Februar 2003 > mehr verdienen > Versicherungen - Künstlersozialkasse
 
Versicherungen für Selbstständige und Freiberuflerinnen – die Künstlersozialkasse (KSK)
Von Annette Wachowski
 

Freie Künstlerinnen und Publizistinnen sind auf die Vermittlungsarbeit von Vermarktern und Verwertern angewiesen, um ihre Werke zu vermarkten. Da dies einem Arbeitnehmer-Verhältnis ähnelt, wurde für diese Berufsgruppen die Pflichtversicherung eingeführt.

Wenn Sie zu diesen Berufsgruppen gehören, freiberuflich tätig sind, voraussichtlich mehr als 3.900 Euro Jahreseinkommen erwarten und diese Tätigkeit erwerbsmäßig ausüben, sind Sie nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) über die KSK pflichtversichert.

Sie sind damit in den Sozialversicherungen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung versichert und müssen nur den Arbeitnehmer-Anteil Ihrer Beiträge zahlen, also 50 Prozent der vollen Beitragshöhe. Die anderen 50 Prozent zahlen die Verwerter, die auf die Honorare freier Künstler und Publizisten Künstlersozialabgabe zahlen müssen, und der Bund.

Die KSK ist kein Versicherungsträger, sondern sie übernimmt die Aufgabe, die Beiträge und Bundeszuschüsse einzunehmen und an die Sozialversicherungen weiterzuleiten.

Sie sind also weiterhin bei Ihrer Kranken- und Pflegekasse versichert sowie bei der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA).

So werden Sie Mitglied
Sie schicken einen formlosen Aufnahmeantrag an die KSK. Darauf erhalten Sie einen recht umfangreichen Fragebogen.
Im Aufnahmeantrag finden Sie eine Liste der künstlerischen Berufe, die für die Mitgliedschaft relevant sind.
Wenn Sie eine „ähnliche selbstständige künstlerische Tätigkeit“ ausüben, müssen Sie diese Tätigkeit ausführlich beschreiben, belegen und Verträge beifügen. Legen Sie dem Antrag Ausbildungsnachweise, Mitgliedschaften in entsprechenden Berufsverbänden, Publikationsverzeichnisse, Ausstellungskataloge, usw. bei.

Hilfe beim Ausfüllen bekommen Sie unter Umständen bei Ihrer Krankenkasse oder bei ver.di (Mitglieder); Einzelfragen beantwortet auch mediafon.

Wenn Sie die Voraussetzungen erfüllen – z.B. als freiberufliche Webdesignerin - und trotzdem abgelehnt werden, auf jeden Fall Widerspruch einlegen!

Berufsanfängerinnen
Auch wenn Sie in den ersten drei Jahren Ihrer Berufstätigkeit voraussichtlich weniger als 3.900 Euro pro Jahr verdienen werden und im Aufnahmeantrag nur einen Auftraggeber nennen können, werden Sie trotzdem in die KSK aufgenommen und versichert.

Für Künstlerinnen und Publizistinnen, die ihre Tätigkeit vor dem 1. Juli 2001 aufgenommen haben, gelten die ersten fünf Jahre als Berufsanfängerzeit.

Wenn Ihr Einkommen nach dieser Zeit die Geringfügigkeitsgrenze nicht überschritten hat, geht die KSK davon aus, dass die Tätigkeit nur als Hobby betrieben wird und Sie müssen die KSK verlassen.

Berufsanfängerinnen können wählen, ob sie Mitglied einer gesetzlichen oder einer privaten Krankenversicherung werden wollen. Auf Antrag bezuschusst die KSK den Beitrag zur privaten Kranken- und Pflegeversicherung.
Innerhalb der dreijährigen Berufsanfängerzeit kann man wieder zurück in die GKV, danach ist ein Wechsel (fast) ausgeschlossen.

Beitragsbemessung
Ihr Beitrag zu den Sozialversicherungen richtet sich nach Ihren eigenen Schätzungen: Sie müssen der KSK bis zum 01.12. jedes Jahres angeben, wie viel Einkommen Sie im darauf folgenden Jahr erwarten. Nach dieser Schätzung legt die KSK dann Ihre monatlichen Beiträge fest.

Aber Vorsicht bei (bewussten) Falschangaben:
Wenn Sie ein zu niedriges Einkommen ansetzen, um Beiträge zu sparen, sehen Sie bei Kranken- und Mutterschaftsgeld und Rente in die Röhre. Denn das Kranken- und Mutterschaftsgeld beträgt 70 Prozent des vorab geschätzten Einkommens, und die Rente hängt ab von den Beiträgen, die Sie gezahlt haben.

Wenn Sie ein zu hohes Einkommen angeben, um später mehr Rente zu kassieren, zahlen Sie auch die höheren Krankenkassen-Beiträge – ohne besondere Leistung. Und zu viel gezahlte Beiträge werden am Jahresende nicht zurückerstattet; es werden allerdings auch keine nachgefordert, wenn Sie Ihr Einkommen zu niedrig geschätzt haben.

Obergrenze für die Berechnung der Beiträge ist, wie bei Angestellten auch, 41.400 Euro jährlich bei der Kranken- und Pflegeversicherung und 61.200 Euro (alte Bundesländer) bei der Rentenversicherung.

Befreiung von der Versicherungspflicht
Großverdienerinnen, die drei Jahre hinter einander ein über der Versicherungspflichtgrenze liegendes Einkommen gemeldet haben, können sich auf Antrag von der Krankenversicherungspflicht befreien lassen und zu einer privaten wechseln oder ganz auf eine KV verzichten.

Von der Rentenversicherung kann man sich in der Regel nicht befreien lassen. Es gibt Sonderfälle, in denen eine Rentenversicherung über die KSK nicht möglich ist, z.B. wenn Sie als Angestellte in einem nichtkünstlerischen Hauptberuf bereits rentenversichert sind. Weitere Sonderfälle sind auf der Website der KSK beschrieben.

Links

Künstlersozialkasse
www.kuenstlersozialkasse.de

Broschüre zur Künstlersozialversicherung, die wichtige Fragen zur KSK beantwortet - Download

Antrag auf Aufnahme
in die KSK


Autorin
Annette Wachowski
Kontakt: annette.wachowski@ mediella.de