Juni 2004 > mehr wissen > Manuskript
 
Die Form des Manuskripts
Von Claudia Mair
 
Sie haben ein handschriftliches Manuskript eingereicht und von einem Verlag eine positive Antwort erhalten? Glückwunsch, Sie sind Opfer eines Wunders geworden, für das sie vermutlich bezahlen müssen, denn die Kosten für die datentechnische Erfassung eines solchen Manuskriptes werden meist dem Autor/der Autorin angelastet, was den Gewinn aus einer Buchveröffentlichung nicht unwesentlich schmälern kann. Etwas weniger Kostenaufwand verursacht die Erfassung eines auf Schreibmaschine getippten Manuskriptes, aber auch ein solches muss in heutiger Zeit als anachronistisch angesehen werden. Man erwartet heute allgemein, dass die AutorInnen über einen Computer verfügen und moderne Textverarbeitungssysteme beherrschen.

Das professionell eingereichte Manuskript besteht deshalb auch aus zwei Teilen, nämlich der Datei auf Diskette oder CD und dem dazugehörigen Ausdruck. Beide müssen 100%ig übereinstimmen und vollständig sein. Überprüfen Sie also auch, ob Sie nicht Teile des Manuskriptes wie z.B. Inhaltsverzeichnis, Bibliographie oder Register vergessen haben.

Zunächst wird man immer den Ausdruck des Manuskriptes einreichen. Die Dateien können bei Zusage des Verlages nachgereicht werden, nachdem man sie unter Berücksichtigung der Verlagshinweise noch einmal überarbeitet hat. Das gedruckte Manuskript sollte möglichst nicht geheftet werden. Es genügt, die Blätter mit einem Gummiband zusammenzuhalten oder lose in einer Mappe vorzulegen. Wichtig ist dabei, dass die einzelnen Seiten nummeriert sind (automatische Paginierung) und möglichst auch in der Kopfzeile Namen und Adresse der Autorin aufweisen. So können die einzelnen Seiten im Falle des Falles schnell wieder zugeordnet werden. Auch das Deckblatt sollte neben dem Titel Namen, Adresse und Telefonnummer der Autorin aufweisen, für den Fall, dass das Anschreiben verloren geht.

Um den Umfang des zu entstehenden Buches abschätzen zu können, sollten die einzelnen Seiten des Manuskriptes in etwa 1800 Anschläge aufweisen, das sind 30 Zeilen à 60 Zeichen. Man spricht dabei von Normseiten. Die Schriftgröße sollte 12 Punkt betragen, es sei denn, Ihre Lektorin ist stark kurzsichtig. Bei der Schriftwahl sollte man nüchterne Schriften wie Times Roman, Arial oder Courier bevorzugen, selbst wenn man der Meinung sein sollte, dass nur eine zierlich verschnörkelte Schrift den unterschwellig romantischen Charakter des eigenen Sachbuches adäquat zum Ausdruck bringt und man das Ganze schließlich als Gesamtkunstwerk anlegen möchte. Unnötige Schnörkeleien und Zierrat erschweren nicht selten die Lesbarkeit und müssen bei weiterer Bearbeitung des Manuskriptes wieder entfernt werden, was nur zusätzliche Arbeit bedeutet. Und damit sind wir auch schon beim Thema Datei angelangt.

Die Datei kann unter Umständen auch per E-Mail übermittelt werden, zumindest wenn die beteiligten Computer dabei keine hysterischen Anfälle aufgrund von krasser Überforderung bekommen. Sie sollten sich über die Gepflogenheiten des Verlags informieren. Häufig weisen Verlage ihre AutorInnen ohnedies darauf hin, welche Textformate verwendet werden und wie eine Datei gestaltet sein sollte, um eine problemlose, rasche und möglichst kostensparende Weiterbearbeitung zu erlauben. Bevor Sie die Datei(en) Ihrem Verlag übermitteln, überprüfen Sie bitte, ob die Diskette nicht vielleicht schadhaft ist und beschriften Sie sie. Stellen Sie eine Sicherungsdatei her, die Sie zuhause aufbewahren.

Die Datei sollte so einfach wie möglich gehalten sein. Die Herstellung dankt es Ihnen, wenn Sie auf überflüssige Layout-Spielereien und Formatierungen verzichten. Erfassen Sie den Text also einfach als Fließtext, d.h. linksbündiger Flattersatz mit automatischer Zeilenschaltung, Kennzeichnung der Absätze mit Returntaste, Leerzeichen nach jedem Satzzeichen, Unterscheidung von Binde- und Gedankenstrichen. Vermeiden sollten Sie: REINE GROßSCHREIBUNG, doppelte oder mehrfache     Leerzeichen, automatische Trennhilfe und manuelle Trennungen, manuelle Zeilenendschaltungen, manuelle Seitenumbrüche, Tabulatoren und Makro-Verknüpfungen. Verkürzt könnte man sagen, je mehr automatisch und je weniger manuell, desto besser.

Bildlegenden, Register und Marginalien sollten Sie separat speichern, das gilt auch für die Fußnoten. Auf keinen Fall sollten Sie die Fußnoten manuell in den Text einfügen und die Ziffern selbst hochstellen. Für den Haupttext selbst sollten 1-2 Dateien genügen. Es ist nicht wirklich hilfreich, jedem Kapitel eine eigene Datei einzuräumen.

Bild- und Grafikdateien sollten ebenfalls nicht in die Textdatei eingefügt werden. Legen Sie diese gesondert bei, vergessen Sie dabei aber nicht, im Text die Stellen zu kennzeichnen, an denen die Bilder bzw. Grafiken eingefügt werden sollen. Erkundigen Sie sich, in welcher Form Ihr Verlag die Bilder und Grafiken gespeichert haben möchte. Bilddateien können nur weiterbearbeitet werden, wenn sie in professioneller Qualität vorliegen, d.h. im Allgemeinen mindestens 300 dpi aufweisen. Sollten Sie die notwendigen Grafiken nicht selbst herstellen können, weil Sie nicht die geeigneten Programme besitzen oder beherrschen, so ist das meist kein Problem. Zeichnen Sie die Grafiken per Hand und lassen Sie sie von den Fachleuten in der Herstellung ausführen.

Zum Schluss noch eine Anmerkung, die eigentlich nicht nötig sein sollte, es aber ganz offensichtlich doch ist, wenn man sich die eingehenden Manuskripte so ansieht: Überprüfen Sie ihr Manuskript auf Fehler in der Rechtschreibung und der Grammatik und auf stilistische Mängel! Nutzen Sie den Rechtschreibkonverter oder geeignete Freunde und Bekannte, wenn Sie denn solche besitzen! Denn glauben Sie mir: Mit einem weitgehend fehlerfreien Manuskript wirken Sie gleich bedeutend kompetenter auf Lektoren! - Dazu zählt übrigens auch die Kunst des Bibliographierens.
Wer LektorInnen und HerstellerInnen Arbeit und Kosten spart wird mit seinen Projekten viel eher auf offene Ohren stoßen.
 

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Autorin
Claudia Mair gönnte sich nach einer ungeliebten Ausbildung den Zweiten Bildungsweg und danach ihr Traumstudium (Literatur), das sie nach Bayreuth, Berlin und Lyon führte. Momentan testet sie München auf seine Eignung als Wohnsitz und versucht, in die Geheimnisse des Verlagswesens einzudringen.
Neben dem Schreiben widmet sie sich ihrer zweiten Leidenschaft, dem T'ai Chi Ch'uan.
Kontakt: ClaudiaMair@web.de