August 2004 > mehr wissen> Den Kreaitivitätspool anzapfen
 

Den eigenen Kreativitätspool anzapfen

Von Kira Song
 

Es ist ein Einfaches, die Dinge so zu gestalten oder anzugehen, wie man es bisher immer getan hat. Um aber aus der Masse von Einerlei herauszustechen, muss man sich schon etwas anderes einfallen lassen; sprich: kreativ werden. Das gilt nicht nur für Design oder Kunst, sondern trifft auf jeden Bereich zu – sei es für eine Geschäftsidee, ein Buch oder ein ausgefallenes Menü.

Warum überhaupt kreativ werden?

Menschen werden aus ganz unterschiedlichen Gründen kreativ: Beispielsweise kann jemand, der sich in schwierigen Lebensumständen befindet, Kreativität in der Kunst als Ventil verwenden. Oder man will der Welt zeigen, was man drauf hat und entwickelt neue Ideen in seinem Bereich. Andere, hochbegabte Menschen können gar nicht anders, als den ganzen Tag neue Ideen zu zaubern.

Für Designer gilt: Jedes Projekt ist der Beweis des eigenen Könnens. Wenn man ein Projekt nicht nur für die Kunden in Angriff nimmt, sondern auch für das eigene Portfolio (und für den eigenen Ruf), geht man schon um einiges motivierter und ehrgeiziger an die Sache ran.

Meine Kundin ist so langweilig

Angenommen, die angestaubt wirkende 50-jährige Sachverständige von nebenan kommt auf Sie zu und möchte auch endlich mal eine Webseite haben. Bei ihrem Anblick denkt man sofort an eine Standardseite aus den späten 90er-Jahren mit drehenden Logos und „Times“ als einziger Schriftart. Genau diese Dinge sind es auch, die sie bei den Webseiten der Konkurrenten toll findet. Nun hat man die Wahl: Macht man eine Webseite, nur damit die Kundin glücklich ist und es in der Kasse klingelt? Oder lässt man sich etwas Schickes einfallen und öffnet ihr dadurch die Augen zu den schöneren Seiten des Webs? Man kann schon mit einfachen Mitteln eine ansehnliche Seite zaubern, ohne dass man sich grafisch verbiegen muss.

Natürlich schaut man bei einem Projekt auch unweigerlich auf die Bezahlung. Wozu sich also ins Zeug legen, wenn der Kunde den Aufwand nicht honoriert und außerdem zu trocken für neue Ideen ist? Hier gilt es zum einen, Kunden richtig einzuschätzen: Manche Leute erschrecken, wenn sie etwas sehen, was aus der Reihe ihrer Konkurrenten tanzt, andere hingegen sind äußerst offen für innovative Designs und heben sich gerne auf diese Weise von der Konkurrenz ab. Zum anderen sollte man seine eigenen Maßstäbe überprüfen und reflektieren, ob diese Referenz sich neben den anderen im Portfolio sehen lassen kann. Ein Mehr an Designaufwand kann dem eigenen Image nicht schaden, sollte es der Terminplan zulassen.

Woher kommen die Ideen?

Ein alter Grafikerspruch lautet: „Lieber gut kopiert als schlecht selber gemacht“. Dies ist natürlich nicht allzu wörtlich zu nehmen, denn man sollte, wenn schon nicht aus Gewissensgründen, so doch wegen des Copyrights auf keinen Fall eine Webseite oder ein Design 1:1 kopieren. Wenn man jedoch beim Streifzug durch die endlosen Weiten des WWW einige Seiten gefunden hat, die durchaus zu dem Projekt passen könnten, ist es keine Schande, die Arbeit dadurch inspirieren zu lassen. Für solche Fälle hat der niederländische Verlag The Pepin Press bereits 4 Bände des „Web Design Index“ herausgebracht. Hier findet die Webdesignerin nach Farben sortiert Inspiration aus aller Herren Länder und für alle erdenklichen Bereiche.

Es gibt auch Leute, die die Technik kreativ für sich arbeiten lassen: Um auf ein ausgefallenes Layout zu kommen, hat Stardesigner Joshua Davis eigens im Flash ein Zufallsprogramm generiert. Dieses arrangiert auf Knopfdruck von ihm definierte grafische Komponenten. Wenn ihm eines gefällt, braucht er nur einen Screenshot davon zu machen.

Eine weitere Möglichkeit, der eigenen Kreativität auf die Sprünge zu helfen, besteht darin, thematische Vergleiche zu finden. Sei es in der Natur, in anderen Berufen oder Branchen, in anderen Situationen oder Gesellschaften. Ein sachliches Thema lässt sich u.U. auf eine solche Weise spielerisch erklären und ist obendrein noch äußerst originell. So realisierte beispielsweise die Agentur 24-7 MediaStudios für das Pin-up Model Lana Landis eine Webseite im Stil der 50er Jahre. Die Webseite für den Film „Good Bye, Lenin!“ stellt eine Pinnwand mit alten Fotos als Navigation dar.

Meine Kundin hat strikte Vorgaben

Auch in Zeiten strikter Vorgaben für virtuelle Barrierefreiheit und Styleguides muss die Kreativität nicht begraben werden. In solchen Fällen sollte man nicht resignieren und stumpfsinnig seine Arbeit erledigen. Wenn man eine Idee im Kopf hat, sollte man sie auf jeden Fall verfolgen und prüfen, inwieweit sich ein Layout sinnvoll innerhalb der äußeren Vorgaben ausführen lässt. Die Kundin freut sich meist, wenn sie mal etwas Frisches vorgezeigt bekommt – und das wiederum beeinflusst das Geschäftsverhältnis positiv.

Grundsätzlich gilt: Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt – man muss nur lernen, die eigenen Schranken zu öffnen.

Links

Inspiration für Webdesignerinnen - online:
www.linkdup.com

www.coolhomepages.com
www.designinteract.com
www.favourite websiteawards.com

Kreative im Web:
24-7 Media Studios

Joshua Davis
Graffitikünstler Loomit

Erschienen bei mediella:
Artikel bei mediella über Barrierefreies Webdesign

Literatur

Gunter Beer: Web Design Index 4.
Pepin Press 2003.
ISBN: 90-5768-063-7.
EUR 20,00
Direkt bei libri.de bestellen

Mario Pricken: Kribbeln im Kopf. Kreativitätstechniken & Braintools für Webung & Design.
Schmidt, Mainz 2004.
ISBN: 3-87439-647-9.
EUR 29,90
Direkt bei libri.de bestellen

Mario Pricken: Visuelle Kreativität.
Schmidt, Mainz 2003.
ISBN: 3-87439-637-1.
EUR 68,00
Direkt bei libri.de bestellen

Werner Gaede: Abweichen von der Norm.
Langen/Müller 2001.
ISBN: 3-7844-7416-0.
EUR 99,90
Direkt bei libri.de bestellen

 
Autorin
Kira Song
Kontakt: kira.song
@mediella.de