April 2003 > mehr verdienen > Job finden
 
Wie finde ich den Job, der zu mir passt?
Von Silke Robeller
 
Wer eine passende Stelle finden will, muss sich ein paar Fragen stellen.
Die schwierigste Frage ist die nach den eigenen Fähigkeiten. Kaum jemand von uns setzt sich gerne mit sich selbst auseinander. Bitten Sie beispielweise eine Freundin, spontan ihre Fähigkeiten aufzuzählen, wird sie im Normalfall sprachlos dastehen, weil sie sich ihrer nicht bewusst ist.

Nehmen Sie sich ein Blatt Papier und machen Sie sich Notizen. Fangen Sie nicht mit Ihren beruflichen Fähigkeiten an, sondern denken Sie an Ihre "übertragbaren" Fähigkeiten wie organisieren, analysieren, zusammenfassen, motivieren, mit Menschen umgehen etc.
Machen Sie dann weiter mit Fertigkeiten, für die Sie von anderen gelobt werden: sorgfältige Aktenführung oder kühler Kopf in Stresssituationen. Überlegen Sie, mit welchen Computerprogrammen, Projektmanagement-Methoden etc. Sie schon gearbeitet haben; auf welchen Schulungen Sie waren.

Priorisieren Sie alle Fähigkeiten dahingehend, dass sie die am höchsten bewerten, die Sie am meisten ansprechen.

Machen Sie sich dann Gedanken darüber, wo Sie beruflich hin wollen. Ist Ihre nächste Stufe auf der Führungsebene angesiedelt oder möchten Sie eine Fachkarriere einschlagen und was fehlt Ihnen noch dazu? Ist es eher Berufspraxis oder sollten Sie ein Fachseminar besuchen? Möchten Sie eher mit Menschen oder mit Gegenständen oder mit Daten arbeiten? Stellen Sie sich vor, Sie bekommen einen Lottogewinn, aber nur unter der Bedingung, dass sie einen halben Tag in Ihrer Lieblingsbeschäftigung arbeiten: Was würden Sie am liebsten tun?

Überlegen Sie, welche Branche Sie anspricht oder wo man Ihre Fähigkeiten gebrauchen kann. Sind Sie Modedesignerin, so wird es Sie wohl kaum in die metallverarbeitende Branche ziehen, außer vielleicht als "Sitzbezug-Designerin" bei BMW. Sind Sie als Personalfachfrau tätig, so sind Sie bei den Branchen nicht limitiert. Haben Sie ein sehr spezialisiertes Know-How in einer Branche (z.B. Autoindustrie), so sind Sie relativ gebunden an Automobil-Unternehmen bzw. Zulieferer.

Sobald Sie diesen Part haben, machen Sie sich Gedanken über die Unternehmen dieser Branche. Es stellt sich die Frage, ob Sie eher in einem Großkonzern, beim Mittelstand oder in einem kleinen Unternehmen arbeiten wollen.

Der Vorteil bei einem kleineren Unternehmen kann sein, dass man mehr Einblick in andere Abteilungen bekommt und sehr nah an der Strategie des Unternehmens ist. Bei einem Großkonzern kann es sein, dass Sie ein sehr spezialisiertes Wissen erlangen und eher in andere Filialen oder Firmendependancen (weltweit) reinschnuppern können. Außerdem bestehen eher Möglichkeiten, in der Hierarchie weiter zu kommen.

Der weitaus schwierigere Teil ist: Wie finden Sie deutschlandweit diese Unternehmen heraus? Z.B. über Hoppenstedt (Verlag für "Handbuch der Großunternehmen"," Adressbuch Wirtschaft" bis zu "Banken-Jahrbuch") oder über "Wer liefert was" (sechsbändige Buchreihe, auch über Internet einsehbar).

Danach geht es leichter. Fast jedes Unternehmen ist heute im Internet vertreten. Meist auch mit einem Part über das Personalwesen. Dort können Sie direkt Einblick nehmen, ob offene Stellen für Ihr Profil da sind, oder ob es Möglichkeiten gibt, mit Ihren Fähigkeiten vielleicht als Quereinsteiger reinzukommen.

Was tun Sie, wenn Ihre Wunschunternehmen keine entsprechenden Stellen ausgeschrieben haben? Machen Sie die Internetseite wieder zu oder probieren Sie es weiter? Ja genau, Sie probieren es weiter.

Aus dem Grund, dass nicht alle freien Stellen in einem Unternehmen öffentlich ausgeschrieben sind. Vielleicht gibt es erst eine interne Ausschreibung oder es wird versucht, aus bereits vorhandenen und archivierten Bewerbungen die Stelle zu besetzen (Kostengründe). Nur etwa 35% der Stellen werden über öffentliche Ausschreibungen (z.B. Zeitungsinserat) besetzt.

Wie kommen Sie dann an die Infos über freie Stellen? Über mehrere Wege. Sie können sich direkt telefonisch an die Personalabteilung wenden und nachfragen, oder Sie versuchen sich im Unternehmen zu dem entsprechenden Abteilungsleiter (Marketing, Forschung etc.) durchstellen zu lassen und fragen ihn direkt. Der Vorteil dafür ist, dass dieser schon über Stellen weiß, die geplant aber noch nicht der Personalabteilung gemeldet sind.

Welche beruflichen und privaten Kontakte haben Sie, die Ihnen bei der Karriereplanung helfen können? Kennen Sie vielleicht jemanden aus Ihrem beruflichen oder privatem Umfeld, der in diesem Unternehmen arbeitet (vielleicht der nette junge Mann aus dem Volleyball-Club)? Sprechen Sie denjenigen ruhig an und fragen Sie nach dem Arbeitsklima und nach allem, was Sie interessiert und bitten Sie ihn, eine Empfehlung für Sie abzugeben oder auszusprechen und Ihnen den Weg zu ebnen. Persönliche Empfehlungen sind oft der Einsteig zu einem Termin. Sollte in dem Unternehmen NOCH keine entsprechende Stelle zu vergeben sein, so erkundigen Sie sich, ob es Sinn macht, Ihren Lebenslauf zu hinterlassen für eine eventuell spätere Ausschreibung.

Jetzt bleibt mir nur noch, Ihnen viel Erfolg zu wünschen!
 

Autorin

Silke Robeller ist Wirtschaftsinformatikerin und arbeitet als Leiterin eines Kundenservice-Centers für Deutschland und Frankreich. In dieser Funktion ist sie auch für die berufliche Weiterentwicklung ihrer Mitarbeiter/innen verantwortlich.
Ihr Steckenpferd sind Kommunikationstrainings, speziell im Call Center-Bereich, sowie Software-Trainings.
Kontakt: S_Robeller@hotmail.com

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Interview mit Personalplanerin, mediella November 2002

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