nadja Schnetzler

Mitgründerin und Vorstand der Ideenfabrik BrainStore AG
E-Mail: nadja.schnetzler @brainstore.com
Internet: www.brainstore.com

Ausbildung und Jobs bei BrainStore AG
BrainSchool: www.brainstore.com/ brainschool

Jobs
: www.brainstore.com/jobs

die nächsten Casting-Termine 2004 in CH-Biel:
06.08.2004
03.09.2004
01.10.2004
Infos zur Stadt Biel
Buchtipp:

Nadja Schnetzler:
Die Ideenmaschine. Methode statt Geistesblitz - wie Ideen industriell produziert werden, Wiley-VCH Weinheim 2004.
ISBN 3-527-50085-5.
EUR 29,90.
Direkt bei libri.de bestellen

Thomas Alva Edison

US-amerikanischer Erfinder und Unternehmer,
11.02.1847 - 18.10.1931

Autorin/Interview
Interview Juli 2004
Regina.Kogler

E-Mail: Regina.Kogler
@mediella.de