April 2004 > mehr wissen > Verlagssuche
 
Auf der Suche nach dem passenden Verlag
Von Claudia Mair
 
Wie in vielen anderen Bereichen auch, übersteigt das Angebot an Sachbüchern bei weitem die Nachfrage und um überhaupt eine Chance auf eine Veröffentlichung zu haben, sollte man einiges beachten, nämlich die Qualität des angebotenen Manuskripts bzw. Konzepts, die Konkurrenzsituation auf dem Buchmarkt und die nötige Sorgfalt bei Verlagswahl und Kontaktaufnahme.

Es versteht sich von selbst, dass das Manuskript eine bestimmte Qualität haben sollte. Um Erfolg zu haben muss es ein interessantes, aktuelles Thema behandeln, ein schlüssiges Konzept aufweisen und natürlich sollte es auch gut geschrieben sein. Das Thema „Schreiben“ ist ein weites Feld und würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Was Aktualität des Themas und mögliche Zielgruppen anbelangt, so kann man seine Lieblingsbuchhändlerin zu Rate ziehen, die einem auch gleich dabei helfen kann, sich einen Überblick über den Buchmarkt und die Konkurrenz zu verschaffen. Einen solchen Überblick ermöglicht auch das Internet (Verzeichnis lieferbarer Bücher, Libri, Amazon). Gibt es bereits Bücher zu dem betreffenden Thema? Wenn ja: Sind es viele? Sind sie aktuell? Wie sind sie aufgebaut und gestaltet? Und vor allem: Inwiefern hebt sich meine Art der Darstellung von den anderen in positiver oder origineller Weise ab? Sollte die Konkurrenz sowohl in quantitativer als auch qualitativer Hinsicht überwältigend sein, ist es angeraten, das Projekt entweder fallen zu lassen oder Herangehensweise und Konzept zu ändern.

Im Rahmen der Marktanalyse sollte man sich auch gleich geeignete Verlage notieren. Auf keinen Fall sollte man sein Manuskript wahllos verschicken. Es macht z.B. keinen Sinn, einen Kinderbuchverlag mit einem Werk über Zehengymnastik für erfolgreiche Manager zu belästigen. Man sollte sich außerdem vor den Druckkostenzuschussverlagen hüten, die einem nicht nur teuer zu stehen kommen, sondern auch keine allzu gute Referenz darstellen. Hilfreich bei der Verlagssuche sind Verzeichnisse wie z.B. „Der Banger“, das „Adressbuch für den deutschsprachigen Buchhandel“ oder die Internetseite www.buchmesse.de. Auch das „Deutsche Jahrbuch für Autorinnen & Autoren“ ist empfehlenswert. Neben ausgewählten Verlagsadressen finden sich darin auch noch andere Tipps und Hinweise.

Sylvia Englert weist in ihrem Buch „So finden Sie einen Verlag für Ihr Manuskript“ darauf hin, dass man beim Anbieten seines Manuskriptes vorgehen sollte wie bei einer guten Bewerbung. Und dazu gehört zunächst einmal, sich genauer über die jeweiligen Verlage zu informieren. Man kann sich dazu die Programmvorschauen von den Verlagen zuschicken lassen oder im Internet recherchieren. Die meisten Verlag besitzen eine Internetseite, die manchmal auch Auskunft darüber gibt, ob Angebote per E-Mail erwünscht sind, ob Rückporto verlangt wird u.Ä.

Hat man sich die Informationen besorgt, stellt sich die Frage, wie man am geschicktesten den Kontakt zum Verlag herstellt. Glücklich diejenigen, die bereits etwas veröffentlicht haben z. B. in Zeitschriften, oder sich anderweitig bereits einen Namen gemacht haben (Seminare etc.), sie werden es bedeutend leichter haben. Die anderen sollten sich überlegen, ob sie jemanden aus dem Verlagswesen kennen, der ihr Manuskript zur Begutachtung empfehlen könnte. Ist dies nicht der Fall, so wird man das Manuskript unverlangt einsenden, es sei denn, es gelingt einem, der Lektorin in einem Telefongespräch vorab den Mund wässrig zu machen.
Ganz kurz zum Telefonieren: Manche der arbeitsüberlasteten Lektorinnen wird man telefonisch gar nicht erreichen. Wenn es jedoch gelingt und man hat die Lektorin an der Strippe, dann bitte kurz fassen! Wer ganze Romane am Telefon erzählt, macht sich nur unbeliebt.

Für unverlangt eingesandte Manuskripte gilt grundsätzlich: Rückporto beilegen. Bei Sachbüchern ist es empfehlenswert, den Verlagen nicht ein bereits fertiggestelltes Manuskript zukommen zu lassen, sondern ein Konzept, ein Exposé mit Marktanalyse und ein oder zwei Probekapitel, die einen Eindruck vom Schreibstil vermitteln. Auf diese Weise können die Wünsche und Vorstellungen des Verlags noch in das Manuskript mit einfließen. Dazu kommen noch Informationen über die Autorin, auch Biobibliographie genannt. Sie umfasst Lebenslauf und Veröffentlichungen. Sollten keine oder nur sehr wenige Veröffentlichungen existieren, kann man die Kurzvita auch ins Anschreiben packen.

Das Anschreiben vermittelt einen ersten Eindruck und ist deshalb sehr wichtig. Bitte nicht das Anschreiben länger gestalten als das Probekapitel! Auch die Begeisterung über das eigene Genie sollte eher verhalten geäußert werden, am besten gar nicht. Lektoren ziehen es im Allgemeinen vor, sich selbst eine Meinung zu bilden. Sollte es nötig sein, das zu entstehende Buch in einem mehrseitigen Anschreiben zu rechtfertigen, dann schicken Sie es gar nicht erst ab. In einem Anschreiben sollte stehen, dass man sein Manuskript anbieten möchte, warum man es gerade diesem Verlag anbietet und schließlich, dass man sich über einen baldigen Bescheid freuen würde.
Wenn man drei Tage nach Verschicken des Manuskripts noch nichts vom Verlag gehört hat, besteht noch kein Grund zur Besorgnis und auch kein Grund, zum Telefon zu greifen. Wie schon mehrmals betont, sind Lektoren schwer beschäftigte Leute, die zu viele Anrufe eifriger Autoren nur bedingt verkraften. Nach zwei bis drei Monaten darf allerdings ruhig mal nachgefragt werden. Bis dahin ist das Manuskript bzw. die Leseprobe unter Umständen vom Grund des zu bearbeitenden Manuskriptberges nach oben gewandert und hat vielleicht sogar schon den Gipfel erreicht – oder es ist bereits in einem der mysteriösen schwarzen Verlagslöcher verschwunden.

Literaturtipps

Sylvia Englert: So finden Sie einen Verlag für Ihr Manuskript. Campus Verlag 2003.
ISBN 3-5933-7220-7
EUR 15,90
Direkt bei libri.de bestellen

Deutsches Jahrbuch für Autoren und Autorinnen 2005/2006. Autorenhaus Verlag 2005.
ISBN 3-932909-33-X
EUR 26,80
Direkt bei libri.de bestellen

Links und Quellen

www.buchmesse.de
www.amazon.de
www.buchhandel.de

Zum Thema
"Die Form des Manuskripts." Von Claudia Mair in mediella 06.04

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Autorin
Claudia Mair gönnte sich nach einer ungeliebten Ausbildung den Zweiten Bildungsweg und danach ihr Traumstudium (Literatur), das sie nach Bayreuth, Berlin und Lyon führte. Momentan testet sie München auf seine Eignung als Wohnsitz und versucht, in die Geheimnisse des Verlagswesens einzudringen.
Neben dem Schreiben widmet sie sich ihrer zweiten Leidenschaft, dem T'ai Chi Ch'uan.
Kontakt: ClaudiaMair@web.de