März 2004 > weniger arbeiten > Trachtenvogl
 
Im Paradies der heißen Schokolade
Von Claudia Mair
 
Ärger gehabt im Büro? - mit zickigen Kunden? - mit dem Liebsten? Oder einfach mal das Bedürfnis, sich zu entspannen, sich zu verwöhnen? In solchen Fällen empfehle ich eine heiße Schokolade im Trachtenvogl. Schon wenn man dieses Café betritt und über die kleine Treppe in den hinteren Raum geht, beginnt man, sich zu entspannen.
Die angenehme Atmosphäre des Cafés wird beherrscht vom zarten Grün der Wände. Alles ist hier von einer dezenten, leicht skurrilen Gemütlichkeit: die selbstbewussten Gummibäume, der olle Fernseher, von dem keiner weiß, ob er überhaupt noch funktioniert, die kleinen Kuckucksuhren an der Wand, die höflich schweigen und die Gemälde mit röhrenden Hirschen und dergleichen, die in diesem Ambiente tatsächlich so etwas wie eine schlichte Würde ausstrahlen.

Ich mache es mir auf einem der Sofas bequem und studiere wieder einmal die Karte mit dem großen Angebot an heißer Schokolade - 30 verschiedene Sorten! Darunter Orangen-Zimt-Schokolade, Kokosnussschokolade, Kaffeeschokolade und Waldbeercrème. Ich beschließe, heute einmal nicht meine heißgeliebte extra-bittere Schokolade zu nehmen und schwanke nun zwischen Coatl, der originalen Azteken-Schokolade und der Chocolat de Mme de Mont-Cléry. Abenteuerlustig entscheiden sich meine Geschmacksnerven für die pure Exotik, also für Coatl, die Azteken-Schokolade, "bestehend aus duftendem Kakao, pikanten Chillies, Muskatnuß, Gewürznelken und Ingwer, aber auch aus Erdnüssen und duftenden Zitronen. Intrigantes, mysteriöses, sinnliches Getränk, Wahrer der verborgensten Geheimnisse der verlorengegangenen Welten ..." Aha. - Und sie schmeckt wirklich intrigant gut, diese süß-würzige, herrlich sämige Schokolade.
Später kommt meine Freundin und lässt mich von ihrer Chocolat de Mme de Mont-Cléry probieren, die nach einem Rezept jener Madame aus dem 17. Jahrhundert gemacht ist und dank Vanille, Jasmin, Hibiskus und Rosenblütenblättern einfach berückend duftet und dementsprechend mundet.

Auch wer keine Schokolade mag und lieber ein Bierchen zischt oder eine Tasse Tee schlürft (11 Sorten), ist im Trachtenvogl gut aufgehoben. Zu essen gibt es Frühstück, Sandwiches (z.B. Tomate und Obazda), eine Tagessuppe und natürlich Kuchen. Gesundheitsbewusste halten sich an Kefir, Kombucha oder Gingko.

Aber auch wir Schokoladentrinkerinnen haben etwas für Gesundheit und seelisches Wohlbefinden getan, denn nach Aussage der Schoko-Karte ist Kakao außerordentlich gesund: "Tonisch, antidepressiv, antistress, stimulierend, gefäßerweiternd, herzstärkend, diuretisch und sogar außergewöhnlich aphrodisisch."
Na also! Wer sagt's denn. Vielleicht könnte man ja die Krankenkassen dazu animieren, zukünftig Heiße-Schokolade-Kuren im Trachtenvogl zu finanzieren. EUR 3,40 pro heißer Schokolade - für eine Gaumen-Luxus-Kur doch gar nicht so teuer, oder?
 

Details
»   Anschrift
Café-Lounge Trachtenvogl
Reichenbachstr. 47
80469 München
www.trachtenvogl.de
 
» Öffnungszeiten
Di.-Fr. 10:00-01:00,
Mo. Ruhetag
 
» MVV/MVG
U-Bahn Linien 1/2, Tram Linie 27: Fraunhofer Str.
Autorin
Claudia Mair gönnte sich nach einer ungeliebten Ausbildung den Zweiten Bildungsweg und danach ihr Traumstudium (Literatur), das sie nach Bayreuth, Berlin und Lyon führte. Momentan testet sie München auf seine Eignung als Wohnsitz und versucht, in die Geheimnisse des Verlagswesens einzudringen.
Neben dem Schreiben widmet sie sich ihrer zweiten Leidenschaft, dem T'ai Chi Ch'uan.
Kontakt: ClaudiaMair@web.de