Mai 2004 > weniger arbeiten > München im Mai
 

Mild oder wild

Von Katja Schwarz
 
Ist der April schön und rein, wird der Mai umso wilder sein. Wenn diese Bauernweisheit stimmt, können wir uns im Umkehrschluss nach dem sehr wechselhaften April auf einen milden und sonnigen Mai freuen: Endlich wieder draußen sitzen und mit allen Sinnen die warme Sonne und die frühlingshaften Wohlgerüche genießen.

Für Aug' und Ohr wird in diesem Monat ebenso gesorgt.

Das 19. Internationale Dokumentarfilmfestival zeigt in mehreren Reihen rund 90 neue Filme aus aller Welt, darunter zahlreiche Erstaufführungen und Filme von Nachwuchs-RegisseurInnen. Schwerpunkte sind in diesem Jahr Indien und Israel. Unter den indischen Beiträgen widmen sich einige den Protesten gegen den Narmada Staudammbau oder den religiösen Konflikten in Gujarat, während in den israelischen Filmen unter anderem von der schwierigen Identitätssuche einer jungen arabischen Israelin oder dem Schicksal äthiopischer Juden erzählt wird.

Es werden jedoch auch neue Filme aus Bayern gezeigt. Der FilmFernsehFonds Bayern vergibt zum sechsten Mal den mit 5.000 EUR dotierten „Förderpreis Dokumentarfilm des FFF Bayern“, und der Bayerische Rundfunk präsentiert in der Reihe „Denk' ich an Deutschland“ zwei Filme von Michael Gutmann und Fatih Akin, der (bzw. dessen Hauptdarstellerin) zuletzt anlässlich der Berlinale von sich reden machte.

Einen Einblick in das aktuelle tschechische Filmschaffen gewährt fast zeitgleich die Tschechische Filmwoche, zu der die Offene Akademie der Münchner Volkshochschule in den Gasteig einlädt. In Zusammenarbeit mit dem Tschechischen Kulturzentrum werden hier die innovativsten und erfolgreichsten tschechischen Spielfilme der letzten Monate gezeigt; als Eröffnungsfilm läuft die preisgekrönte Komödie „Pupendo“ des Regisseurs Jan Hrebejk.

Wer ohnehin schon im Gasteig ist, kann sich dort die Schriftstellerportraits des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki anschauen. Bis Anfang Juni zeigt die Ausstellung Zeichnungen, Radierungen und Lithografien u.a. von Max Liebermann, Otto Dix oder Horst Janssen. Auf Texttafeln erläutern Originalzitate, warum die portraitierten Schriftsteller in Reich-Ranickis Sammlung gehören und weshalb diese für ihn zur Weltliteratur zählen.

In persona wird diesen Monat ein großer Schriftsteller in München erscheinen, um aus seinem neuen Roman zu lesen: Mario Vargas Llosa erzählt die Lebensgeschichten von Paul Gaugin und dessen Großmutter, der Frauen- und Arbeiterrechtlerin Flora Tristán. Diese engagierte sich in Südfrankreich für die Rechte der Arbeiter und Frauen, während ihr Enkel 50 Jahre später auf der Suche nach schöpferischer Ursprünglichkeit in die Südsee auswanderte.

„.. in die Fremde“ lautet auch das Motto der 9. Münchener Biennale . Das internationale Festival für neues Musiktheater bringt fünf Opernprojekte von Komponisten aus Großbritannien, China, Frankreich, Litauen und Österreich zur Uraufführung. Dabei wird „die Fremde“ auf verschiedene Weise thematisiert, um zu überprüfen, ob sich Fremdheit und Distanz in einer globalisierten und virtualisierten Welt aufheben.
Die fünf Opern werden durch ein Konzert der Münchner Philharmoniker, durch ein Symposium in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und durch Komponistengespräche vor der jeweiligen Premiere ergänzt und kommentiert.

Ein vielseitiges Programm mit Musik aus aller Welt ist während der 5. Langen Nacht der Musik zu hören. Ungefähr 100 Veranstaltungsorte – von Bars und Clubs über Kirchen bis zum Funkhaus des Bayerischen Rundfunks – bieten ab 20:00 Uhr Live-Musik der unterschiedlichsten Stilrichtungen von Tango bis HipHop.
Vom Odeonsplatz ausgehend verbinden die Shuttlebusse der MVG die Veranstaltungsorte auf vier Touren im 10 Minuten Takt. Die Lange Nacht verdankt ihren Namen übrigens weniger den langen Wartezeiten an den Haltestellen oder den langen Schlangen vor manchen Spielstätten als vielmehr den zahlreichen open-end-Veranstaltungen, die weit über 3:00 Uhr hinausgehen.

Wer ein paar Schlaghosen im Schrank hat, hört sich vorher "Mamma Mia", "Dancing Queen" und andere Ohrwürmer der vier Schweden an. Das Musical ABBAMania ist natürlich nur ein Vorwand, um die großen Songs zu spielen – aber die vier Londoner Künstler, die die Bühnenauftritte von Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid nachspielen, kommen sicherlich nahe genug an das Original heran, um eine ausgelassene bis euphorische Party-Stimmung zu erzeugen. Yeah!

FILM

4. Tschechische Filmwoche im Gasteig
04.-09.05.2004
Gasteig, Kellerstraße 6, Eingang Rosenheimer Straße
Eine kostenlose Programmbroschüre liegt aus, Infos und Programm im Web unter www.mvhs.de

19. Internationales Dokumentarfilmfestival München
07.-15.05.2004
Arri-Kino, Rio-Filmpalast, Filmmuseum, Maxim-Kino und andere Veranstaltungsorte.
Programm und Infos unter www.dokfest-muenchen.de

KUNST UND LITERATUR

Mario Vargas Llosa
“Das Paradies ist anderswo“
13.05.2004, 20:00
Literaturhaus, Salvatorplatz
Eintritt: EUR 7,- erm. 5,-
Infos unter www.literaturhaus-
muenchen.de

Meine Bilder - Die Sammlung Reich-Ranicki
Schriftstellerporträts aus zwei Jahrhunderten
Bis 06.06.2004
ASPEKTE GALERIE der Münchner Volkshochschule
Gasteig - Foyer II. Obergeschoß
Öffnungszeiten:
Täglich 10:00-22:00
Eintritt frei

MUSIK

ABBAMania
11.05.-14.05.2004
Di.-Do. 20:00, Fr. 21:00
Circus Krone, Zirkus-Krone-Straße 1-6
www.abba-mania.de

9. Münchner Biennale – Internationales Festival für neues Musiktheater
12.05.–28.05.2004
Gasteig, Prinzregententheater, Muffathalle und andere Veranstaltungsorte.
Programm unter www.muenchenerbiennale.de

Lange Nacht der Musik
15.05.2004
Infohotline 089.30 61 00 41 oder www.die-lange-nacht.de

Autorin
Katja Schwarz
Kontakt: katja.schwarz@ mediella.de