März 2003 > mehr wissen > Schutz vor Spam: Vorsorge
 
Schutz vor Spam: Vorsorge
Von Florence Maurice
 
"Hallo, hier sind meine Daten die Du wolltest. Wenn Du mein Foto sehen willst klicke hier auf den Link:", so oder ähnlich beginnt eine typische Spam-Mail - geboten werden wohl erotische Fotos, für die man dann zahlen soll. Andere Spam-Mails sind weniger "harmlos", kann sich doch, klickt man auf den Link, ein Dialer installieren.

Die Anzahl von Spam-Mails - das heißt, unerwünschte Mails - steigt ständig, zurzeit machen sie schon ein Fünftel der E-Mails aus, die im Netz kursieren. Im Gegensatz zu Postwurfsendungen kosten sie die Verursacher so gut wie nichts und je mehr sie verschicken, desto größer sind die Chancen, dass sie Geld verdienen.

Was aber kann man gegen Spam machen? Wie kann man sich davor schützen?

Das lässt sich natürlich nicht in einem Satz beantworten. Wir haben die besten Schutzmöglichkeiten und notwendigen Informationen in einer Reihe von Artikeln zusammengestellt. Der erste Artikel widmet sich dem Thema der Vorsorge, d.h. wie man verhindert, dass Spammer an die eigene E-Mail-Adresse kommen.

Überall, wo Sie Ihre E-Mail-Adresse angeben, müssen Sie befürchten, dass diese in die Hände von Spammern gerät oder Sie mit unerwünschter Werbung belästigt werden. Deshalb sollten Sie Ihre Adresse nur den Leuten zukommen lassen, mit denen Sie wirklich in Mail-Kontakt treten wollen. Für manche Gewinnspiele oder kostenlose Angebote, bei denen es erforderlich ist, eine gültige E-Mail-Adresse anzugeben (sonst erfährt man nicht, wenn man gewonnen hat), sollten Sie keinesfalls Ihre eigene E-Mail-Adresse verwenden, sondern sich dafür eine Zweitadresse zulegen. Diese können Sie bei Bedarf - wenn Sie zu viel Spam dorthin erhalten - auch wieder löschen. Ideal ist eine temporäre E-Mail-Adresse bei spamgourmet; dort kann man selbst festlegen, wie viele Mails von dieser vorübergehenden Adresse an die eigentliche Adresse weitergeleitet werden sollen. Damit können Sie sicher stellen, dass Sie die Gewinnmitteilung auch bekommen. Ist die Anzahl an Mails, die weitergeleitet werden sollen, erreicht, wird die E-Mail-Adresse automatisch gelöscht.

Auch Newsgroups werden von Spammern auf Adressen durchforstet. Sind Sie dort viel unterwegs, sollten Sie Ihre E-Mail-Adresse so verändern, dass sie von den automatischen E-Mail-Adressen-Scannern nicht erkannt, aber gleichzeitig von anderen, "menschlichen" Benutzern verstanden wird. Zum Beispiel können Sie Leerzeichen einfügen und danach in Klammern den Hinweis, dass diese zu entfernen sind:

i c h @ m e i n p r o v i d e r . c o m (Leerzeichen sinnvoll löschen)

Oder aber Sie ergänzen Wörter, bei denen jedem klar ist, dass sie nicht Teil der Adresse sind:

ich@KeinSpamMitMirmeinprovider.com

Das Problem hierbei ist natürlich: je einfacher die Manipulation, desto eher kann sie auch von den E-Mail-Robots aufgelöst werden. Je komplexer sie hingegen ist, desto größer die Gefahr, dass Newsgroup-Mitbenutzer sie auch nicht richtig dechiffrieren können. Empfehlenswert ist ein Mittelweg.

Genauso wie Sie umsichtig mit Ihrer Adresse umgehen sollten, sollten Sie aber auch Ihnen anvertraute E-Mail-Adressen vertrauensvoll behandeln. Wenn Sie den Hoax-Artikel in der letzten Nummer gelesen haben, sehen Sie wahrscheinlich wenig Anlass, Rund-E-Mails zu versenden ;-) Wenn Sie trotzdem noch eine Mail gleichzeitig an mehrere Leute verschicken, dann keinesfalls die E-Mails aller Adressaten offen angeben (außer die Leute arbeiten alle im selben Team, kennen sich und haben ihre E-Mail-Adressen ohnehin ausgetauscht). Konkret: Geht eine E-Mail an mehrere Personen, schreiben Sie die Adressen nicht in das TO- oder das CC-Feld, sondern in das BCC-Feld. BCC steht für Blind Carbon Copy, d.h. diese Adressen sind unsichtbar. Damit etwas im TO-Feld eingetragen ist, geben Sie hier Ihre eigene E-Mail an. Erhält jetzt jemand diese E-Mail von Ihnen, sieht er als Adressat Ihre eigene Adresse und erfährt die E-Mail-Adressen der anderen Personen nicht.

Diese Vorsichtsmaßnahme mag auf den ersten Blick übertrieben erscheinen, denn natürlich würden Sie selber E-Mail-Adressen, die Sie so frei ins Haus geliefert bekommen, nicht weiter verwenden. Aber wissen Sie immer, ob alle Leute, an die Sie Mails schicken, genauso verantwortlich damit umgehen? Und deren Kinder oder Freunde? Beispielsweise gibt es Shareware-Programme, bei denen man 10 E-Mail-Adressen angeben muss, bevor man sie benützen darf. Und da könnte ja jemand auf die Idee kommen, die Adressen zu nehmen, die er durch eine Rund-Mail bekommen hat ... Oder aber jemand könnte meinen, die ganzen Adressen gehörten ja auch zum erweiterten Freundeskreis und natürlich müssten die auch gewarnt werden vor dem schlimmen Virus XY, der gerade kursiert ... und schon hat man dazu beigetragen, die Menge der unerwünschten E-Mails weiter zu vergrößern.

Neben dem gezielten Durchforsten von Quellen auf E-Mail-Adressen, probieren Spammer aber auch einfach wahrscheinliche Kombinationen von Vorname und Nachname bei den großen Kostenlos-Adressen-Anbieter wie web.de, gmx, yahoo etc. aus. Sich hiergegen zu schützen ist schwierig. Auf jeden Fall sollte man dann aber verhindern, dass die Spammer erfahren, dass ihre Kombination erfolgreich war. Deswegen nie - in keinem Fall! - auf eine Spam-Mail reagieren und außerdem die Vorschaufunktion im E-Mail-Programm deaktivieren. Spammer können nämlich in ihre Mails Bilder einbauen, anhand derer sie feststellen, ob ihre Mail den Adressaten erreicht hat.

Vor ein paar Jahren war die Begeisterung angesichts der neuen Kommunikationsmöglichkeiten durch E-Mail noch ungebrochen: Kostengünstig und schnell blieb man auch mit Leuten in Kontakt, die man sonst eventuell aus den Augen verloren hätte. Die Kehrseite davon sind die Spam-Mails, die uns zunehmend plagen. Sie machen aber auch bewusst, dass eine E-Mail-Adresse etwas Persönliches und Schützenswertes ist, vergleichbar mit einer Telefonnummer, die man ja auch nicht unbedingt jedem gibt.
 

Die wichtigsten Tipps
»   Überlegen Sie immer gut, wem Sie Ihre E-Mail-Adresse geben.
 
» Verwenden Sie für Gewinnspiele oder andere kostenlose Angebote eine zweite E-Mail-Adresse, z.B. von spamgourmet.
 
» Gehen auch Sie mit den Ihnen anvertrauten Adressen verantwortungsbewusst um. Schreiben Sie bei Rund-Mails die Adressen in das BCC-Feld.
 
» Antworten Sie nie auf eine Spam-Mail.
 
» Deaktivieren Sie die Vorschaufunktion in Ihrem Mail-Programm.
 
Links
Temporäre Adressen erhältlich bei:
www.spamgourmet.com
www.spammotel.com

Service-Pack für den Internet Explorer 6 (notwendig zum Ausschalten der Vorschau-Funktion):
www.microsoft.com

Witziges (und tröstliches) Editorial der IX zum Thema Spam:
www.heise.de/ix/artikel/ 2002/06/003/

Autorin
Florence Maurice
Kontakt: florence.maurice@ mediella.de