Januar 2003 > mehr netzwerken > Mentoring - Frauen fördern Frauen
 
Frauen fördern Frauen
Von Birgit Beichter
 

Frauen in Führungspositionen sind heute keine Seltenheit mehr. Dennoch sind sie noch deutlich in der Minderheit. An der Kompetenz und der Qualifizierung kann es nicht liegen. Hier sind Frauen mindestens ebenso gut qualifiziert wie Männer. Sicher, es fehlen immer noch Betreuungsplätze, auch in großen Unternehmen, und viele Frauen möchten Familie und Karriere vereinbaren. Führungskraft oder Unternehmerin zu sein bedeutet meist mehr als Vollzeit-Engagement.

Kontakte nutzen
Neben der mangelnden Flexibilität des Arbeitsalltags fehlen das nötige Insiderwissen und Kontakte zu anderen Menschen, die ähnliche Situationen erfolgreich bewältigt haben. So sehen sich viele Frauen als Einzelkämpferinnen und beschreiben den Weg nach oben oft als sehr steinig. Männer nutzen seit Jahrhunderten Netzwerke und gezielte Kontakte zu Mentoren. Diesen Weg auch für Frauen zu eröffnen, kann große Chancen bieten.

Zwei Beispiele, wie Mentoring von Frauen für Frauen funktioniert:

  1. Der Weg nach oben - die gläserne Decke
    Frauen in Führungspositionen müssen nach einer erfolgreichen Karriere häufig feststellen, dass der nächste Schritt in eine Top-Position verwehrt bleibt. Trotz Qualifikation stoßen sie an ein unsichtbares Hindernis, die sog. gläserne Decke.
    Nicht nur die Qualifikation spielt bei der Beförderung eine Rolle, ebenso wichtig sind Kontakte in die höhere Führungsebene. Hier kann eine Mentorin als direkte Linienvorgesetzte Kontakte herstellen oder durch direkte Zusammenarbeit erkennen, wie verlässlich die Anwärterin ist. Eine externe Mentorin kann speziell auf die Situation der Ratsuchenden eingehen, aus eigenem Erfahrungsschatz geeignete Vorschläge für die nächsten Schritte erarbeiten oder ggf. Kontakte zu anderen Firmen herstellen. Das Gefühl, den Rücken gestärkt zu bekommen gibt zusätzliche Energie für die Konzentration auf das Wesentliche.


  2. Berufsrückkehrerinnen
    Häufig unterbricht die Familienphase die Karriere einer Frau. Der Wunsch nach Rückkehr in den Beruf bringt spezielle Probleme mit sich. Der Kontakt zur Arbeitswelt geht verloren, die neuen Entwicklungen im Management sind nicht bekannt ebenso wie die ungeschriebenen Regeln. Eine erfahrene Mentorin kann hier zunächst ermutigen und im Vorfeld geeignete Strategien entwickeln, um Krisen bei der Stellensuche zu bewältigen. Ist diese Hürde genommen, unterstützt die Mentorin ihre Mentee bei der Harmonisierung von Bedürfnissen der Familie und Anforderungen des Berufs und hilft dabei, wieder den geeigneten Platz im Arbeitsleben zu finden und Versäumtes nachzuholen.

Neben den Vorteilen des frauenspezifischen Mentorings gibt es auch Bedenken. Einige Frauen wollen kein frauenspezifisches Angebot. Sie wollen nicht in die Schublade der Frauenquote gesteckt werden und erhoffen sich von Kontakten zu Mentoren bessere Aufstiegschancen in einer männlich dominierten Arbeitswelt. Mentoring für Frauen kann da erfolgreich ansetzten, wo frauenspezifische Probleme auftreten. Deshalb ist es keine Extrawurst für Frauen, vielmehr eine Chance von beiden Geschlechtern zu lernen.
 

Autorin
Brigit Beichter
Kontakt: birgit.beichter@ mediella.de