Januar 2004 > mehr verdienen > Arbeitszeugnis
 
Hat sich stets bemüht - das qualifizierte Arbeitszeugnis
Von Annette Wachowski
 
Laut Gesetz hat jeder Arbeitnehmer einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis bei Beendigung des Dienstverhältnisses. Bei Angestellten und Führungskräften ist ein qualifiziertes Arbeitszeugnis üblich, das neben Angaben über Dauer und Art der Tätigkeit hinaus (= einfaches Arbeitszeugnis) die Leistungen beurteilt.

Selbst schreiben?
Warum nicht. Vorgesetzte sind im Allgemeinen froh, wenn Sie Ihr Zeugnis zumindest vorformulieren, denn ums Zeugnisse Schreiben reißt sich keiner besonders. Auch wenn es eine Personalabteilung gibt, die für die Zeugnisse zuständig ist: beschreiben Sie wenigstens Ihren Aufgabenbereich und Ihre Verantwortlichkeiten selbst.

Die wesentlichen Bestandteile eines qualifizierten Zeugnisses
Die Ratgeberliteratur empfiehlt den folgenden Aufbau für ein Arbeitszeugnis:

1. Einleitung
Sie enthält im Wesentlichen den Namen der Angestellten, die Dauer des Beschäftigungsverhältnisses und als was die Beurteilte angestellt war.
Darüber hinaus wird meist auch das Unternehmen in ein bis zwei Sätzen kurz dargestellt.

2. Aufgabenbeschreibung
Nun folgt die Beschreibung Ihrer Aufgaben. Achten Sie dabei auf Vollständigkeit und darauf, dass die wichtigsten und verantwortungsvollsten Tätigkeiten zuerst genannt werden. Bei längeren Beschäftigungsverhältnissen sollte außerdem eine Weiterentwicklung durch ein Mehr an Verantwortung erkennbar sein.

3. Bewertung [1]
In diesem Teil des Zeugnisses werden Ihre Leistungen und Ihr Erfolg in den folgenden Kategorien bewertet:

  • Bereitschaft, also Ihre Motivation und Ihr Engagement
  • Befähigung: Das sind beispielsweise Belastbarkeit, Ausdauer, Kreativität
  • Fachwissen und Weiterbildung: Aktualität Ihres Wissens, Bereitschaft zur Weiterbildung, Anwendung des Wissens
  • Arbeitsweise: selbstständig, eigenverantwortlich, zuverlässig usw.
  • Arbeitserfolg: Qualität, Tempo, Termintreue, Umsatz
  • Besondere Erfolge: Beförderung, konkrete Erfolge im Aufgabenbereich
  • Führungsleistung bei Personalverantwortung: Anzahl der MitarbeiterInnen, Führungserfolg

Abgeschlossen wird der Bewertungsteil mit einem Gesamturteil, das natürlich nicht besser oder schlechter sein kann als die Bewertung der Einzelteile.

4. Verhalten
In diesem Absatz wird das Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Externen beurteilt sowie das sonstige Verhalten, das beispielsweise Loyalität, Durchsetzungsvermögen oder Kompromissbereitschaft beinhaltet.

5. Schluss
Der Schluss eines Zeugnisses enthält üblicherweise die Beendigungsformel, wie "Frau XY verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch", die Dankes-Bedauern-Formel und die Zukunftswünsche.

Zeugnissprache
Sollten Sie auch die Bewertung Ihres Zeugnisses selbst formulieren, so gilt: Seien Sie selbstbewusst - und vergessen Sie für einen Moment alles, was Sie über gutes Deutsch gelernt haben. Wenn Sie bisher glaubten, voller als voll geht nicht - weit gefehlt. Im Zeugnisdeutsch sind Sie nur dann eine sehr gute Mitarbeiterin gewesen, wenn Sie "die Anforderungen stets zur vollsten Zufriedenheit erfüllt" haben.

Die sehr floskelhaft und eigentlich immer positiv klingenden Formulierungen in Arbeitszeugnissen rühren daher, dass die Arbeitgeber sich wohlwollend äußern müssen. Tipps für die richtigen Formulierungen und was sie bedeuten finden Sie in jedem guten Ratgeber (siehe Info-Box).

Auch wer nichts sagt, sagt etwas
Achten Sie beim Formulieren oder Durchlesen Ihres Zeugnisses darauf, dass alles Wesentliche enthalten ist. Es sagt dem fachkundigen Leser, z.B. der Personalverantwortlichen bei Ihrem zukünftigen Traum-Arbeitgeber, nämlich auch etwas, wenn Dinge nicht gesagt oder Selbstverständlichkeiten besonders hervorgehoben werden. Wenn bei einer Vertriebsmitarbeiterin beispielsweise die Pünktlichkeit gelobt wird, die vertrieblichen Erfolge aber mit keinem Wort erwähnt werden, hat sie den Erwartungen ihres Arbeitgebers sicherlich nicht entsprochen.

Auch wenn die Dankes- und Bedauernsformel in einem ansonsten hervorragenden Zeugnis fehlt, ist das ein Hinweis darauf, dass etwas nicht stimmt. Leider können Sie diesen Satz nicht vor Gericht erstreiten: Es besteht kein rechtlicher Anspruch darauf.

Zwischenzeugnis
Ein Zwischenzeugnis ist oft hilfreich bei der Bewerbung um eine neue Stelle, darum sollten Sie sich bietende Gelegenheiten nutzen und um ein Zwischenzeugnis bitten, z.B. wenn Sie befördert oder versetzt werden, wenn Ihre Vorgesetzte das Unternehmen verlässt, wenn Ihr Unternehmen verkauft wird oder strukturelle Änderungen im Unternehmen vorgenommen werden.

Ein Zwischenzeugnis wird im Gegensatz zum Arbeitszeugnis im Präsens geschrieben und es enthält anstatt der Beendigungsformel den Grund für das Zwischenzeugnis.

Unsicher?
Bei Formulierungen und Bewertungen, die nicht den Tatsachen entsprechen oder bei Rechtschreibfehlern, sollten Sie auf jeden Fall um Nachbesserung bitten. Oft werden die falschen Formulierungen aus Unwissenheit gewählt.
Schwierig ist die Situation natürlich, wenn man sich im Streit trennt und der Arbeitgeber bezüglich des Zeugnisses nicht zum Einlenken bereit ist. Im Zweifel hilft hier nur der Rechtsanwalt.

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Zeugnis wirklich so gut ist wie es klingt, lassen Sie es von Bekannten oder auch von einem Karriereberater lesen. Letzteres ist zwar kostenpflichtig, aber ein richtig formuliertes Zeugnis kann die Jobsuche beschleunigen.

Linktipps
Übersichtliche Zeugnisstruktur als PDF bei www.jobware.de
Notenskala
www.arbeitszeugnis.de
Zeugnis-Check
www.wiwo.de
www.jova-nova.com
Literatur-Tipps
Sehr ausführlich und genau:

Arnulf Wuester, Brigitte Scheer. Arbeitszeugnis in Textbausteinen. Rationelle Erstellung, Analyse, Rechtsfragen. Richard Boorberg Verlag 2002. ISBN 3-415-03003-2. EUR 19,90.

Jürgen Hesse, Hans Christian Schrader. Praxismappe für das perfekte Arbeitszeugnis. Eichborn Verlag 2000. ISBN 3-821-81575-2. EUR 15,90.
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Für den schnellen Einstieg:
Anne Backer. Arbeitszeugnisse. Entschlüsseln und mitgestalten. Haufe 2002. ISBN 3-448-04983-2. EUR 6,60.
Quelle
[1] Arnulf Wuester, Brigitte Scheer. Arbeitszeugnis in Textbausteinen.
Autorin
Annette Wachowski
Kontakt: annette.wachowski@ mediella.de