April 2003 > weniger arbeiten > Münchner Literaturzeitschriften
 
Literaturzeitschriften - Abenteuerspielplätze für Literaturbegeisterte
Von Claudia Mair
 
Vom schwarz-weiß gehaltenen Cover starrt mir ein seltsames Wesen mit Glupschaugen entgegen und gibt mir schon eine Ahnung dessen, was mich erwartet. Ich schlage das Heft Nr. 8 der Münchner Literaturzeitschrift außer.dem auf und befinde mich in einer anderen Welt. Mein Verstand schlängelt sich vorbei an mitunter etwas quälend anmutenden Wortkombinationen, die den Ehrgeiz einer Sinngebung nicht zu kennen scheinen. Meine Phantasie bleibt an Texten hängen, die - wie z.B. hypoallergen von Maria Voigt - in faszinierender Abgehobenheit das Wesen des ganz normalen Wahnsinns unserer Zeit einfangen. Als ich das Heft wieder zuschlage ist mein Geist etwas strapaziert, aber - oder vielleicht gerade deswegen - in sehr angeregter Verfassung.

Kein Zweifel, "außer.dem" hat sich dem Experiment verschrieben und schickt Texte in die Welt hinaus, die in progressiver Weise über die Ränder gängiger Literaturschemata hinausschwappen und damit eine prickelnde Herausforderung für Literaturliebhaberinnen darstellen. Die ästhetisch gelungene, auf manchen Seiten allerdings etwas düster wirkende typographische Gestaltung bringt den Inhalt auf adäquate Weise bildhaft zum Ausdruck.

Ebenfalls sehr ansprechend gestaltet ist die Internetseite der Zeitschrift, www.ausserdem.de , auf der man Textproben und Termin-Infos findet und direkt per E-Mail bestellen kann. "Außer.dem" kann auch über das Münchner Literaturbüro, per Handverkauf bei Münchner Literaturveranstaltungen und in Kneipen zum Preis von EUR 3,50 bezogen werden.

Wem "außer.dem" zu experimentell ist, dem sei die Neue Sirene empfohlen, eine international und mehrsprachig ausgerichtete Literaturzeitschrift, die bereits zu den etablierteren gehört, wie sich schon an Umfang und Preis ablesen lässt und an einer Unmenge positiver Pressestimmen, die auf der Internetseite www.neuesirene.de nachgelesen werden können.

Es finden sich auch hier Leseproben einzelner Texte und Gedichte samt AutorInnenphotos. Der akademisch durchseuchte Redaktionsbeirat bemüht sich erfolgreich um eine "pointiert repräsentative Bandbreite" und kennt auch keine Berührungsängste mit Genres wie Science Fiction. Wirklich Niveauloses wird man in dieser Zeitschrift kaum finden. Bestellung der "Neuen Sirene" ist möglich per E-Mail (siehe Internetseite), per Buchhandel (ISSN 0945-9995) oder über die Redaktionsadresse. "Neue Sirene" erscheint halbjährlich und kostet ab Heft 10 EUR 12,- (Heft 1-9: EUR 9,-).

Während "außer.dem" und "Neue Sirene" in Heftform erscheinen und ihre Internetportale nur einen zusätzlichen Service darstellen, ist "cet" eine reine Internet-Zeitschrift, die ebenfalls halbjährlich erscheint. Die Seiten der "cet" unter www.cet-literatur.de sind farblich sehr angenehm gestaltet und die Texte werden begleitet von teilweise ausnehmend schönen Bildern (Fotos und Gemälden).

Prosa und Lyrik bewegen sich zwischen den Polen experimentell und konventionell, ohne die Grenzen ins Anstrengende oder Langweilende zu übertreten. "cet" eignet sich wunderbar für Pausen während der Arbeit am Computer, in denen sich das schweißtriefende Hirn beim Lesegenuss erholen kann. Warum also nicht mal ein mentaler Wellness-Quickie in Form eines Gedichtes?

Wer sich für Literaturzeitschriften interessiert, dem seien auch die Seiten des Uschtrin-Verlages empfohlen, www.uschtrin.de, auf denen sich eine lange Liste deutscher Literaturzeitschriften findet.
Allerdings verstecken sich darunter immer auch Karteileichen, denn die Lebenszeit von Literaturzeitschriften, insbesondere von kleineren, ist nicht sehr lang. Im Schnitt überleben sie vier Jahre dank der unbezahlbaren und auch unbezahlten Begeisterung ihrer MacherInnen, die sich irgendwann erschöpft oder im Zeitmangel untergeht. Man sollte also mit der Bestellung einer Literaturzeitschrift nicht zu lange warten ...
 

Links
außer.dem:
www.ausserdem.de
Neue Sirene:
www.neuesirene.de
cet:
www.cet-literatur.de
Uschtrin-Verlag: www.uschtrin.de
Adressen

Münchner Literaturbüro:
Milchstr. 3
81667 München
Tel.: 089.488419
E-Mail: post@muenchner- literaturbuero.de

Claudia Mair
Claudia Mair gönnte sich nach einer ungeliebten Ausbildung den Zweiten Bildungsweg und danach ihr Traumstudium (Literatur), das sie nach Bayreuth, Berlin und Lyon führte. In Berlin hängen geblieben hat sie gerade ihr Studium abgeschlossen und widmet sich neben dem Schreiben ihrer zweiten Leidenschaft, dem T'ai Chi Ch'uan.
Kontakt: ClaudiaMair@web.de