April 2003 > mehr können > mentorING
 
Projekt mentorING - Schubkraft für den Karrierestart
Im Mai geht es los.
Interview vom 20. März 2003 mit Ulla Weber
Von Regina Kogler
 
mediella: Am Frauenbüro der TU München betreuen Sie als Koordinatorin das Projekt mentorING. Im Mai ist Premiere für Modul 3, in dem berufserfahrene Mentorinnen und Mentoren junge Ingenieurinnen und Informatikerinnen ein Jahr lang auf ihrem Karriereweg begleiten.
Was wollen Sie mit diesem Projekt erreichen? Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Ulla Weber: Im dritten Modul von mentorING, für Berufsanfängerinnen, geht es darum, dass die Frauen bei Berufs- und Karrierefragen unterstützt werden. Gerade in den ersten Jahren orientieren sich viele wieder um, weg von den technischen Stellen. Da wollen wir gegensteuern.
Insgesamt geht es im Projekt mentorING darum, den Frauenanteil in den technischen Bereichen zu erhöhen.

mediella: Wie sieht das Mentoring-Programm für Berufsanfängerinnen im Detail aus? Wie oft treffen sich Mentorin und Mentee?

Ulla Weber: Alle Module von mentorING, egal ob für Schülerinnen, Studentinnen oder Berufsanfängerinnen, sind im Prinzip gleich aufgebaut.
Jedes Mentoring dauert 12 Monate. In diesem Zeitraum treffen sich Mentee und Mentorin oder Mentor etwa einmal pro Monat; zumindest ist das unser Vorschlag.

In der Einführungsveranstaltung informieren wir alle Beteiligten über ihre Rolle als Mentee, Mentorin oder Mentor und darüber, wie das Mentoring gestaltet werden kann. Über Inhalt und Form der Mentoringbeziehung entscheidet das Tandem, wie wir das Paar auch nennen, letztlich selbst.

Nach einem halben Jahr können in einer Feedbackrunde Erfahrungen und Anregungen für die zweite Halbzeit ausgetauscht werden. Am Ende des Mentoring-Jahres ziehen wir gemeinsam Bilanz. Was hat das Jahr gebracht? War es erfolgreich? Welche Erfahrungen und Erkenntnisse können für die Zukunft genutzt werden?

Zusätzlich bieten wir für Mentees nach etwa zwei Monaten und noch einmal nach rund acht Monaten eine Supervision an. Die Mentees sind unter sich und sprechen über ihre Erfahrungen im Unternehmen und über ihre Beziehung zum Mentor. Sie lernen hier auch Feedback zu geben. Wenn Probleme auftauchen, können sich die Frauen unabhängig davon jederzeit an mich wenden.

Als freiwilliges Zusatzprogramm gibt es noch ein Gendertraining, Training für einen partnerschaftlichen Dialog. Von allen Teilnehmern im letzten Jahr, auch von unseren männlichen Mentoren, wurde dieses gut angenommen.

Ganz entscheidend für einen zufriedenstellenden Verlauf ist die Tandem-Bildung am Anfang. Wir haben dazu detaillierte Fragebögen entwickelt, um die passenden Partner zusammenbringen zu können.
Die Suche und Auswahl einer geeigneten Mentorin oder eines Mentors für die Bewerberin übernimmt dabei die Personalabteilung des Unternehmens, in dem sie arbeitet.
Uns ist es sehr wichtig, dass das Programm über die Personalabteilungen läuft. Das Instrument Mentoring soll hier verankert sein oder verankert werden. Die Verbindung zwischen TU München und den Unternehmen über diese personenunabhängige Stelle garantiert eine Kontinuität in der Zusammenarbeit.

mediella: Welche Rolle haben Sie als Koordinierungsstelle?

Ulla Weber: Der Schwerpunkt meiner Tätigkeit liegt an der Hochschule selbst: Ich suche die passenden Mentees. Außerdem organisiere ich Informationsveranstaltungen und die gemeinsamen Mentoringveranstaltungen. Ich bin direkte Ansprechpartnerin für die Bewerberinnen und Mentees.

mediella: Wer kann sich bei Ihnen bewerben? Welche Voraussetzungen müssen zukünftige Mentees mitbringen? Haben nur sogenannte "High-Potentials" eine Chance?

Ulla Weber:

  • Die Bewerberin, mit abgeschlossenem Studium in den Bereichen Informatik, Elektrotechnik oder Maschinenwesen, sollte Berufsanfängerin sein und nicht länger als zwei Jahre nach ihrem Diplom in einem Unternehmen arbeiten.
  • Sie muss aber nicht an der TU München studiert haben.
  • Auch Abschlussnoten spielen keine Rolle. Wichtig ist uns vielmehr Engagement und Liebe zum Beruf.
  • Viel Wert wird von Seiten der Unternehmen auf die passende Fachrichtung gelegt. Im letzten Jahr hatten wir beim Studentinnen-Programm zum Beispiel zu wenig Energiewirtschaftlerinnen auf der Mentee-Seite.
    Die Erfahrung zeigt aber, dass die exakte fachliche Übereinstimmung von Mentee und Mentorin für den Erfolg einer Tandembeziehung gar nicht entscheidend ist.
  • In jedem beruflichen Mentoringprogramm sollte gewährleistet sein, dass Mentoren nicht direkte Vorgesetzte sind. In kleineren Unternehmen kann das ein Problem darstellen. Wenn wir aber eine passende Mentorin aus einem anderen Unternehmen finden, kann auch eine Bewerberin aus einem kleinen Unternehmen teilnehmen.

mediella: Das Mentoring-Programm für Berufsanfängerinnen startet im Mai. Sind noch Plätze frei?

Ulla Weber:Wir haben uns noch nicht entschieden, wer für den neuen Start im Mai bei welchem Modul mitmacht, wer Mentorinnen und Mentoren stellt. Maximal werden es 16 Tandems sein. Interessentinnen können sich noch bis Ende April bei mir melden.

mediella: Ist Mentoring nur eine Modeerscheinung? Oder sehen Sie Chancen, dass sich Mentoring als Instrument der Frauenförderung dauerhaft etabliert?

Ulla Weber: Mentoring für Frauen wird als Förder- und Nachwuchsakquise Bestand haben. Mentoring passt unheimlich gut in den heutigen Zeitgeist, weil es leistungsbetont ist. Außerdem wird Nachwuchsförderung immer ein Thema sein. Unabhängig von der Konjunktur.

mediella: Herzlichen Dank für das Gespräch.
 

Dr. Ulla Weber
arbeitet als Koordinatorin des Projektes mentorING im Frauenbüro der TU München.
2001 dissertierte sie zum Thema "Qualifizierung als Strategie zur Stärkung der politischen Macht von Frauen".

Kontakt: Dr. Ulla Weber
mentorING
"Mentoring für Schülerinnen, Studentinnen und Berufsanfängerinnen in Naturwissenschaft und Technik"
Ziel: Erhöhung des Frauenanteils in technisch- naturwissenschaftlichen Studiengängen / Berufsfeldern
Laufzeit: 01.01.2002 bis 31.12.2004
Bereich: Raum München
Mentoring-Module:
Modul 1 (Start Mai 2002):
Studentinnen nach dem Vordiplom
Modul 2 (Start Oktober 2002):
Schülerinnen 11. Klasse Gymnasium
Modul 3 (Start Mai 2003):
Berufsanfängerinnen
Dauer der einzelnen Mentoringprogramme:
jeweils 1 Jahr
Finanzierung: 45% Europäischer Sozialfonds, 45% Freistaat Bayern, 10% Hochschulwissenschafts- programm
Kooperationspartner: imento
Termine für Berufsanfängerinnen:
Bewerbung: bis 30. April 2003
Mentoring-Start: 22. Mai 2003
Termine für Studentinnen:
Bewerbung: bis 30. April 2003
Mentoring-Start: Mai 2003
Linktipp:
Business-Netzwerke helfen überleben und bringen weiter 09.2002
Autorin/Interview
Regina Kogler
Kontakt: regina.kogler@ mediella.de