Februar 2003 > mehr netzwerken > Konflikte im Team
 
Konflikte im Team - konstruktive Lösungen durch Mediation
Von Birgit Beichter
 

Und plötzlich ist er da der Konflikt.
Marlies M. versteht die Welt nicht mehr. Sie arbeitet seit Jahren mit ihren Kollegen gut zusammen. Durch die Umstrukturierung im Unternehmen ist ein neuer Arbeitsbereich mit fünf Kollegen dazugekommen. Seit dieser Zeit ist schlechte Stimmung im Team. Die Zusammenarbeit im neuen Projekt funktioniert nicht mehr. Neben der täglichen Arbeitsbelastung gibt es ständig Streit. Alle Kollegen sind genervt. Nächsten Monat ist ein wichtiger Termin mit dem Kunden ...

Diese oder ähnliche Erfahrungen haben Sie auch in Ihrem Team gemacht?
Konflikte bahnen sich langsam an, werden jedoch erst öffentlich, wenn das Kind schon fast in den Brunnen gefallen ist. Mediation kann dazu beitragen, Konflikte selbstbestimmt zu lösen.

Mediation lateinisch „mediare“ bedeutet „in der Mitte stehen“.
Eine neutrale Person vermittelt im Konflikt zwischen zwei oder mehreren Parteien. Die Mediation wurde in den 30er Jahren in den USA entwickelt und vorwiegend zur außergerichtlichen Schlichtung von Scheidungskonflikten angewandt. Heute ist sie auch in Deutschland ein erfolgreiches Konfliktlösungsverfahren und eine kostengünstige Alternative zur gerichtlichen Auseinandersetzung. Mediation wird zunehmend in der Wirtschaft und bei Teamkonflikten eingesetzt. Die Mediatoren haben einen juristischen oder psychologischen Grundberuf und arbeiten allein oder im Mediatoren-Team.

Der Mehrwert der Mediation besteht in der Suche nach einem Konsens.
Die Interessen der Beteiligten stehen im Mittelpunkt der Mediation. Oft verstecken sich hinter den Positionen ganz persönliche Bedürfnisse, die erst im Laufe der Mediation herausgearbeitet werden und den Weg zu einem Konsens erleichtern. Ziel ist die Sensibilisierung und Anerkennung der Interessen des Gegenübers. Die Mediatorin strukturiert und begleitet den Gesprächsprozess, ohne Lösungen vorzugeben. Sie ist neutral, kommt also nicht aus dem eigenen Team und ist weder der Geschäftsführung noch dem Betriebsrat verpflichtet. Sie wird in keinem Fall als Zeugin vor Gericht auftreten.

Der Weg zur Lösung führt über die wertschätzende Kommunikation.
Mediation verbessert die Kommunikation zwischen den Konfliktparteien im Team. Einander Zuhören und Aussprechen lassen fördert den gegenseitigen Respekt und führt auf eine gleichwertige Ebene. Das Verständnis für die Beweggründe bestimmter Handlungen und Verhaltensweisen des Gegenübers öffnet den Blick für Gemeinsamkeiten und Gegensätze. Auf dieser Grundlage kann dann eine konstruktive Lösung erarbeitet werden, die sich später im Alltag bewähren muss.

Wann ist eine Mediation sinnvoll?
Mediation ist ein freiwilliges Verfahren und setzt die Bereitschaft aller Beteiligten voraus

  • an einer Lösung mitzuarbeiten,
  • auf gleicher Augenhöhe zu verhandeln,
  • für sich selbst einzustehen,
  • alle Fakten auf den Tisch zu legen,
  • Vertraulichkeit über das Besprochene zu wahren,
  • die gefundene Lösung als verbindlich anzusehen.

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann eine Mediation in allen Bereichen der Wirtschaft sinnvoll zur Konfliktlösung eingesetzt werden. Eine Mediation braucht Zeit. Es ist ein Prozess in mehreren Stufen. Am Ende steht eine für alle verbindliche Lösung in Form eines Memorandums.

Und die Lösung für das Team von Marlies M.?
Das Team von Marlies M. hat sich gemeinsam mit ihrer Führungskraft am runden Tisch getroffen und beschlossen, den Konflikt mit Hilfe einer Mediation zu bearbeiten. Während eines ersten Sondierungsgespräches wurde schnell klar, dass alle Beteiligten unter dem Arbeitsklima leiden. Durch die Umstrukturierung haben sich nicht nur Arbeitsaufgaben und Hierarchien ad hoc verändert, die Teammitglieder mussten ihre Rollen ganz neu definieren. Das löste bei allen Beteiligten Unsicherheit und Angst aus. Das gegenseitige Vertrauen ging verloren. Jeder fühlte sich als Einzelkämpfer.

Im Laufe der Sitzungen wurde der Wunsch nach mehr Information und Transparenz deutlich. Anstehende Veränderungen sollen in Zukunft rechtzeitig mit dem Team besprochen werden. Das Team muss erst neu zusammenfinden. Dazu wird ein gemeinsames Wochenende unter psychologischer Begleitung stattfinden. Zusätzlich können alle Teammitglieder einzeln ein Coaching in Anspruch nehmen.
 

Informationen zur Mediation Finden von Mediatorinnen:

BAFMBundes-Arbeitsgemeinschaft für Familienmediation e.V.

CM - Zentrale für Mediation

Lesenswert
Gerhard Hösl:
Mediation - die erfolgreiche Konfliktlösung. Grundlagen und praktische Anwendung
, Kösl 2002,
14,95 €.

Marshall B. Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation,
Junfermann 2001,
18 €.

 
Autorin
Birgit Beichter
Dipl. Psychologin, Mediatorin in München. Schwerpunkte Familienmediation, virtuelle Netzwerke, Zusammenarbeit.
www.team-mediation.de
beichter@team-mediation.de