Mai 2004 > mehr wissen > Dokumenttyp-Angabe
 

Die Dokumenttyp-Angabe und ihre Auswirkung auf die Darstellung von Internetseiten

Von Florence Maurice
 

Wer Webseiten erstellt, ist schon einmal darüber gestolpert: über die Dokumenttyp-Angabe. Diese auf den ersten Blick etwas seltsam oder kryptisch anmutende Zeilen stehen als Erstes in einem HTML-Dokument und können beispielsweise folgendermaßen lauten: <!DOCTYPE HTML PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/html4/transitional.dtd">.

Die Dokumenttyp-Deklaration dient zur Angabe der eingesetzten HTML-Version. Was hingegen etwas weniger bekannt sein dürfte, ist die Tatsache, dass ihre An- oder Abwesenheit die Darstellung der Webseiten nachhaltig beeinflusst. So kann es beispielsweise sein, dass eine Webseite ohne Dokumenttyp-Angabe "normal" aussieht, das Layout hingegen "zerschossen" ist, wenn sie vorhanden ist.

Quirk- und Standardmodus
Dies liegt daran, dass bei einer vorhandenen - und vollständigen - Dokumenttyp-Angabe die meisten aktuellen Browser den HTML-Quellcode im Wesentlichen standardgemäß interpretieren, bei Abwesenheit hingegen in den Quirk-Modus schalten. Quirk heißt soviel wie "Schrulle", ließe sich in diesem Zusammenhang aber vielleicht auch mit "Murks-" oder "Wurschtel"-Modus übersetzen. Damit wird eine nicht-standardmäßige Interpretation beschrieben, die dem entspricht, wie vorhergehende Browserversionen die Webseiten dargestellt haben.

Und so können dann möglicherweise Seiten, die für die früher üblichen Browserverhältnisse erstellt wurden, nicht mehr korrekt angezeigt werden, wenn die Dokumenttyp-Angabe dasteht und damit die Seite standardgemäß gerendert wird. Dies betrifft auch die Interpretation von CSS-Formatierungen.

Die einzelnen Browser reagieren jedoch teilweise unterschiedlich auf unvollständige Dokumenttyp-Angaben und das auch in Abhängigkeit der verwendeten HTML-Version. Zusätzlich gibt es wie stets Besonderheiten und browserspezifische Ausnahmen: Steht beispielsweise irgendetwas vor der Dokumenttyp-Angabe, wechselt der Internet Explorer immer in den Quirk-Modus. Und das leider auch, wenn - wie bei XHTML durchaus gebräuchlich - die XML-Deklaration <?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?> am Anfang des Dokuments eingefügt ist. Links zu tabellarischen Übersichten, welcher Browser wann was wie interpretiert, finden Sie in der Infobox.

Bestandteile einer Dokumenttyp-Deklaration
Kurz zum Aufbau einer Dokumenttyp-Angabe: Nehmen wir als Beispiel das bereits oben angeführte: <!DOCTYPE HTML PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN" "http://www.w3.org/TR/html4/transitional.dtd"> und sehen wir uns die einzelnen Elemente an.

  • Jede Dokumenttyp-Angabe beginnt mit einer spitzen öffnenden Klammer, einem Ausrufezeichen und dem Schlüsselwort DOCTYPE .
  • Darauf folgt der Name des Wurzelelementes - das heißt des Elementes, das alle anderen umschließt. Das Wurzelelement ist sowohl bei HTML als auch bei XHTML "html" selbst.
  • An der nächsten Stelle steht das Schlüsselwort PUBLIC bei öffentlichen Dokumenttyp-Definitionen.
  • Die nächste Angabe in Anführungszeichen ist eine eindeutige Kennzeichnung des Dokumenttyps, verrät uns darüber hinaus noch, dass diese Dokumenttyp-Definition vom W3C - dem WWW-Konsortium - stammt. Das Kürzel EN nennt Englisch als Sprache der Definition.
  • An letzter Stelle befindet sich in Anführungszeichen eine URL. Sie benennt den Speicherort dieser Dokumenttyp-Definition. Dort werden die möglichen Elemente mit den dazu gehörigen Attributen, die in den verschiedenen Sprachversionen erlaubt sind, genauer aufgelistet und beschrieben.

Welche Documenttype-Definition ist die richtige?
Grundsätzlich gibt es sowohl für HTML als auch bei dem Nachfolger XHTML jeweils drei mögliche Dokumenttyp-Definitionen: strict, transitional und frameset. Die Letztere kommt bei Frames zum Einsatz, strict und transitional unterscheiden sich darin, inwieweit die missbilligten (deprecated) Elemente und Attribute noch erlaubt sind. Bei strict dürfen sie nicht mehr verwendet werden, bei transitional sind sie noch geduldet. Als deprecated eingestuft sind vor allem HTML-Attribute, die der Formatierung dienen und durch CSS-Angaben ersetzt werden sollen.

Ein erstrebenswertes Ziel ist es sicher, Webseiten standardkonform und das heißt auch mit angegebener Dokumenttyp-Angabe zu erstellen, bereits bestehende für ältere Browserversionen konzipierte Seiten werden jedoch wahrscheinlich eher im Quirk-Modus wie gewünscht dargestellt werden.

Links

Ein einführender Artikel in die Thematik in der Zeitschrift IX online
Pinselführung von Michael Jendryschik

Übersicht über Quirk und Standardmodus der verschiedenen Browser bei Matthias Gutfeldt

Welche Dokumenttyp-Angabe ist die richtige?
selfhtml

Wie sind Doctype-Definitionen aufgebaut? Eine Einführung bei selfhtml

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Autorin
Florence Maurice
Kontakt: florence.maurice@
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