Juni 2005 > mehr verdienen > Führung
 
Von der Unternehmerin zur Führungskraft
Von Annette Wachowski
 
Wenn das Geschäft gut läuft und Sie die Aufträge nicht mehr alleine bewältigen können oder Sie Entlastung bei der Büroarbeit benötigen, suchen Sie sich Unterstützung: eine oder mehrere 400 Euro-Kräfte, jemanden auf freiberuflicher Basis, eine Zeitarbeitskraft, vielleicht reicht es sogar für eine ganze Stelle. Egal wie, auf einmal sind Sie nicht mehr nur Unternehmerin, sondern auch Führungskraft. Dabei sollten Sie ein paar wesentliche Kleinigkeiten beachten, die die Zusammenarbeit erleichtern.

Teamgeist

Selbstständigkeit hat den Vorteil, dass Sie, außer vielleicht Ihren Kunden, niemandem gegenüber Rechenschaft schuldig sind über Ihre Arbeitsweise. Sie müssen Sie sich mit niemandem austauschen über Ihre Arbeit und können alles im Alleingang machen. Wenn Sie aber jemanden zur Unterstützung anheuern, können Sie nicht mehr alleine vor sich hin wursteln, sondern müssen Arbeitsabläufe abstimmen, jemanden einbeziehen und möglicherweise Wissen teilen.
Wenn die Zusammenarbeit für alle nutzbringend sein soll, binden Sie Ihre Mitarbeiter so weit wie möglich mit ein - es muss ja nicht gleich die Kontovollmacht sein. Je größer die Identifikation mit dem Unternehmen - also mit Ihnen - ist desto lieber wird man mit Ihnen und für Sie arbeiten.
Echter Teamgeist bedeutet, dass man Aufgaben gemeinsam löst und sich dabei gegenseitig ergänzt.

Die Kunst des Delegierens

Zunächst sollten Sie schleunigst lernen zu delegieren, falls Sie das noch nicht beherrschen.
Wenn Sie eine Aufgabe an einen Mitarbeiter übergeben, nehmen Sie sich Zeit dafür. Erklären Sie alles, was das Gegenüber wissen muss, um die Aufgabe so zu erfüllen, als wenn Sie sie selbst erledigen würden - oder vielleicht noch besser. Sagen Sie dem anderen genau, welches Ergebnis Sie erwarten und in welchem Zeitraum. Aber setzen Sie nicht voraus, dass er oder sie das Ergebnis auf gleiche Weise erreicht wie Sie. Jeder Mensch hat andere Methoden und Herangehensweisen an eine Arbeit.
Geben Sie, nachdem Sie alles erklärt haben, dem Mitarbeiter die Gelegenheit Fragen zu stellen und lassen Sie ihn dann mit eigenen Worten wiederholen, was zu tun ist. Das klingt vielleicht albern, aber es ist erstaunlich, wie oft es bei vermeintlich einfachsten Dingen zu Missverständnissen kommen kann.
Vereinbaren Sie Zwischenstationen, wenn es sich um eine größere Aufgabe handelt, bei denen Sie sich zusammensetzen und die bisherigen Ergebnisse besprechen, damit gegebenenfalls Korrekturen vorgenommen werden können. Und bieten Sie Ihre Unterstützung und Hilfe bei Fragen und Unsicherheiten an.

Delegieren setzt voraus, dass Sie loslassen können. Das kann besonders für eine Einzelunternehmerin, die alles im Griff haben und bei den Kunden den Kopf hinhalten muss, eine echte Herausforderung sein.
Für die Mitarbeiter ist es jedoch extrem demotivierend, wenn sie das Gefühl vermittelt bekommen, dass die Chefin sowieso alles besser kann und weiß und sie bei jedem Schritt kontrolliert und überwacht werden.

Feedback

"Nicht getadelt ist genug gelobt," hat ein früherer Chef von mir gesagt. Ich hoffe nicht, dass das Ihr Motto bei der Mitarbeiterführung ist.

Natürlich bezahlen Sie Ihre Mitarbeiter dafür, dass sie ihren Job tun und auch dafür, dass sie ihn gut machen. Der Mensch lebt aber bekanntlich nicht vom Brot allein, und Anerkennung tut jedem gut. Ein ernst gemeintes Lob für eine vollbrachte Aufgabe trägt zur guten Stimmung im Team und zur Motivation bei. Lassen Sie Ihre Mitarbeiterinnen spüren, dass sie zum Unternehmenserfolg beitragen und dass dieser etwas Gemeinsames ist.

Das Gegenstück - die Kritik - gehört, wenn nötig, natürlich genauso dazu. Wenn Aufgaben nicht wie vereinbart erfüllt werden, die Qualität oder die Pünktlichkeit zu wünschen übrig lassen, müssen diese Punkte angesprochen werden.
Achten Sie darauf, Kritik nur unter vier Augen zu üben und nicht, wenn andere dabei sind, sonst fühlt der Kritisierte sich schnell bloßgestellt. Kritik sollte sich immer gegen die Sache und nicht gegen die Person richten. Und sie sollte immer so ausfallen, dass sie konstruktiv gemeint ist und der andere die Chance hat, etwas daraus zu lernen und es beim nächsten Mal besser zu machen.

Schieben Sie das Ansprechen von unangenehmen Dingen nicht lange auf, weil Sie auf den vermeintlich richtigen Augenblick warten. Je länger Sie die Sache vor sich herschieben desto größer und bedrohlicher wird sie, bis irgendwann ein richtiges Problem daraus wird, die Atmosphäre vergiftet ist und Sie mit einem dicken Konflikt da sitzen. Jeder halbwegs feinfühlige Mensch merkt auch ohne Worte, dass etwas im Busch ist. Da ist es schon besser, Sie sprechen es direkt an, dann weiß jeder, woran er ist. Außerdem sind Sie die Chefin: Im Zweifelsfall können Fehler Ihrer Mitarbeiter Ihren Ruf schädigen oder - noch schlimmer - Ihre Existenz gefährden. Darum: heraus mit der Sprache; Sie sagen, wo es lang geht.

Sicherlich gibt es Naturtalente, die scheinbar mühelos die richtige Balance zwischen Autorität und Kumpel finden. Aber auch weniger Begabte können mit der richtigen Einstellung den Weg von der Unternehmerin zur Führungskraft erfolgreich beschreiten.

Linktipps
"Lob individuell gestalten", Tipps bei www.selbstmarketing.de

"Mini-Arbeitgeberin werden", Artikel in mediella 09.04

Autorin
Annette Wachowski
Kontakt: annette.wachowski@ mediella.de