Mai 2005 > mehr verdienen > Selbständigkeit
 
Eigne ich mich zur Selbständigkeit?
Von Annette Wachowski
 
Der Antrieb
Zunächst sollten Sie Ihre Motivation näher anschauen, warum Sie sich selbständig machen möchten.
Sind Sie im Angestelltenverhältnis frustriert und wollen allen zeigen, was wirklich in Ihnen steckt? Sind Sie schon seit längerem arbeitslos und finden partout keinen neuen Job? Oder sind Sie sich sicher, dass Sie nur als Selbständige Ihre Fähigkeiten richtig zum Einsatz bringen und sich selbst verwirklichen können?

Hinterfragen Sie Ihren Antrieb und prüfen Sie kritisch, ob der Wunsch sich selbständig zu machen eher eine Reaktion aus persönlichem Frust oder aus Angst ist oder weil es eine bessere Alternative zum Angestelltenverhältnis ist.
Angst und Frust sind keine guten Berater. Möglicherweise werden Sie als Selbständige Durststrecken, Misserfolge und Zeiten der Unsicherheit durchstehen müssen - was machen Sie dann mit Ihrer Angst?

Persönliche Eigenschaften
In Fragebögen und der Beratungsliteratur zur Selbständigkeit wird oft das Bild des perfekten Selbständigen entworfen – ein Bild, das oft so hoch hängt, dass ich mich frage, wer da noch dran kommt.

Natürlich gibt es Voraussetzungen, die man als Selbständige mitbringen sollte. Dazu gehören sicherlich Eigeninitiative, ein gesundes Maß an Selbstvertrauen und Optimismus, den Glauben an das eigene Produkt und ein Mindestmaß an kommunikativen und vertrieblichen Fähigkeiten. Darüber hinaus zählt eine gewisse Zähigkeit dazu, um Durststrecken zu überwinden und die Fähigkeit sich selbst zu motivieren, ganz besonders, wenn Sie alleine arbeiten.
Ein Finanzgenie müssen Sie vielleicht nicht sein, um sich selbständig zu machen – es sei denn, Sie wollen Vermögensberatung anbieten – aber der maßvolle Umgang mit Geld ist für eine Gründerin sicherlich ratsam.
Eine Eigenschaft sollte allerdings nicht zu stark ausgeprägt sein: Ihr Sicherheitsbedürfnis.

Marktforschung
Ihre Aussichten auf Erfolg hängen nicht unwesentlich davon ab, ob es eine Nachfrage für Ihr Angebot gibt. Dazu ist Recherche nötig: Wer tummelt sich in Ihrem Markt? Was bietet der Wettbewerb an? Wer genau sind eigentlich Ihre Kunden – und sagen Sie jetzt nicht: eigentlich jeder! Und was erwarten die Kunden? Je genauer Sie wissen, wen Sie bedienen wollen und je genauer Sie Ihre Dienstleistung oder Ihr Produkt auf die Wünsche dieser Zielgruppe abstimmen können, desto einfacher können Sie Ihre zukünftigen Kunden ansprechen und desto leichter werden Sie Erfolg haben.
Bei dieser Marktrecherche gewinnen Sie im Übrigen auch wertvolle Informationen darüber, wie andere arbeiten und über die Preisgestaltung.

Alleine arbeiten! Alleine arbeiten?
Viele, die sich aus einem Angestelltenverhältnis heraus als Einzelkämpferin selbständig machen freuen sich darauf: Endlich in Ruhe arbeiten, sich konzentrieren können, nicht dauernd den Lärmpegel des Großraumbüros um sich herum haben, sich im Schlabberlook und ungeschminkt zu Hause an den PC setzen können ... Nach ein paar Jahren suchen sich etliche eine Bürogemeinschaft oder spielen wenigstens mit dem Gedanken. Denn so ganz alleine ist manchmal zu alleine. Es fehlen einfach das Team, mit dem man Erfolge feiern kann, die Kollegin, die immer eine spritzige Idee hatte, wenn man selbst gerade im kreativen Loch dümpelte, die gemeinsam verbrachte Mittagspause und vielleicht auch der Büroklatsch.

Die Möglichkeit einer Bürogemeinschaft ist natürlich bestechend, bringt jedoch Fixkosten mit sich, die erst einmal verdient werden wollen. Wer nur ein kleines Budget hat und ab und zu Gesellschaft sucht, kann sich dem Freiberufler-Mittagstisch jeden Donnerstag in München anschließen.

Unterstützung
Gerade wenn Sie sich noch nicht zu 100% sicher sind, ob die Selbständigkeit das Richtige für Sie ist, sollten Sie sich Rat einholen. Das muss nicht unbedingt ein teures Coaching sein. Sprechen Sie mit Selbständigen in Ihrem Bekanntenkreis und partizipieren Sie an deren Wissen und Erfahrungen.
Aber auch ein professionelles Coaching kann bei der Entscheidungsfindung hilfreich sein.

Unterstützung finden Sie auch in Netzwerken und Berufsverbänden. Hier können Sie sich austauschen mit Gleichgesinnten und von den Erfahrungen derjenigen profitieren, die den Schritt in die Selbständigkeit schon erfolgreich gemeistert haben. Netzwerke bieten auch eine gute Plattform zur Weiterbildung und zum Knüpfen von Kontakten entweder für Kooperationen oder für die Kundenakquise.

Wenn Sie in einer festen Beziehung leben oder Familie haben, ist die Unterstützung durch Ihren Partner und Ihre Familie wichtig. Es geht zum einen darum, wie finanzielle Engpässe gemeinsam gemeistert werden können, eventuell um das Thema Kinderbetreuung, zum anderen auch um die geistig-moralische Unterstützung.

Probieren geht über studieren
Ob die Selbständigkeit das Richtige für Sie ist werden Sie nur herausfinden, wenn Sie es ausprobieren. Ganz Mutige wagen – nach entsprechender Vorbereitung - den Sprung ins kalte Wasser. Zögerliche Naturen können die Selbständigkeit vielleicht erst einmal im Nebenerwerb ausprobieren und eine eventuelle Festanstellung tageweise reduzieren, wenn das geht.

Wichtig ist, nichts übers Knie zu brechen, denn es geht um eine weitreichende Entscheidung und Ihre Zufriedenheit. Vielleicht bringen Ihnen die ganzen Überlegungen im Zusammenhang mit der Selbständigkeit – Geschäftskonzept, Finanzplanung usw. – auch die Erkenntnis, dass Sie sich als Angestellte wohler fühlen; dann sollten Sie auch diese Erkenntnis annehmen und etwas daraus machen.

Wir wünschen Ihnen Mut und Erfolg auf Ihrem Weg, wo immer er Sie auch hinführt.

Link-Tipps
»   Online-Kurs für Existenzgründerinnen der Fachhochschule Karlsruhe - Hochschule für Technik
» Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit
» Bundesweite Gründerinnenagentur
   
  Für Frauen, die planen sich mit Hilfe von Ich-AG oder Überbrückungsgeld selbständig zu machen:
 
» Büro für Existenzgründungen München
» Artikel in mediella 05.04
» ergänzender Artikel in mediella 04.05
Autorin
Annette Wachowski
Kontakt: annette.wachowski@ mediella.de