Januar 2004 > mehr können > Präsentationstraining
 
Das Auge hört mit!
Von Julia Emmert
 
Jede war schon einmal in der Lage, etwas präsentieren zu müssen, eine Rede halten zu müssen, ein Bewerbungsgespräch führen zu müssen. Einfach jemanden von etwas überzeugen zu wollen, und sei es auch nur von sich selbst. Die meisten waren oder sind von solchen Aufgaben jedoch wenig begeistert. Genauso wenig begeistert sind sie jedoch, wenn sie auf der anderen Seite stehen, nämlich im Publikum, und langweilige Vorträge über sich ergehen lassen müssen. Sei es von ihren Kollegen, ihrem Dozenten oder ihrem Chef

Aus genau diesem Grund haben Politiker heutzutage persönliche Trainer, und große Firmen schicken ihre Mitarbeiter zu entsprechenden Seminaren oder holen sich die Trainer von außen ins Haus. Meist wird hier vermehrt Nachdruck auf das gelegt, was gemeinhin als Rhetorik bekannt ist: Die Wortwahl, der Inhalt und Aufbau einer Rede sind wirklich von großer Bedeutung.

Allerdings hilft selbst der am besten vorbereitete, ausgetüftelte und inhaltlich brillanteste Vortrag nichts, wenn der Redner diesen in der monotonen Stimmlage eines plätschernden Wasserfalls hält. Ein solcher Vortrag wirkt oft besser als so manches Schlafmittel. Die Intonation und Melodie, ja sogar richtig eingesetzte Pausen, spielen eine wichtige Rolle, will man überzeugend auftreten.

Neben der Sprache und der Stimme jedoch gibt es eine weitere Grundlage, die entscheidend zu einer guten Präsentation beiträgt, die jedoch häufig außer Acht gelassen wird: Körperbeherrschung. "Denn durch die Kenntnis seiner eigenen körperlichen Ausdrucksmöglichkeiten und deren Wirkung erlangt man Selbstsicherheit und das führt zu souveränem Auftreten. Dafür ist die Wahrnehmung des eigenen Körpers von entscheidender Bedeutung." Diese Meinung vertritt Herr Ansgar Höckh, der mit seiner Firma "In Medias Res" den Begriff der KörPersuasion prägt. Dieser Begriff meint eben genau den überzeugenden Einsatz des eigenen Körpers. Die Idee hierbei ist die Eigenwahrnehmung sowie die Fremdwahrnehmung zu steigern, dadurch das Bewegungsbewusstsein zu verbessern und somit in der Lage zu sein, auch bei Präsentationen oder Vorträgen Bewegungen und deren Wirkung gezielt einzusetzen. Bei der Präsentation hauptsächlich mit dem Körper zu arbeiten, ist ein komplett neuer Ansatz.

Wichtig für die eigene Körperbeherrschung ist zuerst einmal, sich selbst genau zu beobachten um so Lückenfüller- oder Nervositätsbewegungen aufzuspüren und diese nach Möglichkeit zu vermeiden. Eine nette Idee um die Fremdwahrnehmung zu steigern und sich selbst vielleicht auch ein paar Bewegungen abzuschauen, ist es sich einfach in ein Café zu setzen und andere Besucher zu beobachten. Wenn einem eine Geste oder Bewegung eines der Anwesenden gefällt, ist es durchaus eine Überlegung wert, sich diese ebenfalls anzueignen.

Ein kleiner Tipp noch für freie Vorträge oder Präsentationen: Um den Faden nicht zu verlieren, bietet es sich an nur maximal fünf große Punkte oder Überschriften zu behandeln. So kann man jedem Punkt einen Finger zuordnen und, falls man einmal nicht mehr weiter weiß, einfach an seinen Fingern abzählen und dabei so tun, als würde man dem Publikum zeigen wo man stehen geblieben ist.

Auch kann man einen Vortrag gut vor dem Spiegel üben, um so seine Bewegungen und seine Haltung zu überprüfen. Allerdings ist dabei Vorsicht geboten, da der Spiegel nur ein raumbegrenzendes Kontrollmittel darstellt und somit statische Bewegungen fördert. Bei der Umsetzung der meisten Präsentationsseminare hat es sich daher eingebürgert Kameras einzusetzen, damit sich der Vortragende später auch selbst analysieren kann. Sicherlich kann das durchaus positiv sein. Allerdings hat es auch entscheidende Nachteile, denn der Redner empfindet die Situation vor der Kamera meist als noch stressiger als die Redesituation selbst. Das hat zur Folge, dass er sich vor dieser anders verhält als vor Publikum. Außerdem zeigt die Kamera nur einen kleinen Ausschnitt der Perspektive des menschlichen Wahrnehmungsvermögens. Dadurch sind die Situationen hinterher nur noch unzulänglich beurteilbar. Die Teilnehmer eines solchen Seminars sollten aber am Ende in der Lage sein, Verbesserungen durch Selbstwahrnehmung vorzunehmen und nicht auf die Hilfe technischer Mittel angewiesen zu sein.

Schließlich stehen einem in alltäglichen Situationen auch nicht immer Kameras zur Verfügung und nicht nur mediale Präsenz ist heute von Bedeutung, sondern das Auftreten eines jeden Einzelnen. Somit wird jede Präsentation, jede Rede und jedes Bewerbungsgespräch zu einer körperlichen Selbstdarstellung. "Bei einem solchen Vortrag will man dem Publikum schließlich auch etwas bieten," meint Herr Höckh "und das sollte nicht nur auf rein stimmlicher Basis geschehen, denn das Auge hört mit."
 

Details
Anschrift
In Medias Res
Derendingerstr. 105
72072 Tübingen
E-Mail: Hoeckh@imr-training.de
Internet: www.imr-training.de
Autorin
Julia Emmert
Studentin der Kommunikationswissenschaft
an der Ludwig-Maximilians-Universität München