April 2004 > mehr verdienen > Headhunter
 
Headhunter – wie man die Jagdsaison für sich nutzen kann
Von Kira Song
 
Viele Managerinnen werden an einem Punkt ihrer Berufsentwicklung auf einen modernen Karriereweg stoßen: das Headhunting. Was vor einigen Jahren noch nur für das Top-Management üblich war, passiert heute auch ganz normalen Mitarbeitern in den darauf folgenden Managementebenen. Seit den fünfziger Jahren ist „Executive Search“, die professionelle Suche nach hochqualifizierten Mitarbeitern im Auftrag Dritter, in den USA verbreitet, seit den siebziger Jahren auch in Deutschland. Die Dienstleistung wird von Personalberatern angeboten, die hierfür verschiedene Instrumente einsetzen. Eines davon ist das so genannte „Headhunting“, und wird hierzulande oft auch „Direktansprache“ genannt. Mit Hilfe dieser Methode können Personalberater sehr gezielt nach Topkandidaten suchen und somit die Streuverluste im Gegensatz zur anzeigengestützten Suche sehr gering halten.

Headhunter sind mittlerweile in die Rolle des Beraters für die Managemententwicklung und für die Lösung von Managementproblemen in den Unternehmensleitungen hineingewachsen und zum wichtigsten Medium für Karriereentwicklungen im Management geworden: Unternehmen brauchen den Headhunter zur Beratung und zur Suche des geeignetsten Kandidaten. Die Kandidatinnen und Kandidaten nutzen den Headhunter, um das passende Unternehmen zu finden bzw. um sich beruflich weiterzuentwickeln. Viele Schlüsselpositionen werden heute über Personalberatungen besetzt. Doch wie kann man als Kandidatin Personalberater effektiv für sich nutzen? Was sind die Dos und Don’ts im Umgang mit Personalberatern? Wie mache ich Personalberater auf mich aufmerksam? Folgende Ausführungen sollen eine kleine Orientierungshilfe bieten:

Stellen wir uns zunächst einmal Szenario 1 vor:
Das Telefon klingelt. Am Apparat: Ein Headhunter! Was tun? Zunächst einmal heißt es ruhig Blut und keine Panik! Das Interesse von Personalberatern an der eigenen Person kann die große Chance für den Karrieresprung sein. Normalerweise werden Sie zuerst gefragt, ob Sie frei sprechen können und Zeit haben. Falls dies nicht der Fall ist, können Sie das Telefonat auf einen späteren Zeitpunkt verlegen. Headhunter sind in der Regel flexibel und rufen Sie auch in den Abendstunden nach Ihrer regulären Dienstzeit an. Wichtigstes Kriterium: Freundlichkeit und Authentizität. Wer beim Headhunter eine Show abziehen will und erzählt, wie toll man doch ist, hat schnell verloren. Überheblichkeit und die sofortige Frage nach „der Kohle“ sind nur einige Fauxpas im Umgang mit Headhuntern.

In aller Regel werden vom Personalberater Notizen über den ersten Eindruck der Kandidaten am Telefon gemacht. Chancen auf einen sofortigen oder langfristigen Kontakt können hier leichtfertig verspielt werden! Man bedenke: Der Personalberater ist immer bedacht, die beste Kandidatin für seine Kunden zu bekommen. Neben dem rein fachlichen Know-how kommt es hierbei in hohem Maße auf die Persönlichkeit der jeweiligen Kandidatin an. Im persönlichen Gespräch mit dem Personalberater kommt es neben der Persönlichkeit auch auf das äußere Erscheinungsbild an: Kommen Sie nicht im Freizeit-Look, bloß weil dieses Vorstellungsgespräch noch nicht im Unternehmen selbst stattfindet. Erscheinen Sie im Business-Look.

Doch was tun, wenn Szenario 2 in Kraft tritt, wenn der berühmt-berüchtigte Anruf des Headhunters nicht erfolgt? Hier gilt in erster Linie:
Jede aktive Handlung ist besser als das passive Reagieren auf Anzeigen. Viele Jobs auf bestimmten Ebenen stehen selten in den Stellenanzeigen. Um auf den „Radarschirm“ des Headhunters zu kommen gibt es mehrere Methoden. Eine davon ist das gezielte Platzieren seines Profils in einschlägigen Online-Stellenbörsen. Die direkteste Methode (neben dem persönlichen Kontakt), um mit dem Headhunter in Kontakt zu treten, ist die Initiativbewerbung an ausgesuchte Personalberatungen.

Doch Vorsicht: In der feinen Beraterzunft tummeln sich auch schwarze Schafe. Nur, wie kann man als Jobsuchender erkennen, wer seriös arbeitet und wer nicht? Erstes Warnsignal kann eine fehlende Eingangsbestätigung der zugesandten Unterlagen sein. Dies gilt sowohl für Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen, als auch für initiativ eingesendete Mappen. Des weiteren sollte ein persönliches Gespräch von Berater zu Bewerber vor dem Kontakt mit den jeweiligen Kunden geführt werden. Erst nach der ausdrücklichen Zustimmung des Kandidaten dürfen vom Personalberater Unterlagen an Kunden weitergegeben werden. Werden Unterlagen ohne Wissen des Kandidaten weitergeben, besteht die Gefahr, dass sie an dessen derzeitigen Arbeitgeber geraten. Entgegen vieler Veröffentlichungen über Personalberatungen ist eine Mitgliedschaft der Beratung in bestimmten Verbänden nicht unbedingt ein Gütesiegel. Auch sind große Personalberatungen nicht automatisch mit Qualität gleichzusetzen. Personalberatung ist vor allem „People Business“. Eines der wichtigsten Indizien für eine seriöse Personalberatung ist schlussendlich, auf welche Art und Weise mit den Kandidaten kommuniziert wird. Hier stellt sich die Frage: Fühle ich mich gut und verantwortungsvoll betreut?

Wie erfolgreich Initiativbewerbungen letztlich sind, lässt sich nur schwer schätzen. So kann es für den Personalberater ein paar Monate, manchmal zwei Jahre dauern, bis in einem bestimmten Segment wieder eine Stelle zu besetzen ist. In erster Linie arbeitet der Headhunter im Auftrag des Klienten, nicht der Suchenden. Die Zusammenarbeit mit einem Headhunter muss also immer mittel- bis langfristig betrachtet werden.

Literatur
Rolf Dahlems, Klaus Leciejewski:
Mit Headhuntern Karriere machen
(Wie macht man einen Headhunter auf sich aufmerksam? Welches Verhalten wird erwartet? So verhandeln Sie vorteilhaft!)
Walhalla Fachverlag 1998
ISBN: 3-802-94530-1
EUR 12,-

Jürgen Hesse, Hans Chr. Schrader:
Headhunter & Co.
(Wie Sie mit Personalvermittlern den Karrieresprung schaffen)
Eichborn 2002
ISBN: 3-821-83825-6
EUR 19,90
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Autorin
Kira Song
Kontakt: kira.song@
mediella.de