April 2005 > mehr wissen > Hilfe bei sprachlichen Zweifelsfällen
 
Hilfe bei sprachlichen Zweifelsfällen
Von Florence Maurice
 
Kann man eigentlich „die beigen Schuhe“ schreiben? Ist das korrekt? Und heißt es richtig: „Das ist genauer Betrachtung wert“ oder doch eher: „Das ist genaue Betrachtung wert“? Der die das Joghurt? Das Nutella oder die Nutella oder etwa der Nutella? Und schreibt man „wieder“ bei Verben getrennt oder zusammen? Wiederholen oder wieder holen? Und wo steht das Komma bei „je nachdem“, davor oder danach?

Wer mit Texten zu tun hat, steht immer wieder vor Fragen, die nicht so einfach zu beantworten sind, vor Zweifelsfällen, bei denen es häufig nicht nur um die grammatisch korrekte Form, sondern auch um die stilistisch gute Variante geht. Bei solchen Problemen bietet ein Buch hilfreiche Unterstützung: der Dudenband Richtiges und gutes Deutsch.

Dieses Nachschlagewerk bietet alphabetisch nach Stichwörtern angeordnet Hilfe bei sprachlichen Zweifelsfällen. Entstanden ist er - wie das Vorwort informiert – „aus der täglichen Arbeit der Dudenredaktion“. Neben der Stichwortliste sind rund hundert Themen längere mehrseitige Artikel gewidmet, beispielsweise Abkürzungen, Anglizismen, Farbadjektiven, dem Genitiv-s, der sprachlichen Gleichstellung von Frauen und Männern in der Sprache, der Political Correctness oder den Relativsätzen.

Am Anfang dieser ausführlicheren Artikel stehen meist Fragen, die an die Dudenredaktion gerichtet wurden, so z. B. beim Genitiv-s: „Heißt es des Überflusses oder des Überfluss, des Busches oder des Busch?“ Für die Antwort wird dann auf die entsprechenden Unterpunkte des Artikels verwiesen. In diesem Fall ist die Lösung einfach: Die Endung -es steht immer bei Substantiven, die auf Zischlaut -s, -sch etc. ausgehen. Also doch des Überflusses.

Sehr nützlich ist auch, dass manchmal Beispiele angegeben sind, wie man es eben genau nicht macht - denn oft können Negativbeispiele einen Sachverhalt besser verdeutlichen und erklären als viele Regeln. Abgesehen davon sind manche dieser falschen Verwendungen auch erheiternd, wie folgende Beispiele: „Er schrieb einen Brief an seinen Vater, der schon seit langem fällig war“. Stilistisch auch nicht gut: „Er sah eine riesige Welle, von der er verschlungen wurde, auf sich zukommen“. Ebenfalls dubios: „die Verdienste um den Wiederaufbau des Vorsitzenden“.

Zurück zu einigen der anfangs gestellten Fragen: Unter dem Stichwort „beige“ findet sich schon die Lösung und auch ein Verweis auf einen eigenen Artikel zum Thema „Farbbezeichnungen“. Beige ist eines der Farbadjektive, das aus einem Substantiv gebildet wurde, das aus einer anderen Sprache stammt, ebenso wie oliv, orange, lila oder rosa. Und bei allen gilt: keine Beugung. Zumindest nicht in der Standardsprache. Demnach korrekt wäre „die beige Schuhe“. Wer das vermeiden möchte, kann auch ein „-farbig“ oder „-farben“ ergänzen: „die beigefarbenen Schuhe“.

Und die Lösung bei „wert“? „Das ist genauer Betrachtung wert“ oder doch: „Das ist genaue Betrachtung wert“? Die Antwort steht unter dem Stichwort „wert“. An sich ist beides möglich - Genitiv und Akkusativ, jedoch gibt es einen Bedeutungsunterschied. Der Akkusativ steht, wenn es darum geht, dass etwas einen bestimmten Geldwert hat „Das Auto ist diesen Preis wert“. Der Genitiv hingegen, wenn „wert sein“ in der Bedeutung von „würdig sein“ gebraucht wird. Das heißt, hier wäre „Das ist genauer Betrachtung wert“ wohl korrekt. Klingt einleuchtend, aber hätten Sie es gewusst?

Auch auf das Geschlecht von Nutella geht Richtiges und gutes Deutsch ein: die Nutella, manchmal auch das Nutella, eher selten der Nutella. Alle diesbezüglichen Streitereien am Frühstückstisch werden also mit einem diplomatischen „Jeder hat Recht“ beigelegt.

Und für die Antworten auf die anderen Fragen gilt: am besten selber mal nachsehen! Der Dudenband ist eine unverzichtbare Unterstützung bei der praktischen Arbeit mit Texten, ein kompaktes Nachschlagewerk mit so aufschlussreichen und oft auch amüsant zu lesenden Informationen, dass man richtig ins Schmökern geraten kann ...

[Nur am Rande: Endlich hat die Autorin dieses Artikels auch einmal erfahren, wie ihr Name im Genitiv heißt. Genauso wie bei Anatole France wird einfach nur ein Apostroph angehängt.]

Details
Duden: Richtiges und gutes Deutsch. Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle.
Dudenverlag.
ISBN 3-411-04095-5.
EUR 21,95
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Autorin
Florence Maurice
Kontakt: florence.maurice @mediella.de