Februar 2005 > weniger arbeiten > Einladung zum Cream Tea
 
It’s Teatime
Von Katja Schwarz
 
Keine Lust auf die immer gleichen Muffins und Brownies und hektischen Coffee to go? Wie wäre es statt dessen mit gepflegtem Müßiggang und Teatime auf die traditionelle britische Art?

Im Victorian House kann man in distinguierter Atmosphäre einen originalen „Cream Tea“ zu sich nehmen – mit allem, was dazu gehört: Ausgesuchter schwarzer oder grüner Tee, frische Scones (ein brötchenartiges Gebäck), echte clotted Cream aus Cornwall (ein halbfestes Rahm-Butter-Gemisch) und hausgemachte Erdbeermarmelade.

Very british

Very british ist erwartungsgemäß die Ausstattung des Victorian House: dunkles Holz, karierte und geblümte Stoffe sowie Silber und feines Porzellan; an den cremefarbenen Wänden hängen Jagdszenen und in Öl gemalte Portraits von respektablen Bürgern des britischen Empire. Kleine Enttäuschung: die eingelassen Regale mit den antiken Lederbänden erweisen sich bei näherem Hinsehen als Fake.
Schick dagegen die beiden jungen Frauen, die den Service bestreiten: Diese tragen, ob Zufall oder nicht, stilgerecht Tweedhosen und Pullover in gedecktem Grün und Rot.

… eigentlich bin ich zu früh dran für einen klassischen englischen Nachmittagstee; die Herren am Nebentisch essen zu Mittag und bestellen Risotto und Tagliatelle. Aber was soll’s, Reis und Nudeln kriege ich auch beim Italiener. Ich entscheide mich für Cream Tea.

Very tasty

Die Scones kommen warm und schön mürbe auf den Tisch, die intensive Süße der Marmelade findet in der kühlen Frische der clotted Cream ein cremiges Gegengewicht – wie so oft sind es die ganz einfachen Dinge, die besonders gut schmecken. Auch der Tee ist sehr gut, lose aufgegossen und mit einer zusätzlichen Kanne heißen Wassers serviert, das gibt es viel zu selten.

Wäre es später – oder hätte ich mehr Hunger – könnte ich mein Teegedeck mit den kleinen Fingersandwiches ergänzen, die in vornehmen englischen Häusern und guten Hotels zum nachmittäglichen Imbiss auf silbernen Etagèren gereicht werden; wäre es früher, so fiele meine Wahl vermutlich auf einen der Frühstücksteller, die es in unterschiedlichsten Größen und Varianten von süß (z.B. Toast mit Lemoncurd) bis pikant (z.B. Rührei mit Lachs) gibt.

Mittagsgäste wählen ihren Business Lunch von der wechselnden Karte, die, ganz weltoffen, einen Bogen von München ins Elsass, nach Italien oder bis nach Asien spannt. Wer mag, probiert englische Spezialitäten wie Roastbeef oder Classic Eggs Benedict.

Für diejenigen, die ihren Afternoon-Tea gemütlich zu Hause zu sich nehmen wollen, bieten die Betreiber des Victorian House alle Zutaten auch zum Mitnehmen an: die Teemischungen, die Scones (plain, mit Schokolade oder mit Tomaten und Käse), clotted Cream in drei Größen und Marmelade, auch Biscuits aus dem edlen Duchy-Sortiment des Prince of Wales: In der Sconery in den Fünf Höfen, einem kleinen Ableger des Café-Restaurants am Viktualienmarkt, gibt es das alles – bei Tee vielleicht noch eine eher gewöhnungsbedürftige Idee – als „tea to go“.

The Victorian House

Café, Bar, Restaurant
Am Viktualienmarkt, Frauenstr. 14
Tel. 089.25 54 69 47

Öffnungszeiten:
Mo-Sa: 09:30-22:30
So/Fe: 09:30-19:00

Cream Tea mit Tee und Scones EUR 11,-
Business Lunch ab ca. EUR 5,-

www.victorianhouse.de

Sconery and Tea to go

In den Fünf Höfen, Theatinerstr. 16
Tel. 089.24 22 43 96

Öffnungszeiten:
Mo-Fr: 09:00-20:00
Sa: 09:00-19:00,
So/Fe: 13:00-18:00

Autorin
Katja Schwarz
Kontakt: katja.schwarz @mediella.de