August 2002 > mehr verdienen > Der Businessplan
 
Der Business Plan - Das Drehbuch zum Erfolg
Von Annette Wachowski
 
Warum ein Business Plan?
"Ich habe meine Idee doch im Kopf und weiß auch genau, wie ich sie umsetzen will. Wozu brauche ich also einen Business Plan?", denken Sie sich vielleicht, vor allem, wenn Sie in der glücklichen Lage sind, keine Darlehen oder sonstigen finanziellen Mittel zu benötigen.
Es dürfte zum einen nur selten der Fall sein, dass eine Gründerin ohne finanzielle Starthilfe auskommt und zum anderen dient ein Gründungskonzept (neudeutsch: Business Plan) auch und vor allem der eigenen Überprüfung und Planungssicherheit.

Die Erstellung eines Business Plans zwingt Sie dazu, sich systematisch mit Ihrer Idee auseinander zu setzen, die Marktchancen zu eruieren, den Finanzbedarf für die kommenden Jahre festzulegen, Schwächen Ihres Produktes oder der Dienstleistung aufzudecken und zu beseitigen. Außerdem liefert Ihnen Ihr Konzept die notwendigen Grundlagen, um realistische Stundensätze kalkulieren zu können, den mindestens notwendigen Umsatz festzulegen und die dazu nötige Arbeitszeit. Kurz: Der Business Plan ist das Drehbuch für die Umsetzung Ihrer Geschäftsidee.

Wer Startkapital benötigt und zur Bank oder zu einem VC-Geber geht, muss auf jeden Fall ein hieb- und stichfestes Gründungskonzept vorlegen. Auch wer Überbrückungsgeld vom Arbeitsamt haben möchte, muss ein Konzept vorweisen können, das außerdem von einem Berater (z. B. Steuerberater, Existenzgründungsberater der IHK) geprüft und für gut befunden sein muss.

Das sollte drin stehen
Natürlich wird das Konzept einer Einzelunternehmerin sich in einigen Punkten unterscheiden von dem einer GmbH-Gründerin, die die Einstellung von Mitarbeitern plant, das der Webdesignerin, die vom heimischen PC aus arbeitet von dem der Shop-Betreiberin, die über ein Lager und die notwendige Logistik verfügen muss. Dennoch, vom Aufbau her sollte jeder Business Plan die folgenden Punkte abdecken:

  1. Zusammenfassung, die natürlich erst am Ende geschrieben und dann dem Ganzen vorangestellt wird.
  2. Geschäftsidee und Produkt-/Leistungsbeschreibung
    Hier beschreiben Sie, welches Produkt bzw. welche Dienstleistung Sie verkaufen wollen. Es muss Ihnen in diesem Abschnitt gelingen, einem Laien Ihr Angebot schmackhaft zu machen. Wichtig ist es die Kundenbedürfnisse und den Nutzen Ihres Produktes heraus zu stellen. Sie dürfen auf keinen Fall zu technisch werden.
  3. Konkurrenz und Marktpotenzial
    Dieser Punkt setzt eine gründliche Marktuntersuchung voraus. Listen Sie alles auf, was Sie über Ihre Mitbewerber, Produkte, Vertriebsstruktur usw. herausfinden können. Hier beschreiben Sie außerdem Ihre Zielgruppe und evtl. schon vorhandene Kunden.
  4. Management/Gründer und Motiv für die Unternehmensgründung
    Hier beschreiben Sie sich und ggf. Ihre Mitgründer, Ihren Lebenslauf, Ihre Qualifikationen und Ihre Motivation zur Unternehmensgründung.
  5. Mitarbeiter (falls geplant)
    Anforderungsprofile der geplanten Mitarbeiter, ggf. benötigte Spezialisten
  6. Marketing
    Hier beschreiben Sie Ihre geplante Produkt- und Preispolitik, den Vertrieb, und die Marketingmaßnahmen
  7. Rechtsform
  8. Chancen und Risiken
    Beschönigen Sie hier nichts. Zeigen Sie die möglichen Chancen und Risiken auf und wie Sie gedenken, vor allem mit den Risiken umzugehen.
  9. Finanzplan
    Dieser umfasst Investitionsplan, Kapitalbedarf, Umsatzplanung, Liquiditätsplanung für die kommenden Jahre.
Zum Erstellen des Business Plan sind gute Branchenkenntnisse und viel Recherche notwendig. Die einzelnen Punkte mit Leben zu füllen ist sicherlich nicht trivial und kostet Zeit, aber dieser Aufwand kann Sie vor einem Schiffbruch bewahren.

Professionelle Hilfe
Wenn Sie jetzt Angst bekommen haben, dass Sie die nötigen Informationen nicht beschaffen können oder weil Sie kein ausgesprochener Zahlenjongleur sind - keine Sorge, bei der Erstellung Ihres Business Plan können und sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, die nicht einmal viel kosten muss.

Um die Zahl der Insolvenzen von Jungunternehmern einzudämmen, haben Vater Staat und weitere Institutionen eine Fülle von Angeboten und Unterstützung entwickelt. So helfen Ihnen die IHKn mit speziellen Gründungsberatungen und Kursangeboten weiter. Für Gründer, die Überbrückungsgeld beantragen wollen, bietet das örtliche Arbeitsamt entsprechende Kurse an.

Nützliche Informationen zur Erstellung eines Business Plan finden Sie auf der Website des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie www.bmwi.de, bei dem Sie auch das kostenlose Softwarepaket für Gründer und Junge Unternehmen ordern können. Diese Software enthält eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Erstellung eines detaillierten Gründungskonzeptes mit Erläuterungen und Hilfen und ist bereits so strukturiert, dass Sie es nur noch ausdrucken müssen.

Eine weitere Software gibt es von Lexware www.lexware.de, die vor allem die finanzielle Seite der Gründung abbildet. Das Paket "Existenzgründer" kostet 19,94 €, kann aber vier Wochen lang kostenlos getestet werden.

Auch die Deutsche Ausgleichsbank, die eine gute Anlaufstelle für Startdarlehen ist, hilft sowohl mit Tipps zur Erstellung des Business Plans auf dem Portal www.dta.de als auch persönlich in den bundesweiten Beratungszentren weiter. Bei der DtA gibt es übrigens auch ein spezielles Beratungsangebot für Gründerinnen.

Eine ganz große Chance ist die Teilnahme an einem Business Plan Wettbewerb. Dabei winken nicht nur üppige Preisgelder, sondern Sie erhalten professionelle Unterstützung und Schulung bei der Ausarbeitung Ihres Konzeptes, die Überprüfung durch Experten und Sie können Kontakte knüpfen zu Geschäftspartnern, Business Angels und potenziellen Kunden.

Ihr Business Plan lebt
Herzlichen Glückwunsch! Sie haben die Zusage für Ihr Startkapital dank einer überzeugenden Präsentation Ihres Geschäftskonzeptes erhalten!
Nun sollte Ihr Business Plan aber nicht im Schrank verstauben, sondern weiterleben. Schreiben Sie ihn fort, korrigieren Sie Zahlen und passen Sie ihn geänderten Marktbedingungen an und vermeiden Sie so, dass Ihr Geschäft im Laufe der Zeit Schiffbruch erleidet.
 

Tipps
»   Geben Sie Ihr Konzept einem unabhängigen Dritten, z.B. Ihrem Berater, zum Lesen bevor Sie damit zu potentiellen Geldgebern gehen, um es ggf. nachzubessern.
 
» Achten Sie auf die äußere Form Ihres Business Plans. Er ist Ihre Visitenkarte. Verwenden Sie wenige und gut lesbare Schriftarten. Achten Sie auf eine klare Gliederung, Seitennummerierung und ausreichend breite Ränder.
 
» Geraten Sie nicht ins Schwafeln und verschwenden Seiten für allgemeine Aussagen!
 
» Nehmen Sie sich in Acht vor zu detailverliebten und fachchinesischen Ausführungen. Bedenken Sie, dass Sie Ihr Konzept nicht für den Fachkollegen und Experten schreiben, sondern für Geldgeber und potenzielle Partner.
 
» Nehmen Sie eventuelle Ablehnungen Ihres Konzeptes nicht persönlich, sondern zum Anlass, Ihr Konzept zu verbessern und einen neuen Versuch zu wagen.
Links
Business Plan und Existenzgründung allgemein
www.bmwi.de
www.dta.de
www.focus.de
www.akademie.de

Business Plan Wettbewerbe
Gründerwettbewerb Multimedia:
www.gruenderwettbewerb.de

Bayern
Münchner Business Plan Wettbewerb:
www.mbpw.de
Kompetenzzentrum für Existenzgründungen und Regionale Netzwerke:
www.kern-wettbewerb.de

Autorin
Annette Wachowski
Kontakt: annette.wachowski@ mediella.de