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Versicherungen für Freiberuflerinnen und Selbstständige - Teil 2
Von Annette Wachowski
 
Wenn Ihre persönlichen Versicherungen (s. Beitrag in mediella 02/2003) abgedeckt sind, können Sie sich fragen, welche Risiken Sie noch versichern sollten.

Unsere Ausführungen dienen lediglich als Hinweise und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn Sie Ihre persönliche Risikoanalyse durchgeführt und Prioritäten gesetzt haben, sollten Sie sich beraten lassen.

Längerer Ausfall - Betriebsunterbrechung
Wenn Sie für längere Zeit wegen Krankheit, Unfall oder Schwangerschaft arbeitsunfähig sind, deckt Ihre Krankentagegeld- oder Unfallversicherung lediglich das entgangene Nettoeinkommen ab. Die Betriebskostenversicherung kommt für Ihre laufenden Kosten wie Miete, Kreditzinsen und Grundgebühren für Strom und Telefon auf.

Wenn Feuer, Wasser, Einbruch oder ähnliche Katastrophen Ihr Geschäft lahm legen, gibt es Betriebsunterbrechungsversicherungen, die für die Ausfälle aufkommen. Für Kleinunternehmen gibt es eine so genannte Klein-BU-Versicherung, die zusammen mit einer Sachversicherung abgeschlossen werden kann.

Diese Versicherungen, die nicht ganz billig sind, können Sie als Betriebsausgaben von der Steuer absetzen.

Sachversicherungen
Professionelles Arbeitsgerät - insbesondere elektronisches - ist teuer. Eine Hausratversicherung kommt aber nicht für Schäden in gewerblich genutzten Räumen auf. Hier hilft eine Geschäftsinhaltsversicherung, die bei Brand, Diebstahl, Leitungswasser- und Sturmschäden zahlt.

Gerade bei Büroelektronik rühren aber 95% der Schäden von unsachgemäßer Behandlung oder Überspannung und Blitzschlag. Hier können Sie sich durch eine gesonderte Elektronikversicherung absichern. Es gibt sogar spezielle Versicherungen, die für verloren gegangene Programme und die Neueingabe von Daten aufkommen.

Haftpflicht
Eine private Haftpflicht reicht nicht für Haftungsfälle im beruflichen Umfeld aus. Eine Berufshaftpflichtversicherung kommt auf für Sachschäden, Personenschäden und Vermögensschäden, wenn z. B. durch einen Programmierfehler der Online-Shop eines Kunden nicht mehr läuft.

Sie sollten genau prüfen, ob eine Berufshaftpflichtversicherung für Sie wirklich nötig ist. Billiger ist es, Sie vereinbaren in Ihren Verträgen einen Haftungsausschluss oder eine Haftungsbeschränkung.

Für das Risiko von freien Journalistinnen, die eventuell für Ruf- und Geschäftsschädigungen durch Veröffentlichungen haftbar gemacht werden können, sollten die Auftraggeber einstehen, was seriöse Sender und Verleger auch anstandslos tun.

Für Einzelunternehmerinnen gibt es von manchen Versicherungsgesellschaften auch Kombi-Angebote von privater und beruflicher Haftpflichtversicherung.

Unverzichtbar, weil gesetzlich vorgeschrieben, ist die Kfz-Haftpflichtversicherung für Ihr Firmenfahrzeug.

Rechtsschutzversicherung
Sie kommt auf für Anwalts- und Gerichtskosten bei Rechtsstreitigkeiten.

Die Bedeutung dieser Versicherung wird oft überschätzt. Es gibt eine Reihe von Beschränkungen: Zum einen gilt sie niemals rückwirkend; die meisten Versicherungen zahlen nur, wenn ausreichend Erfolgaussichten bei einem Rechtsstreit bestehen und Sie müssen mindestens drei Monate vor Entstehung des Rechtsstreits Ihre Versicherung abgeschlossen haben.

Und die meisten Rechtsschutzversicherungen greifen nicht bei Vertragsrechts- und Urheberrechtsangelegenheiten.

Sinnvoll könnte eine Verkehrs-Rechtsschutzversicherung sein, denn die meisten Rechtsstreitigkeiten entfallen auf diesen Bereich.

Freiberuflerinnen, die ver.di-Mitglieder sind, kommen automatisch in den Genuss einer kostenlosen und umfangreichen Rechtsschutzversicherung.

Weitere Versicherungen
Wenn Sie Allein- oder Hauptverdienerin in der Familie sind, macht es sicherlich Sinn, über eine Absicherung für die Familie in Form einer Risikolebensversicherung nachzudenken, die Sie später in eine Kapitallebensversicherung zur eigenen Altersvorsorge umwandeln können.

Darüber hinaus gibt es eine Unzahl weiterer Versicherungen: Forderungsausfallversicherungen, wenn Ihre Kunden nicht zahlen; Softwareversicherungen, wenn Hacker oder Viren Ihren Computer lahm legen; Krankenhauszusatzversicherungen, damit der Chefarzt Sie persönlich behandelt. Und für Topmanagerinnen gibt es eine D&O-Versicherung (Directors and Officers) gegen Ansprüche von Aktionären oder des eigenen Unternehmens bei Fehlentscheidungen.

Der Fantasie und dem Pessimismus sind fast keine Grenzen gesetzt, vorausgesetzt Ihr Budget hat auch keine Grenzen.
 

Tipps
»   Sie können sich gegen alles versichern, müssen es aber nicht: Führen Sie eine Risikoanalyse durch; setzen Sie Prioritäten
 
» Holen Sie verbindliche Angebote von verschiedenen Anbietern ein und vergleichen Sie
 
» Achten Sie auf ausreichende Deckung; bei Unterversicherung kann es sein, dass Versicherungen gar nicht zahlen
 
» Besonders in der Existenzgründungsphase sollten Sie Versicherungen mit kurzen Laufzeiten abschließen, um flexibel zu bleiben
 
» Für Mitglieder von Gewerkschaften oder Berufsverbänden gibt es oft günstigere Versicherungen
Links
Unabhängige Finanz- und Versicherungsberaterinnen

Bundesweit
FinanzFachFrauen:
www.finanzfachfrauen.de

München
Versicherungs- und Finanzdienstleistungen für Frauen GmbH:
www.svea-kuschel.de
frau & geld:
www.frau-und-geld.com

ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft e.V.:
www.verdi.de

Versicherungen für Freiberuflerinnen und Selbstständige - Persönliche Absicherung

Autorin
Annette Wachowski
Kontakt: annette.wachowski@ mediella.de