Juli 2005 > mehr können > Werbetexterin
 
Das Berufsfeld Werbetexterin zwischen Traum und Wirklichkeit
von Fiona Amann
 
Texten ist malen - mit Worten. Texten ist musizieren – mit Worten. Texten ist sehen – mit Worten, Texten ist hören, fühlen, schmecken und riechen – mit Worten. Und weil das so ist, erfindet ein Texter bisweilen ganz eigene Schreibweisen für Gefühle oder Dinge, die so nicht im Duden stehen. Wobei es durchaus vorkommt, dass das ein oder andere Wort dann irgendwann doch im Duden landet, aber das steht auf einem ganz anderen Blatt.

Gute Werbetexte bewegen Kunden und öffnen ihre Portemonnaies.
Werbetexterinnen entwickeln Werbebriefe, die verkaufen und Newsletter, die Kunden auf lange Sicht binden. Sie entwerfen komplexe Werbekampagnen mit Anzeigen, Plakaten, Funk- und Fernsehspots und entwickeln außergewöhnliche Kommunikationskonzepte sowie knackige Texte fürs Internet.

Slogans wie „Alles in Obi" oder „Milka. Die zarteste Versuchung seit es Schokolade gibt" stammen allesamt aus der Feder eines Werbetexters. Er schenkt Produkten oder Unternehmen ihren unverwechselbaren Namen und sorgt mit kreativen Ideen und Texten dafür, dass aus einem No-Name-Angebot eine Marke mit hohem Wiedererkennungswert und emotionalem Anspruch entsteht.

Traumberuf Texterin?
Gewiss doch. Für eine Texterin, die Lust hat, sich schnell in neue Themen einzudenken. Die selbst hinter banalen Wasserhähnen faszinierende Geschichten und Details entdeckt, die es Wert sind erzählt zu werden. Und die, noch wichtiger, klug genug geschrieben sind, dass Kunden im Augenblick des Lesens nichts begehrlicher finden, als eben jenen chromglänzenden Wasserhahn. Wobei auch gleich die Krux des Werbetextens offen liegt: Werbetexte werden um ihrer selbst willen weder geschrieben noch gelesen. Werbetexte haben, hinter allen Informationen und bewusst gesetzten Emotionen, nur ein Ziel: verkaufen!

Die Werbetexterin ist in Wahrheit Verkäuferin. Diese Erkenntnis gefällt längst nicht jeder Gernschreiberin. Ja, in so mancher Journalistenschule geht noch immer der Spruch der Schmuddelkinder von der Werbung um, mit denen gute Journalisten tunlichst nicht spielen. Wer jedoch begriffen hat, dass Geld die Welt regiert und darüber hinaus auch das eigene Leben, dem bietet das Texten jede Menge Spaß, Abwechslung und außerdem ein ordentliches Einkommen.

Viele Wege führen zum Beruf Texterin. Einer davon könnte Ihrer sein:
Bevor es so richtig los geht, sollte sie ihr Handwerk erlernen. Wie und wo bleibt ihr überlassen. Fairerweise sei an dieser Stelle gesagt, dass auch das Alter mitbestimmend ist. Denn während Studenten oder Abiturienten den Schritt in die Werbebranche über den Copytest, Praktika und einem hoffentlich sehr guten Seniortexter schaffen, müssen über 25-Jährige sich schon etwas anderes einfallen lassen.

Ausgesprochenes Glück hat, wer einen der begehrten Plätze in der Texterschmiede Hamburg ergattert. Die zukünftigen Texter erhalten Unterricht von Deutschlands besten Kreativen und erproben ihr Können direkt an realen Projekten. Hört sich spannend an, ist es auch, kostet aber zugleich jede Menge Kraft – und Geld. Theorie und Praxis laufen Hand in Hand. Doch wer die Schule erfolgreich durchlaufen hat, dem stehen die Türen der besten Agenturen weit offen.

Ob Präsenz- oder Fernunterricht – ohne Fleiß, Neugier und einer großen Portion Talent ist alles vergebens. Denn, egal wie gut die Lehrbücher oder -hefte auch geschrieben sind, sie müssen gelesen und verstanden werden. Und überhaupt: Lesen ist immer gut. Texter saugen Wissen auf, wie ein Schwamm. Je öfter, desto flotter vollzieht sich dieser Akt. Ein entscheidendes Plus in der späteren Praxis, in der oft mehrere Projekte zur gleichen Zeit zu bewältigen sind.

Grau ist alle Theorie. Ohne Praxis läuft ebenfalls nichts. Das heißt also: Sie müssen üben, üben, üben. Und anstatt sich über vermeintlich merkwürdige Aufgaben im Lehrheft zu wundern, gehen Sie ruhig davon aus, dass später alles, wirklich alles auf Ihrem Schreibtisch landen kann. Vom unspektakulären Anzeigentext fürs Autohaus bis zur frivolen Selbstdarstellung eines Gigolos.

Quereinsteigerinnen willkommen?! Ja, aber …
Längst nicht jede Texterin plant von vorne herein diesen Beruf zu ergreifen. Sie kommt dazu, wie die Jungfrau zum Kind. Beispielsweise weil ein Arbeitgeber ihr Talent entdeckt und sie deshalb mit reichlich Arbeit eindeckt. Warum Einladungstexte, Kundenanschreiben oder Prospekte extern vergeben, wenn die eigene Sekretärin ein gewisses Händchen dafür hat. Das geht durchaus. Am Ende sitzt die ehemalige Büroassistentin nicht mehr im Sekretariat, sondern eben in der PR- oder Werbeabteilung.

Derlei Karrieren gibt es viele. Und sie alle bekommen einen gehörigen Knick, wenn sie durch Arbeitslosigkeit oder Familienjahre plötzlich ganz vorne anfangen müssen. Ist das notwendige betriebswirtschaftliche Basiswissen vorhanden? Reichen Talent, Erfahrungen sowie Marketing-, PR- oder Werbewissen dann für eine selbstständige Existenz als erfolgreiche freie Werbetexterin?


Gute, erfahrene Werbetexter haben ihren Preis.

Stundensätze ab EUR 60,- sind die Regel. Für einen Werbebrief müssen Sie als Kunde mit mindestens EUR 270,- netto rechnen. Wenn es um die Entwicklung von Konzepten, Namen oder Slogans geht, sind Projektpreise ab EUR 1000,- pro Kreation normal. Aus guten Gründen! Denn, was Branchenfremde oft unterschätzen sind Recherche- und Arbeitsaufwand und, noch viel wichtiger, das, was hinten dabei raus kommt.

Die Investition in eine professionelle Texterin ist damit gewiss gut angelegtes Geld. Entscheidend ist, was Ihnen Ihre Werbung bringt. Nicht was es kostet.

Buchtipps
Mario Pricken: Kribbeln im Kopf. Kreativitätstechniken & Braintools für Werbung & Design. Schmidt Verlag 2004. ISBN: 3-874-39582-0,
EUR 29,90.
1750 Gramm schwer - 270 Seiten stark – unendlich nützlich!
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Jörn Winter (Hrsg.):
Handbuch Werbetext. Deutscher Fachverlag GmbH 2004. 2., erweiterte Auflage. ISBN: 3-871-50869-1,
EUR 68,00.
Ein wertvoller Ratgeber und zugleich eine echte Werbung für gute Texte. Leicht zu lesen und anschaulich illustriert mit Praxisbeispielen. Auch für Einsteiger.
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Links

www.vorsicht-starke-worte.de
Starke Texter für kreative Textprojekte
Internetportal mit Fachartikeln, Buchbesprechungen, Links, Marktplatz für Texter, Jobbörse

Aus- und Weiterbildungsangebote für Texter

Fachverband Freier Werbetexter e.V.

Autorin
Fiona Amann
Werbetext, Webtext, PR-Text, Konzept

Unter dem Claim „… und aus Ideen werden Worte“ ist Fiona Amann seit 1997 mit Texten, Konzepten und Beratung vorwiegend für mittlere und kleine Unternehmen aktiv.
„Es kommt nicht auf die Höhe des Budgets an, sondern auf die Aufgabe, die dahinter steckt.“ Nach dieser Devise kreiert sie maßgeschneiderte, zielgruppenspezifische Ideen und Lösungen.

Business:
www.fiona-die-texterin.de

Im eBlätterwald: www.blog.fiona.biz
Im Fotomodus: www.foto.fiona.biz

Kontakt: f.amann@fiona-die-texterin.de