März 2004 > mehr wissen > Auf Barrierefreiheit prüfen
 
Die Verwendung von Online-Checktools zum Test auf Barrierefreiheit
Von Florence Maurice
 
Sauberer Code
Eine Vorgabe der barrierefreien Informationsverordnung beinhaltet, dass barrierefreie Internetseiten gemäß der vom W3-Konsortium entwickelten Technologien erstellt werden; d.h. auf den Empfehlungen des W3C zu HTML 4.01 oder XHTML basieren sollen. Nicht erlaubt sind dementsprechend proprietäre Elemente und Attribute, zu denen die altbekannten wie blink (Netscape) oder marquee (Internet Explorer) zählen, ebenfalls unerwünscht sind jedoch auch andere, die zwar von gängigen Browsern unterstützt werden, aber nie zum Standard gehörten, wie die Angabe der Höhe bei Tabellen (<table height="">). Davon zu unterscheiden sind wiederum Elemente, die zwar früher einmal zum Standard gehörten, inzwischen aber als unerwünscht (deprecated) eingestuft wurden - viele davon betreffen die Gestaltung über HTML-Attribute, die ja vollständig durch CSS realisiert werden soll.

Validator des W3-Konsortiums
Zur Überprüfung, ob eine Webseite konform ist, lässt sich der Validator des W3-Konsortiums (W3C) einsetzen. Mit ihm kann man sowohl Seiten, die im Internet stehen, als auch lokale Seiten überprüfen, die dafür hochgeladen werden müssen.

Um welche Version es sich bei einer einzelnen Seite handelt, ermittelt der Validator anhand der Dokumenttyp-Angabe (<!DTD ....>) - diese darf schon einmal nicht fehlen.

Der Validator überprüft die gewählten Seiten auf syntaktische Korrektheit, d.h. ob alle notwendigen Bestandteile vorhanden sind und ob die Elemente ordnungsgemäß verwendet und richtig verschachtelt werden. Hierbei sind die Bestimmungen für XHTML wesentlich strenger als diejenigen für HTML. Wer jedoch XHTML verwendet, setzt auf eine wichtige Zukunftstechnologie. Ebenso wie bei HTML gibt es auch bei XHTML verschiedene Versionen: "transitional", "strict" und "frameset". Die letzte Version dient zum Einsatz bei Seiten mit Frames, bei der Verwendung von "transitional" dürfen auch noch HTML-Attribute zur Gestaltung eingesetzt werden, bei "strict" müssen alle Gestaltungsaufgaben über CSS realisiert werden.

Was der Validator hingegen nicht überprüfen kann, ist, ob die HTML- oder XHTML-Elemente vernünftig eingesetzt werden. Konkret heißt das, dass man keine Fehlermeldung erhält, wenn anstelle von Überschriften (h1-h6) nur Absätze (p) verwendet werden, die durch CSS-Formatierungen unterschieden werden. Durch die durchgängige Verwendung von p anstelle von den unterschiedlichen dafür vorgesehenen Elementen ist die Seite aber bei ausgeschalteten Stylesheets nicht mehr strukturiert und dadurch nicht barrierefrei.

Bobby überprüft auf Barrierefreiheit - die Hauptarbeit müssen Sie jedoch selber machen.
Die Wohlgeformtheit und Entsprechung der Empfehlungen des W3C von Internetseiten ist natürlich nur eine Bedingung für Barrierefreiheit, auf weitere überprüft das Tool Bobby. Bobby hält sich dabei an die Richtlinien der Web Accessibility Initiative (WAI). Viele dieser Bedingungen können jedoch nicht maschinell, von einer Software, gecheckt werden, sondern verlangen menschliche Intelligenz. Im Unterschied zum Validator vom W3C können bei Bobby nur Seiten getestet werden, die online stehen, für Offline-Seiten muss man sich die Software herunterladen.

Wenn man bei Bobby die gewünschte URL eingibt, dauert es einen kleinen Moment, bis man das Ergebnis erhält:
Zuerst wird noch einmal die Seite angezeigt und zwar so, wie sie von Bobby wahrgenommen wird. Sie kann anders aussehen als vorher, da Stylesheets und JavaScript-Ausgaben ignoriert werden. Zusätzlich erscheint an den Stellen, wo eindeutige Verstöße gegen die Barrierefreiheit der ersten und wichtigsten Priorität vorliegen, ein Bobby-Hut. Klickt man auf diesen, gelangt man zu einer weiteren Erläuterung. Mögliche Verstöße, die Bobby selber nicht genau bestimmen kann, werden durch Fragezeichen gekennzeichnet.

Nach der Darstellung einer Seite folgt die Auswertung. Zuerst erscheinen die Vorgaben der ersten Priorität, das heißt die wichtigsten. Und hier werden dann - sofern vorhanden - die Fehler aufgezählt, die Bobby eindeutig als solche identifizieren kann. Das könnte beispielsweise das Fehlen von alternativen Texten bei Grafiken sein <img alt="">.
Darauf folgen weitere Punkte unter der Überschrift "User Check". Das sind mögliche Probleme, die nur durch menschliche Benutzer abgeklärt werden können. So kann Bobby nicht ermitteln, ob eine Tabelle zu Layout-Zwecken eingesetzt wurde oder der tabellarischen Präsentation von Daten dient. Diesem kommt aber bei der Barrierefreiheit eine wichtige Rolle zu: In letzterem Fall sind besondere Strukturierungselemente notwendig, die helfen sollen, dass der Inhalt der Tabelle auch verständlich ist, wenn sie vorgelesen wird. Bei Layout-Tabellen hingegen sind diese Angaben unerwünscht und wären missverständlich.

Ein weiteres Beispiel: Eine Bedingung für Barrierefreiheit ist, dass man dafür zu sorgen hat, dass Informationen, die über Farben vermittelt werden, auch auf anderem Wege zugänglich sein müssen. Ob diese Bedingung erfüllt ist, kann aber kein Programm testen. Genauso ist es schwierig, maschinell festzustellen, ob eine Seite auch für Farbenblinde lesbar wäre - obwohl dies noch eher ginge als der vorher vorgestellte Punkt. Bobby kann hier nicht ermitteln, ob in dieser Hinsicht eine Seite barrierefrei ist oder nicht und dieser Punkt wird unter der Rubrik "User Check" aufgeführt. Konkret heißt das, dass Sie die Meldung "If you use color to convey information, make sure the information is also represented another way" auch erhalten, wenn Sie Ihre Seite genau darauf hin überprüft haben - sie erscheint einfach immer dann, wenn Bobby Farbinformationen im Dokument findet.

Das ist auch der große Unterschied zwischen Bobby und dem Validator des W3C. Setzt man den Validator des W3Cs ein und entspricht die Seite den Vorgaben, bekommt man eine eindeutige Bestätigung durch die Meldung "This Page ist valid XHTML 1.0 strict". Bei Bobby hingegen erhält auch eine Seite wie www.einfach-fuer-alle.de, die gerade der Barrierefreiheit gewidmet ist, erstaunlich viele Fragezeichen. Dies sind Stellen, an denen Bobby Probleme vermutet, selber aber nicht ermitteln kann, ob es wirklich solche sind. Webentwicklerinnen, die Bobby zum ersten Mal verwenden, sind hierüber oft etwas irritiert oder sogar enttäuscht, da sie eine klare Bestätigung oder Ablehnung erwarten und statt dessen mit einer ToDo-Liste konfrontiert werden, die sie selber abarbeiten sollen.
 

Links
Online validieren
Validator des W3C
Bobby

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Autorin
Florence Maurice
Kontakt: florence.maurice@ mediella.de