März 2003 > weniger arbeiten > Im Schwitzbad
 
Im Schwitzbad
Von Katja Schwarz
 
Die Münchner Bäder sind mit ihren langen Öffnungszeiten erstaunlich modern und kundenfreundlich, und so kann man auch nach einem langen Arbeitstag ohne Hektik in die Sauna gehen.
Ich habe mich mit meiner Freundin im römisch-irischen Schwitzbad des Müller'schen Volksbad verabredet, wo dienstags und freitags Frauentag ist.

Wir beginnen ganz gemächlich im Caldarium. Dieses hat drei Räume, die Temperaturen von 45, 60 und 80 Grad versprechen. Ein Blick auf das Thermometer zeigt gewisse Abweichungen, aber das macht nichts: warm ist es trotzdem.
Die Anspannung des Tages lässt langsam nach, und mit zunehmender Temperatur vergrößern sich die Abstände zwischen unseren Wortwechseln. Zurückgelehnt oder im Schneidersitz genießen wir schweigend, wie unsere Körper sich allmählich aufwärmen und die ersten Schweißtropfen zu fließen beginnen.

Nach einer kalten Dusche und einem entschlossenen Eintauchen in das eiskalte Tauchbecken gehen wir ins Dampfbad. Hier ist es so feucht, dass man vor lauter Wasserdampf kaum einen Meter weit sehen kann, und so tasten wir uns zu einem Platz auf einer der steinernen Bänke vor. Die Szenerie erinnert mich an einen Agentenfilm, dessen Titel ich vergessen habe, und ganz unwillkürlich lauschen wir den Gesprächsfetzen, die durch die wabernde Feuchtigkeit zu uns dringen.

Dem Kaltwasserbecken entstiegen scheint uns das Warmwasserbecken, in das wir daraufhin eintauchen, seltsam lau, und nachdem wir eine Weile plaudernd darin verbracht haben, finden wir es sogar etwas zu kühl.
An den Rand gelehnt, schauen wir nach oben und betrachten den gewölbten Stuckhimmel. Das Volksbad ist über 100 Jahre alt, was sich auch in kleinen Details wie den tellergroßen Brauseköpfen oder der Jugendstilschrift auf Schränken und Schließfächern äußert.

Meine Freundin erzählt, dass sie manchmal ins Nordbad geht. Dort gibt es Farbspiele und Vogelgezwitscher vom Band in den Wärmeräumen, und nach dem Saunagang kann man auf einer Freiluftterrasse frischen Sauerstoff tanken. Im Volksbad kann man natürlich auch schwimmen gehen; für Leute mit sportlichen Ambitionen ist das relativ kurze und abgeflachte Becken jedoch wenig geeignet.

Um kurz vor neun gehen wir in die finnische Sauna, wo es stündlich einen Aufguss gibt. Die Angestellte der Münchner Bäderbetriebe schöpft eine Mischung auf die Steine, die nach Alpenkräutern duftet. Sie wedelt heftig mit einem Handtuch durch die Luft, um die Schwaden bis in die letzte Ecke zu treiben, und der aromatisierte Gluthauch schlägt uns heiß ins Gesicht.

Nach dem obligatorischen Eisbad wickeln wir uns in unsere Handtücher und Bademäntel und gehen nach oben, wo es neben der Umkleide einen Ruheraum gibt. (Gegen einen Aufpreis kann man auch eine Einzelkabine mit einer breiten Ruheliege mieten.) Leider sind die Drahtsessel nicht gepolstert, aber eine Weile in der Horizontalen zu liegen tut doch sehr wohl. Für einen weiteren Saunagang fühlen wir uns zu träge; stattdessen beschließen wir, nur noch kurz ins Caldarium zu gehen - zum Aufwärmen sozusagen.

Es ist schon spät, aber noch immer sind viele Frauen da, die in dem runden Zentralraum unter der Kuppel sitzen oder auf den Holzbänken der Warmlufträume liegen; allein oder zu zweit, leise plaudernd oder still schweigend - einfach den Abend genießend.
 

Details
»   Anschrift
Volksbad
Rosenheimer Straße 1
81667 München
Tel.: 0180. 179 622 3 (zum Ortstarif)
 
» Öffnungszeiten
tägl. 09:00 - 23:00 Uhr
Di. + Fr. Damen, ansonsten gemischt
 
» Preise Schwitzbad (4 Std.)
Einzelkarte 11,30 EUR
Fünferkarte 51,20 EUR
Ruhekabine und ein Bettuch 3,10 EUR
Info
Website der Stadtwerke München: www.swm.de
Saunaführer München, als PDF zum Download

Badeschuhe nicht vergessen! Ein Handtuch zum Unterlegen ist Pflicht, ein Bademantel nützlich.

Autorin
Katja Schwarz
Kontakt: katja.schwarz@ mediella.de