Juli 2005 > weniger arbeiten > Buga
 
Grüner wird’s nicht? Vielleicht schon!
Von Katja Schwarz
 
Alle zwei Jahre findet in Deutschland eine Bundesgartenschau statt – in diesem Jahr ist München der Schauplatz der BUGA. Eingebettet in den Landschaftspark Riem, der auf dem ehemaligen Flughafengelände entsteht, will die Stadt München unter dem Motto „Perspektivenwechsel“ eine neue Sicht auf die Natur präsentieren. Bei der Konzeption haben sich der Münchner Landschaftsarchitekt Prof. Rainer Schmidt und seine Mitarbeiter an pflanzlichen Strukturen orientiert: So bilden zum Beispiel die Wege des Blattgartens die Adern eines Blattes nach, auf denen die Besucher sich dank der vielfachen Vergrößerung fühlen sollen wie ein Insekt.
Der intendierte Wechsel zwischen Mikro und Makro wirkt stellenweise etwas konstruiert, wird nicht immer deutlich und ist dementsprechend erklärungsbedürftig – manchmal fehlt es vielleicht einfach nur an Überblick. Diesen erhalten Besucher dann aus der Vogelperspektive in der Seilbahn.

Für die Seilbahn gibt es inzwischen ein günstigeres Abendticket, außerdem finden die beiden täglichen Führungen nun kostenlos statt – Reaktionen auf die öffentliche Kritik und die niedrigen Besucherzahlen der ersten Wochen.
Die Veranstalter versprachen, die BUGA mit zusätzlichen Klappstühlen und Sonnenschirmen nicht nur gemütlicher, sondern auch blumiger zu machen: Zwischen den Zellengärten und entlang der Terrasse wurden Stauden gepflanzt und Kübel aufgestellt, die Beete mit Sommerblumen bepflanzt.

Trotzdem mag mancher Besucher mit einer üppigeren Vegetation rechnen – nicht nur, weil die Bildmarke, eine zerfließende Blüte in knalligem Pink, gewisse Erwartungen weckt, sondern schlicht und einfach, weil es sich um eine Garten-Ausstellung handelt.

Zudem ist manches unspektakulärer, als es die vorab veröffentlichten Fotos versprachen; so stellt sich zum Beispiel heraus, dass die vergrößerte Blattunterseite der Sumpfdotterblume mit den orangefarbenen Wegen im Senkgarten viel kleiner und bescheidener ist, als man es aufgrund der geschickt aufgenommen Fotografien annehmen musste.

Dennoch kann man doch einige Zeit auf dem Gelände verbringen. Für passionierte Hobbygärtner ist es sicher reizvoll, den Wechsel von Jahreszeit und Bepflanzung während der fünf Monate mitzuerleben, Dauerkarteninhaberinnen freuen sich über das vielfältige Veranstaltungsprogramm.

Zum Thema Garten bieten die Grünwerkstatt des Baureferats und die verschiedenen Fachverbände jede Menge Information in Form von Fachvorträgen, Demonstrationen und Rundgängen. Dazu gibt es praktische Tipps vom Pflanzendoktor und Antworten auf alle Fragen von der Gartengestaltung bis zum integrierten Pflanzenschutz.

Wer sich über die ökologischen und städtebaulichen Zielsetzungen des Stadtteils informieren möchte, in dem die BUGA stattfindet, kann sich auf den fünfzehn Stationen des Städtebaulichen Pfades ein Bild davon machen, was sich Stadtplaner unter nachhaltiger Stadtentwicklung vorstellen.
Bei der Entwicklung der Messestadt Riem vom ehemaligen Flughafen zu einem neuen Wohn- und Arbeitsquartier spielen Themen wie Wohnen und Arbeiten, Infrastruktur und Grünflächen eine wichtige Rolle. In einer Ausstellung und während eines Spaziergangs oder einer Führung kann man die Praxis an der Theorie messen.

Ums Wohnen geht es auch im Haus der Gegenwart, das am Rande des BUGA-Geländes situiert ist.
Als das SZ Magazin der Süddeutschen Zeitung vor vier Jahren einen Architekturwettbewerb veranstaltete, ging man nicht davon aus, dass das Haus je gebaut werden würde. Es ging zuerst um die Frage, wie man in Zukunft wohnen würde. Die einzigen Vorgaben bestanden darin, ein Wohnhaus am Stadtrand einer mitteleuropäischen Großstadt für vier Personen zu entwerfen, mit einer Nutzfläche von etwa zweihundert Quadratmetern, auf einem Grundstück von fünfhundert Quadratmetern, zu einem Preis von ca. 250.000 Euro. Davon abgesehen, konnten die Architekten ihrer Fantasie freien Lauf lassen.
Das Resultat: ein zweistöckiges Haus mit drei separaten Räumen im Erdgeschoss und einem Gemeinschaftsraum im ersten Stock, ausgestattet mit Haustechnik von Microsoft, in dem während der BUGA beinahe täglich Führungen stattfinden.

Gleich vor der Tür, im BUGA-Park, laden täglich diverse sportliche Veranstaltungen zum Mitmachen ein; das Spektrum reicht von Nordic Walking und Lauftreffs über Wassergymnastik und Golf bis hin zu Shiatsu Wohlfühlmassagen und Wirbelsäulengymnastik. Außerdem kann man statt mit dem Bus oder der U-Bahn mit dem Fahrrad zur BUGA fahren: Aus der Innenstadt führt vom Marienplatz eine ausgeschilderte Radverbindung über Trudering zur Messestadt Riem.

Kulturell und musikalisch wird ebenfalls einiges geboten: Wer einmal quer über das Gelände gelaufen ist, sich die Kunstlichtung der Akademie der Bildenden Künste angeschaut und am Ort der Weltreligionen meditiert oder spirituellen Vorträgen gelauscht hat, verschnauft sicher gern im Konzerthain, an der Seebühne oder in der Arena, wo von bayerischen Bläsern (häufig) bis Weltmusik (nicht ganz so häufig) ein buntes Stilgemisch zu hören ist.

Schade nur, dass Riem für einen kurzen Spaziergang oder eine grüne Mittagspause dann doch zu weit draußen ist.

BUGA 2005 - Details
Bis 09.10.2005
Messestadt Riem

Anfahrt
U-Bahnlinie U2 / U7 Haltestelle Messestadt West
S-Bahnlinie S3 / S4 Haltestelle Gronsdorf

Öffnungszeiten
Kassen 09:00-18:00
Einlass 09:00-20:30 bzw. 19:30 im September und Oktober
(bei Abendveranstaltungen länger)

Eintritt
Tageskarte EUR 14,-
erm. EUR 12,-
Dauerkarte EUR 65,-
erm. EUR 45,-

Infos unter
www.buga2005.de

Veranstaltungen, eine Auswahl

Gärtnerische Tipps und Informationen vom Fachmann
Ganztägig bis 18:00
Infopoint Grün und Umwelt

Haus der Gegenwart
Führungen täglich außer Mo. zwischen 11:00 und 15:00
www.hausdergegenwart.de

Sport
Z.B. Gymnastik im Park, täglich 18:00
Gesundheitsorientierter Lauftreff, Di. und Do., 17:00
Sportforum
Sport im Juli

Autorin
Katja Schwarz
Kontakt: katja.schwarz @mediella.de