Juli 2005 > mehr wissen > E-Learning-Drehbuch
 
Buchrezension: E-Learning – das Drehbuch
Von Nadine Paraton
 
Schon der Untertitel „Handbuch für Medienautoren und Projektleiter“ stellt klar, welche Zielgruppe die Autorin Daniela Mair mit dem Buch „E-Learning - das Drehbuch“ erreichen möchte. Darüber hinaus ist es jedoch auch für Entscheiderinnen in Unternehmen interessant, die sich gerade mit der Frage beschäftigen, welche Art der E-Learning-Anwendung für ihr Unternehmen die richtige ist. Das Buch gibt sehr praxisnah Aufschluss über den gesamten Ablauf einer E-Learning-Produktion. So kann es der Entscheiderin zur Beurteilung dienen, ob der Produktionsprozess auch wirklich in ihrem Sinne verläuft.

Die Münchner Autorin Daniel Mair ist seit vielen Jahren in der Verlags- und Multimediabranche tätig, seit 2000 als Medienautorin sowie E-Learning-Beraterin. Ihr fundiertes Insiderwissen gibt sie sehr detailliert und umfassend preis. Sie zeigt auf, wie man die an sich sehr komplexe Aufgabe, eine E-Learning-Anwendung zu entwickeln, in sinnvolle Einzelabschnitte unterteilt und erläutert Schritt für Schritt, wie sich anschließend ein klar strukturiertes, vollständiges und didaktisch überzeugendes Drehbuch erarbeiten lässt.

Zu Beginn ihres Handbuches vermittelt die Autorin einen kurzen Überblick über die Projektphasen, die Beteiligten und deren Rolle im Projektteam. Auch die Art und Weise, wie diese sich auf ihre Aufgaben vorbereiten sollten, bleibt nicht unerwähnt. Im Anschluss stellt sie die möglichen Arten von E-Learning-Anwendungen und deren Zielgruppen dar. Bezüglich des Themas Zielgruppenmotivation hält sie ebenfalls einige interessante Tipps bereit. Hier sind zum Beispiel Feedback-Funktionen, die den Lernfortschritt laufend dokumentieren, anzuführen. Auch die Einbettung von Lerninhalten in dramatische Handlungen, die die Möglichkeit der Exploration bieten, können sehr motivationsfördernd wirken.

In den folgenden Kapiteln erfahren die Leser, wie der gesamte Prozess vom Grobkonzept über das Feinkonzept mit den entsprechenden Zwischenabnahmen bis hin zum Verfassen des Drehbuches abläuft.
Es wird erläutert, was beim Formulieren verschiedener Textarten – Sprechertexte, Aufgabenstellungen etc. – beachtet werden sollte. Beispielsweise stehen im Deutschen die Verben häufig am Satzende. Um Texte leicht verständlich zu gestalten kann es jedoch besser sein, die Verben an den Satzanfang zu stellen.

Auch bezüglich der sinnvollen und kostenoptimierten Gestaltung von Illustrationen oder Filmen werden wertvolle Hinweise gegeben. Sehr interessant sind auch die verschiedenen lernpsychologischen Aspekte, die bei der Entwicklung einer E-Learning-Applikation einbezogen werden sollten. Besonders die Lernpsychologie und die verschiedenen Kursmethoden können in diesem etwa 220-seitigen Handbuch allerdings nur angerissen werden. Bei Interesse findet man im Anhang Informationen zu weiterführender Literatur wie etwa dem Buch „101 e-Learning Seminarmethoden“ von Hartmut Häfele und Kornelia Maier-Häfele.

Zum Produktionsprozess eines E-Learning-Kurses gehören natürlich zeitgemäße Technologien und die entsprechenden Software-Tools. Auch hierzu erhält man einen guten Überblick. Zur Bedienung der meisten im Buch vorgestellten Autorentools sind Programmierkenntnisse nötig, das IDEA Autorensystem von Link&Link bildet hier jedoch eine Ausnahme. Es ermöglicht die Lerninhaltentwicklung, ohne in die Programmierung einzusteigen. Für einfache Kurse kann auch Macromedia Flash verwendet werden, wobei zur Einbettung von Feedback oder Aufgabenauswertungen, Kenntnisse in der Scriptsprache „Actionscript“ notwendig sind.

Der Abschnitt über die Arbeitsorganisation, das eigene Zeitmanagement und die Honorarkalkulation dürfte gerade angehende Medienautorinnen sehr interessieren. Hier findet sich zum Beispiel auch ein Link zum „e-lancer-Kalkulator“ des DGB-Bildungswerkes Nordrhein-Westfalen, der einem hilft, ein kostendeckendes Honorar für die eigenen Dienstleistungen zu ermitteln.

Die verschiedenen Checklisten am Ende des Buches und auf der beigefügten CD unterstützen bei der Optimierung und Evaluierung von Arbeitsläufen. Sehr nützlich sind auch die Linklisten rund um das Thema E-Learning.

Fachbegriffe und Abkürzungen der Multimdedia-Branche werden im Anhang erläutert. In diesem Zusammenhang ist auch die einzig nennenswerte Kritik anzubringen: Der Index hätte ruhig noch etwas ausführlicher ausfallen können.

Fazit: „E-Learning - das Drehbuch“ ist ein umfassendes, klar formuliertes und sehr empfehlenswertes Praxishandbuch für alle, die sich im Produktionsprozess einer E-Learning-Anwendung engagieren möchten.

Buchtipp
Daniela Mair,
E-Learning - das Drehbuch.
Springer-Verlag 2004
ISBN 3-540-22070-4
EUR 49,95
Direkt bei Libri bestellen
Linktipps

Aktuelle Infos zum Thema E-Learning bei wirtschaft & weiterbildung

Autorenbörse - hier können Autoren, Grafiker und Journalisten ihre Manuskripte hinterlegen oder selbst nach Jobangeboten suchen

Zukunftsmarkt E-Learning - eine Einschätzung von 2002

www.drehbuchtext.de - die Website von Daniela Mair
 

Autorin
Nadine Paraton beschäftigte sich schon während ihres Architekturstudiums - seit 1998 - intensiv mit den Neuen Medien. Studienbegleitende Tätigkeit beim Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung (Darmstadt) von 1999 bis 2000: Entwicklung einer 3D-Benutzeroberfläche für ein Online-Magazin.
2001 absolvierte sie als Stipendiatin ein Aufbaustudium für Neue Medien an der Rhode Island School of Design (USA). Als Abschlussarbeit entwickelte sie „3D Studio MAX 3.1 Fundamentals“ - einen interaktiven Kurs.
Derzeit ist sie als Marketing Managerin bei European Space Imaging tätig.
Kontakt: nparaton@web.de