Februar 2003 > mehr verdienen > Versicherungen – persönliche Absicherung
 
Versicherungen für Freiberuflerinnen und Selbstständige – Persönliche Absicherung
Von Annette Wachowski
 

Wenn Sie bisher angestellt waren, mussten Sie sich relativ wenige Gedanken über Ihre persönliche Absicherung machen. Zumindest eine Grundsicherung im Krankheitsfall, bei Unfall und im Alter ist Angestellten sicher – und 50 Prozent der Beiträge zahlt der Arbeitgeber. Das wird mit der Selbstständigkeit anders.

Wir können hier lediglich einen Überblick geben. Da jede persönliche Lebens- und Arbeitssituation individuell ist, ist eine persönliche Beratung, die auf Ihre Bedürfnisse eingeht, unerlässlich.

Krankenversicherung - privat oder gesetzlich?
Bei gesetzlichen Versicherungen gilt das Solidarprinzip: Beitrag ist ein prozentualer Anteil des Einkommens – bei Selbstständigen: Einnahmen minus Betriebsausgaben - bis zu einer bestimmten Bemessungsgrenze; Besserverdiener, Alleinstehende und Gesunde sorgen mit für Alte, Kranke, schlechter Verdienende und Familien. Nichtverdienende Familienmitglieder sind kostenfrei mitversichert. Die Leistungen sind für alle Mitglieder gleich.

Arbeitnehmerinnen bis zu einem bestimmten Einkommen sind in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) pflichtversichert.

Bei privaten Versicherungen gilt das Äquivalenzprinzip: Man wird in eine Risikogruppe eingestuft und zahlt entsprechend. Ältere und Frauen zahlen z. B. in der privaten Krankenversicherung (PKV) mehr als Männer, weil sie häufiger krank bzw. schwanger werden. Eine kostenfreie Familienmitgliedschaft gibt es nicht.

Die Leistungen aller gesetzlichen Krankenversicherungen sind im Großen und Ganzen gleich. Ein Vergleich lohnt aber, denn die Beitragssätze mancher offenen Betriebskrankenkassen liegen deutlich unter denen der großen GKV.

Als Nicht-KSK-Mitglied (siehe gesonderten Beitrag) können Sie sich bei einer GKV freiwillig versichern. Wenn Sie weniger als monatlich 3.450 Euro* verdienen, zahlen Sie auf Antrag nur den anteiligen Beitrag; es werden mindestens 1.785 Euro Einkommen zugrunde gelegt.

Der Beitrag zur privaten Krankenversicherung lässt sich durch besondere Pakete und Selbstbeteiligungen senken. Dadurch wird ein Vergleich der PKV sehr schwer, weil sie unterschiedliche Modelle anbieten.
Es gibt bei manchen PKV günstigere Beitragssätze für Existenzgründerinnen, die jedoch nur eine Grundsicherung gewährleisten.

Ein Beitritt zur PKV will gut überlegt sein, denn die Beiträge bleiben hoch, auch wenn das Einkommen sinkt. Und ein späterer Wechsel von der PKV zur GKV ist schwierig, bei höherem Einkommen ganz ausgeschlossen.

Versicherungen für krankheitsbedingte Ausfälle
Arbeitnehmerinnen erhalten ihr Geld, auch wenn sie krank sind. Zunächst sechs Wochen lang vom Arbeitgeber, anschließend von der Krankenversicherung, wenn sie bei einer GKV sind.

Wenn Sie als Freie oder Selbstständige in der GKV sind, erhalten Sie ab dem 42. Krankheitstag Krankengeld (70% Ihres Einkommens). Möchten Sie schon vorher Geld haben, können Sie einen erhöhten Beitragssatz zur GKV zahlen. Diese gewährt dann ein sog. vorgezogenes Krankengeld und zahlt in den meisten Fällen ab dem 22. Krankheitstag.

Privat Versicherte haben keinen Anspruch auf Krankengeld. Für sie – und als Zusatz für gesetzlich Versicherte - gibt es eine Krankentagegeldversicherung, die bereits ab dem 4. Krankheitstag zahlt, aber die Beiträge sind fast unbezahlbar. Alternativ kann eine Zahlung ab dem 8., 15., 22. usw. Krankheitstag vereinbart werden.

Pflegeversicherung
Seit 1995 ist jeder verpflichtet, sich für den Pflegefall zu versichern. Auch hier gibt es die Wahlmöglichkeit zwischen gesetzlicher und privater Versicherung (bei den GKV und PKV).

Der Beitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung beträgt für alle 1,7 Prozent des monatlichen Bruttoeinkommens, höchstens jedoch 58,66 Euro. In der PKV richtet sich die Beitragshöhe nach dem Eintrittsalter, nach fünf Jahren zahlen Sie auch maximal 58,66 Euro.

Diese Pflichtversicherung bietet nur eine Grundversorgung – von den PKV gibt es Zusatzversicherungen, die Unterbringung und Verpflegung in einem Heim zahlen.

Unfallversicherung
Die Krankenversicherung kommt nur für Kosten von Krankheiten auf. Für Reha-Maßnahmen und Folgen von Berufskrankheiten und –unfällen, auch auf dem Weg zwischen Wohnung und Büro, sind die Unfallversicherungen zuständig – die Krankenversicherungen zahlen in diesen Fällen nicht!

Für Selbstständige besteht die Möglichkeit, für manche die Pflicht, Mitglied der gesetzlichen Unfallversicherung der Berufsgenossenschaft (BG), zu werden. Sie ist meist günstiger als private Unfallversicherungen. Je nach Beruf zahlen Sie für eine Mitgliedschaft zwischen vier und 20 Euro im Monat und sind damit im Falle eines Berufsunfalls auf der sicheren Seite.

Natürlich gibt es auch hier private Unfallversicherungen; diese gelten rund um die Uhr, also nicht nur im Zusammenhang mit beruflichen Unfällen.

Berufsunfähigkeitsversicherung
Im Falle einer Berufsunfähigkeit haben nur gesetzlich Rentenversicherte Anspruch auf eine Grundsicherung. Für alle, die nach 1960 geboren sind oder erst nach dem Jahr 2000 in die Rentenversicherung eingetreten sind, gibt es keine Berufsunfähigkeitsrente mehr, sondern eine Erwerbsunfähigkeitsrente, und die wird erst gezahlt, wenn Sie wirklich gar nicht mehr arbeiten können.

Natürlich gibt es auch hier private Versicherungen, die in die Bresche springen, aber auch hier gilt: Je höher das Beitrittsalter, desto höher die Beiträge. Ab einem bestimmten Alter wird das Ganze fast unbezahlbar.

Am günstigsten kommen Sie weg, wenn Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung zusammen mit einer Lebensversicherung abschließen.

Altersvorsorge – ein Kapitel für sich
Auf die Möglichkeiten der Absicherung im Alter können wir in diesem Artikel nicht eingehen, das würde den Rahmen sprengen. Wir werden uns in einer der kommenden Ausgaben von mediella mit diesem Thema beschäftigen.

In der nächsten Ausgabe von mediella behandeln wir weitere Versicherungen für Selbstständige und Freiberuflerinnen.


 *Alle Zahlen: Stand 2003

Tipps
»   Definieren Sie Ihren Versicherungsbedarf genau – lassen Sie sich nicht mehr verkaufen als Sie brauchen.

» Achtung bei Berechnungsbeispielen: Die privaten beziehen sich meist auf junge, gut verdienende Single-Männer!

» Für Mitglieder von Gewerkschaften oder Berufsverbänden gibt es günstigere Versicherungen.
 
   
Links

Vergleich der GKV und allgemeine Infos
www.billiger-krankenversichert.de


Vergleich der PKV
www.kostenlose-versicherungsanalyse.de

Beitragsbemessungsgrenzen und Vergleich der PKV
www.beitragsbemes-
sungsgrenze.com


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Autorin
Annette Wachowski
Kontakt: annette.wachowski@ mediella.de