Januar 2003 > mehr verdienen > Forderungsmanagement
 
Was tun, wenn der Kunde nicht zahlt? Tipps zum Umgang mit säumigen Zahlern
Von Annette Wachowski
 

Immer häufiger klagen Geschäftsleute über die schlechte Zahlungsmoral ihrer Kunden. Nicht selten können verspätete oder ganz ausbleibende Zahlungen, besonders für Selbstständige, die Insolvenz bedeuten. Aber so weit muss es nicht kommen.

Neue Kunden unter die Lupe nehmen
Wenn jemand zum ersten Mal einen Auftrag bei Ihnen platziert und es sich nicht gerade um ein bekanntes Unternehmen wie Siemens oder BMW handelt, sollten Sie versuchen, mehr über diesen Neukunden herauszufinden.

Überprüfen Sie zunächst Adresse und Telefonnummer auf Echtheit.
Handelt es sich um einen Geschäftskunden oder öffentliche Auftraggeber, fragen Sie in Ihrem Netzwerk oder bei befreundeten Selbstständigen oder Unternehmern nach, ob etwas über die Verlässlichkeit und das Geschäftsgebaren bekannt ist.

Bei der IHK erfahren Sie, ob ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Sie können auch kostenpflichtige Auskunftsdienste in Anspruch nehmen, wie beispielsweise Creditreform und Bürgel mit Bonitätsauskünften über Firmen und Schufa oder Infoscore über die Kreditwürdigkeit von Endverbrauchern. Die Kosten liegen zwischen 1-20 Euro für eine Auskunft.

Rechnungen richtig schreiben
Wenn Sie Ihre Leistung erbracht haben, sollten Sie unverzüglich die Rechnung schreiben. Halten Sie hierbei die Formalien ein, sonst können zahlungsunwillige Kunden die Zahlung aufgrund von Formfehlern verzögern.

Die Rechnung muss folgende Bestandteile enthalten:

  • Ihren Namen, Ihre Anschrift und Ihre Steuernummer
  • Name und Anschrift des Auftraggebers
  • Art und Umfang der Leistung
  • Termin der Lieferung bzw. Leistung
  • Nettobetrag
  • Darauf entfallene Umsatzsteuer, falls Sie nicht von der Umsatzsteuer befreit sind
  • Darüber hinaus kann die Rechnung einen Hinweis auf die sofortige Fälligkeit enthalten, auch wenn nach BGB § 286, Abs. 3 für alle Geldforderungen eine 30-tägige Zahlungsfrist nach Stellung der Rechnung gilt.

Sollten Sie auf frühere Zahlungen angewiesen sein, zum Beispiel, weil Sie in Vorleistung treten müssen, versuchen Sie durch ein Gespräch mit Ihrem Auftraggeber eine Abschlagszahlung zu vereinbaren.

Was ist zu tun, wenn Kunden nicht zahlen?
Wenn alle vorbeugenden Maßnahmen nicht gegriffen haben und er Kunde nicht zahlt, überprüfen Sie zunächst, ob die Rechnung einwandfrei ist; vergleichen Sie mit dem Auftrag oder der Auftragsbestätigung, ob Sie alle geforderten Bestandteile geleistet haben und kein Formfehler Ihrerseits vorliegt.

Wenn Ihre Rechnung fehlerfrei ist, sollten Sie das Gespräch mit Ihrem Auftraggeber suchen: Gibt es Beanstandungen, ist der Empfänger nicht zufrieden oder welche sonstigen Gründe gibt es für die Verzögerung der Zahlung? Machen Sie Ihren Ansprechpartnern klar, dass für Sie als Klein(st)unternehmerin durch säumige Zahler die Existenz auf dem Spiel steht. Liegt sogar schon ein Folgeauftrag vor, ist Ihre Verhandlungsposition noch besser.

Gerade in größeren Unternehmen oder Firmen mit ausländischer Muttergesellschaft, die die Überweisungen tätigt, kann es dauern, bis Ihre Rechnung alle Instanzen durchlaufen hat und endlich überwiesen wird. Versuchen Sie, Ihren Ansprechpartner im Unternehmen zum Fürsprecher machen, der alle Hebel in Bewegung setzt, dass Ihre Rechnung zeitnah überwiesen wird.

Auch eine freundliche schriftliche Zahlungserinnerung mit Angabe des Rechnungsdatums und der Rechnungsnummer sollte die Kundenbeziehung nicht gefährden und kann das Problem ohne größere Verstimmungen lösen.

Mahnung oder nicht, das ist hier die Frage
Ab dem 31. Tag, nachdem die Rechnung zugegangen bzw. das Fälligkeitsdatum überschritten ist, kommt nach dem Gesetz zur Beschleunigung fälliger Zahlungen jeder Kunde, der bis dahin nicht gezahlt hat, automatisch in Verzug.

Wenn alles Reden und freundliche Erinnerungen nicht helfen, können Sie schärfere Maßnahmen ergreifen, um an das Ihnen zustehende Geld zu kommen.
Ob und wie Sie Ihren Forderungen Nachdruck verleihen, bleibt Ihnen alleine überlassen und hat viel mit Fingerspitzengefühl und der Abwägung von zeitlichem und finanziellem Aufwand und Nutzen zu tun, insbesondere wenn ein Auftraggeber ganz offensichtlich nicht zahlen kann oder will.

Sie können dem säumigen Zahler eine Mahnung schicken und Verzugszinsen in Höhe von acht Prozent bei Geschäftskunden und fünf Prozent bei Endverbrauchern über dem von der Bundesbank festgelegten Basiszinssatz fordern. In diesem Schreiben sollten Sie auch gerichtliche Schritte avisieren, das soll in manchen Fällen schon gewirkt haben.

Das gerichtliche Mahnverfahren
Den Vordruck für den "Antrag auf Erlass eines Mahnbescheides" bekommen Sie im Schreibwarenhandel; in einigen Bundesländern - darunter Bayern - kann man den Antrag auch online stellen. Ihn gibt man beim Amtsgericht ab und zahlt eine Gebühr. Bei einem Streitwert von 900 Euro liegt diese derzeit (Stand: Dez. 2001) bei 22,50 Euro.

Das Gericht erlässt einen Mahnbescheid und stellt diesen dem Schuldner zu. Dieser hat 14 Tage lang Zeit zu zahlen oder Einspruch zu erheben. Erfolgt nichts dergleichen, können Sie bei Gericht einen Vollstreckungsbescheid beantragen und Ihre Forderung durch einen Gerichtsvollzieher pfänden lassen. Führt auch das nicht zum gewünschten Erfolg und geht es für Sie um viel Geld, sollten Sie spätestens jetzt einen Anwalt einschalten und ggf. Zivilklage einreichen.

Letztendlich kann niemand Ihnen die Entscheidung abnehmen, wie Sie mit säumigen Zahlern verfahren. Sie sollten nur nicht zu viel Verständnis für "Zahlungsmuffel" aufbringen, schließlich müssen Sie Ihre Miete, Versicherungen usw. auch pünktlich zahlen.
 

Tipps
»   Vereinbaren Sie bei Projekten mit längerer Laufzeit die Bezahlung in Dritteln: Das erste Drittel der Gesamtsumme wird bei Auftragserteilung fällig, das zweite zum Beispiel bei Vorlage des Konzepts und das dritte nach Fertigstellung.
 
» Bei Großkunden sind vertraglich festgelegte Zahlungsziele von neunzig Tagen durchaus üblich; das sollten Sie bei Ihrer Liquiditätsplanung berücksichtigen.
 
» Stellen Sie die Rechnung direkt nach Erfüllung des Vertrags oder Lieferung - je schneller Sie die Rechnung stellen, desto schneller sehen Sie Ihr Geld.
 
» Überwachen Sie die Zahlungseingänge auf Ihrem Konto regelmäßig..
Links

Wirtschaftsauskünfte und Inkassodienste
Verband der Vereine Creditreform e.V. www.creditreform.de

Bürgel Wirtschaftsinformationen www.buergel.de

Schufa
www.schufa.de

InFoScore www.infoscore.de(bietet auch eine Payment-Solution für's E-Business )

Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V
www.inkasso.de

Elektronisches Mahnverfahren
Optimahn

Originaltext der der EU-Richtlinie vom 29. Juni 2000 zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr

Autorin
Annette Wachowski
Kontakt: annette.wachowski@ mediella.de